In der Schweiz leben über 100'000 Menschen mit Demenz, davon in beiden Basel je rund 4000. Das belegen Zahlen der Schweizerischen Alzheimervereinigung. Diese sind allerdings bereits über vier Jahre alt. Neuere werden erst 2014 publiziert. Und da gemäss der gleichen Erhebung schweizweit jährlich rund 25'000 Menschen neu erkranken, gilt Demenz mittlerweile als eine der grössten Herausforderungen im Pflegebereich überhaupt. Dies auch, weil demente Betagte einen besonders hohen Pflege- und Betreuungsaufwand bedeuten.

Die Zeiten, in denen Demenz-Patienten in Alters- und Pflegeheimen entweder wie alle anderen Heimbewohner behandelt oder einfach in eine geschlossene Abteilung gesteckt wurden, sind definitiv vorbei. «Baselland mangelte es lange an genügend Angeboten für Demenz-Patienten, doch nun haben die Gemeinden und Heime aufgeholt und stellen sich der Herausforderung», sagt Gabriele Marty von der Abteilung Alter und Gesundheit der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion.

Lange Wartelisten in den Heimen

Dies belegt auch eine Beilage zur aktuellen Pflegeheimliste des Kantons, die der bz vorliegt. Von den 2800 Betten, die die Heime anbieten, gelten deren 438 explizit als Demenz-Betten für schwerwiegendere Fälle, die meistens in eigenen Abteilungen untergebracht sind. Und immerhin 21 der 30 Heime bieten bereits solche Betten an. Dies deckt den Bedarf allerdings noch lange nicht. «Für viele Demenz-Abteilungen gibt es unheimlich lange Wartelisten», weiss Daniela Berger. Die Geschäftsführerin der Alzheimervereinigung beider Basel moniert, dass Demente, die von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt werden, bis es nicht mehr geht, von den Heimen teilweise nicht prioritär behandelt würden. «Das kann für die Angehörigen sehr belastend sein.»

Doch Besserung ist in Sicht. Wie die Beilage zur Pflegeheimliste zeigt, sind in den kommenden Jahren diverse Neubauten oder Erweiterungen geplant, die sich oft speziell an Demente richten. So plant etwa die Stiftung Obesunne in Arlesheim 24 zusätzliche Demenz-Betten, in Binningen bietet der mittlerweile abgeschlossene Neubau Schlossacker ebenfalls 24 und in Füllinsdorf wird das Schönthal deren 23 Plätze einrichten. Den grössten Ausbau plant jedoch das Alterszentrum am Bachgraben in Allschwil: Die Liste, die sich auf Daten vom vergangenen Mai stützt, führt bereits einen Ausbau von heute 16 auf 70 DemenzBetten auf. Auf Nachfrage der bz korrigiert Heimleiter Sandro Zamengo diese Zahl aber deutlich nach oben. «Eine neue Bedarfsprognose hat gezeigt, dass dies nicht genügt.» Statt um 54 werde man um 90 Demenz-Betten aufstocken – und den Neubau damit um ganze zwei Stockwerke höher machen als geplant.

Finanzierung muss geklärt werden

Bei aller Freude über den Bauboom im Demenz-Bereich warnt Zamengo, der auch noch Präsident des Baselbieter Heimverbands BAP ist, allerdings auch: «Offen ist, wer die aufwendigere Betreuung von Dementen in Zukunft bezahlen soll.» Heute geht es zulasten der Bewohner selbst oder der Ergänzungsleistungen.

Doch nicht nur die Betreuung ist aufwendiger, auch die modernen Demenz-Abteilungen selbst sind hochkomplexe Einrichtungen. Sie müssen absolut hindernisfrei begehbar sein, ohne Schwellen oder Linien auf dem Boden, müssen hell sein und viel Natur bieten mit Bewegungs-, aber auch Rückzugsmöglichkeiten, erklärt Zamengo. Er wie auch Berger sind dabei überzeugt, dass man künftig ganze Heime demenzgerecht bauen sollte. Denn: «Ein normaler Betagter fühlt sich in einer Demenz-Abteilung auch wohl, umgekehrt ist es aber nicht so.»