«Wenn wir an einem Wettkampf teilnehmen, dann wollen wir diesen auch gewinnen.» Die Ansage von Miro Furrer war unmissverständlich. Der Stürmer des EHC Zunzgen-Sissach gab vor dem Start schon mal den Tarif durch.

Die Eishockeyaner liessen den Worten Taten folgen und legten gleich fulminant los. Sie wählten dafür ihre ganz eigene Taktik. Anstatt die Eier bis vor den Korb zu tragen und dann aus kurzer Distanz sicher zu treffen, begannen sie, die aufgelesenen Eier aus der Ferne durch die Luft zu werfen. So sparten sie Zeit, mussten doch die Eier nicht einfach laufend, sondern sackhüpfend, mit zusammengebundenen Beinen, in der Garette, mit dem Trottinett, auf dem Skateboard, dem Hockeystock, auf dem Löffel, dem Badminton-Racket oder sogar zu viert auf Holzskiern gesammelt und transportiert werden.

Die Taktik hatte grösstenteils Erfolg, barg aber auch Risiken. Die Wand der alten Turnhalle und der Baum im Hintergrund konnten ein Lied davon singen. Ein Zuschauer wurde von einem fliegenden Ei sogar am Kopf getroffen. Dieser Querschläger passierte wohl aber nicht ganz unabsichtlich. Der Mann nahm es mit Humor. Er nahm seine Mütze ab und putzte davon lachend die Schalenreste und das Eigelb ab.

Die Taktik der Weitwürfe fand schnell Nachahmer beim den Turnvereinen Zunzgen und Diegten. Gefragt waren da insbesondere die Fänger, die die mit Holzspänen gefüllten Körbe den fliegenden Eiern schon mal entgegenwerfen mussten.

Es zeigte sich schnell: Die Gastgeber des TV Zunzgen meisterten die gestellten Aufgaben am geschicktesten. Dabei konnten sie auf die lautstarke Unterstützung ihrer Fans zählen, die sich mit ihrer Vereinsfahne an den Rand der Zunzger Eierbahn stellten und beim «Skifahren» den Rhythmus «links, rechts» vorgaben. Die jeweils vier Zunzger harmonierten dadurch prächtig und kamen schnell voran, währendem die Eishockeyaner nebenan stolperten.

Keine Angst vor den Eiern

Die Zunzger holten sich bei ihrem Jubiläums-Eierleset verdient den Sieg. Dahinter folgten die Turner aus Diegten und die abgeschlagenen Eishockeyaner, die zwar für Spektakel sorgten, am Ende aber chancenlos blieben.

So wie die Zunzger die einzelnen Disziplinen im Griff hatten, konnte man fast nicht glauben, dass sie im Vorfeld nicht wussten, was genau geplant war. Doch Oberturner Roman Hofacker stellte vor und auch nach dem Wettkampf klar: «Bis vor wenigen Minuten wussten auch wir nicht, was wir tun müssen.» Für Fänger Andreas Schaffner, der so manchen Querschläger doch noch rettete, war das Erfolgsrezept simpel: «Einfach keine Angst vor den Eiern haben.»

Da sah man ihm am Ende auch an. Das Shirt, die Haare und auch das Gesicht voller Eigelb. Roman Hofacker sah sein Team durch die Vielfalt an Turndisziplinen von Beginn weg im Vorteil. Dass auch den Diegtern das Turnen nicht ganz fremd ist, war ihm dabei egal. «Das sind halt Diegter, wir Zunzger.»

Kommt das Eierleset definitiv zurück?

Anlässlich seines hundert Jahr Jubiläums rief der TV Zunzgen das einst traditionelle Eierleset wieder ins Leben. Dieses wurde einst vom Turnverein selber lanciert und später an die Wurlitzer Clique zur Organisation übergeben.

In den vergangenen Jahren fand das Eierleset aber nicht mehr statt. Weshalb, weiss Turnvereinspräsident Thomas Ditzler auch nicht. Wenn die Premiere gut verlaufen sollte – und als Zuschauer empfand man dies durchaus so – überlege sich der Vorstand, das Eierleset in Zunzgen wieder zur jährlichen Tradition werden zu lassen. Nach der Dusche, die vor allem Fänger Andreas Schaffner nötig hatte, feierte der TV Zunzgen sein Jubiläum und wohl auch ein bisschen seinen Sieg am Abend in der Mehrzweckhalle Bündten weiter.