Lange Zeit schien sich bei der Baselbieter CVP niemand für das Amt der abtretenden Parteichefin Brigitte Müller-Kaderli zu interessieren. Doch nun, drei Wochen vor der Wahl an der CVP-Generalversammlung vom 2. Mai, kommt Bewegung in die Sache: In der bz vom Mittwoch bestätigte der Prattler Silvio Fareri (30), er wolle neuer CVP-Präsident werden. Zu diesem Zeitpunkt war seine Kandidatur die einzige, die Personalkommissionspräsident Georg Gremmelspacher auf dem Tisch hatte.

Dass die Kandidatur Fareris publik wurde, bevor die Personalkommission ihre Arbeit zu Ende führen konnte, sorgt in der CVP für Zoff. Der Findungs-Prozess solle möglichst geordnet ablaufen. Es sei nicht gut, wenn eingereichte Kandidaturen in den Medien breitgetreten werden, bevor sie in der Personalkommission diskutiert werden konnten, sagt CVP-Präsidentin Brigitte Müller und fügt an: «Wir sind doch hier nicht bei den US-Präsidentschaftswahlen.» Dem Vernehmen nach hat die verärgerte Präsidentin im Zuge des «Kandidaten-Leaks» gegenüber führenden Parteimitgliedern ein Kommunikationsverbot über Details zur Präsidiumswahl ausgesprochen.

Schachzug der «Stahlhelme»

Einige im Parteivorstand vermuten im öffentlichen Outing des Jungpolitikers einen Schachzug der rechtsbürgerlichen «Stahlhelmfraktion». Das sorgt zusätzlich für Ärger. Fareri, der auch die JCVP Baselland präsidiert hat, hat das politische Profil eines klassischen Wirtschaftsliberalen. Die Furcht ist gross, dass bei den Christdemokraten nur wenige Monate nach der Auseinandersetzung um die Unterstützung für SVP-Regierungskandidat Thomas de Courten erneut ein Richtungsstreit ausbricht. Fareri machte sich gemeinsam mit einer prominenten Minderheit vor den Regierungswahlen für das bürgerliche Viererticket mit de Courten stark.

Gemäss Recherchen der bz wird es nun aber nicht bei der Kandidatur Fareris bleiben: Auch CVP-Vizepräsidentin Béatrix von Sury hat mittlerweile ihre Kandidatur deponiert, wie sie auf Anfrage bestätigt. Und das ist brisant: Als Mitte Oktober Brigitte Müller überraschend ihren Rücktritt bekannt gab, sagte von Sury noch, sie hege keine Ambitionen aufs Parteipräsidium und sei mit ihren sonstigen Mandaten und Verpflichtungen ausgelastet.

Von Sury ist Vizegemeindepräsidentin von Reinach und CVP-Landrätin, seit der Nomination vom Mittwochabend zudem Nationalratskandidatin. Von Sury politisiert am linken Rand der CVP und stimmt im Kantonsparlament in sozialpolitischen Fragen oft gemeinsam mit dem linken Lager. Weshalb der Meinungsumschwung? Sie wolle mit ihrer Kandidatur fürs Präsidium eine echte Wahl ermöglichen und dazu beitragen, die Partei in ruhigen Gewässern weiterzuführen, sagt von Sury. Damit bestätigt sie indirekt die latenten Ängste vor einem Hauskrach in der CVP.

Co-Präsidium als Ausweg

Ein hochrangiges Parteimitglied schüttelt den Kopf: Béatrix von Sury sei gewiss eine valable Kandidatin: «Doch weshalb hat sie sich erst jetzt – fast ein halbes Jahr nach der Ankündigung Müllers – gemeldet und zunächst ein Interesse gar in Abrede gestellt?» Dies wirke seltsam und nähre den Verdacht, es gehe mit der Kandidatur von Surys einzig darum, einen Parteipräsidenten Fareri zu verhindern. «Dabei ist die Befürchtung, dass dieser das Steuer nach rechts herumreissen würde, blanker Unsinn.» Sein politisches Profil ähnelt denn auch jenem von CVP-Regierungsrat Anton Lauber.

Andere sagen hinter vorgehaltener Hand, Fareris Hypothek sei weniger seine politische Positionierung als vielmehr seine mangelnde Bekanntheit und Erfahrung. So war er bei den Landratswahlen vom 31. März weit weg von einer Wahl. Dennoch sehen in Fareri viele CVPler einen Hoffnungsträger – die Nomination auf der Nationalratsliste unterstreicht dies.

Demgegenüber ist Béatrix von Sury für die CVP in Reinach, der zweitgrössten Baselbieter Gemeinde, eine zentrale Figur. Die besonnene 58-Jährige wurde am 31. März mit sehr gutem Resultat in den Landrat wiedergewählt. Nicht wenige hoffen, dass sie 2020 bei den Reinacher Wahlen versuchen wird, der FDP das Gemeindepräsidium abzuluchsen.

Was also tun angesichts einer Situation mit reichlich Sprengpotenzial? Eine Idee wäre, sowohl Fareri als auch von Sury in ein neues CVP-Co-Präsidium einzubinden. Zumindest von Sury selbst fände ein Co-Präsidium eine gute Lösung. «Sind die unterschiedlichen Richtungen im Präsidium eingebunden, trägt das zu Einigkeit und Stärke der Partei bei», sagt sie. Dieses Modell gab es im Baselbiet vor nicht allzulanger Zeit schon einmal: Bei der SP stand 2015 dem jungen Adil Koller Regula Meschberger als Co-Präsidentin zur Seite – zumindest für ein Jahr.