Dabei ist die Grundausstattung der Schweizer Strassentunnel vom Bundesamt für Strassen (Astra) eigentlich klar geregelt: In jedem Tunnel muss ein Ausstrahlungskabel vorhanden sein. Dieses ermöglicht es, in Notfällen Anweisungen über die Autoradios zu senden. Im Brandfall würde man so etwa die Fahrer auffordern, zu einem Notausgang zu gehen. Standardmässig wird für die Übertragung dieser Sicherheitshinweise die Frequenz von SRF 1 installiert. Jede zusätzliche Frequenz muss vom entsprechenden Sender bezahlt werden. Die Kosten für die Erstinstallation bewegen sich laut Astra-Sprecher Andreas Rüegger zwischen 10 000 und 15 000 Franken.

Früher eine Kostenfrage

«Früher scheiterte die Installation einer Radiofrequenz oft an den Kosten», weiss Stephan Vögeli, Leiter Betriebs- und Sicherheitsausrüstung der Nationalstrassen Nordwestschweiz (NSNW). «Die Privatsender überlegten sich genau, ob es sich lohnt, in einem Tunnel zu senden. Er musste lang genug sein und ein gewisses Verkehrsaufkommen haben.» Andreas Rüegger bestätigt: «Vor einigen Jahren kostete die Installation noch um 50 000 Franken.»

Heute sei das bedeutend einfacher geworden: «Gerade die Technik wurde günstiger.» So empfängt man aktuell im Schweizerhalle-, Chienberg- und Reinachertunnel neben dem obligatorischen SRF 1 auch SRF 2, SRF 3, Energy Basel und Basilisk. Dabei wurden im Reinachertunnel die zusätzlichen Frequenzen nicht etwa extra installiert: «Er liegt auf der Sendeachse des Sendeturms Chrischona und brauchte deshalb keine Verstärker», erklärt Alexander Binggeli, Projektleiter des Infra-Managements beim Tiefbauamt des Kantons Baselland.

Nicht ausgerüstet

Ausgerechnet im erst seit Dezember offenen Schönthaltunnel kommen Kulturfans jedoch nicht auf ihre Kosten: SRF 2 fehlt. Der Radiosender scheint beim Bau des Tunnels kein Interesse daran gehabt zu haben, hier zu senden.

Im Schänzlitunnel dagegen empfängt man zwar zusätzliche Sender, aber nur dank des Chrischona-Sendeturms: «Und auch das nicht ohne Unterbuch», weiss Alexander Binggeli aus eigener Erfahrung.

In anderen Tunneln bestehen ebenfalls Sendelücken: Laut Binggeli empfängt man etwa im Eggfluhtunnel kein SRF 3. «Warum dort kein SRF 3 installiert wurde, weiss keiner. Das ist Sache des Senders», sagt Stephan Vögeli vom NSNW.

Ein von der bz durchgeführter Test zeigte zudem: Im Schänzlitunnel hört man auch auf der Frequenz von Radio Energy nur Rauschen. Vögeli will dem nun nachgehen: «Falls eine Störung festgestellt werden sollte, werden wir sie so schnell wie möglich beheben.» Aber: «Auch wenn der Sender nicht empfangen werden kann, können Warnhinweise über diese Frequenz gesendet werden.»