Dr. Who, Star Wars, Dutzende Fahrzeuge, hunderte von Figuren und dazu die Beatles im Yellow Submarine. In Sacha Wittwers Lagerraum stehen sich Fantasie- und Realwelten im Miniaturformat gegenüber. Mit 150'000 Einzelteilen, davon 1500 Figuren, hat der 34-Jährige eine der grössten und umfassendsten Legosammlungen der Schweiz.

Die Leidenschaft begann aber nicht schon im Kindesalter. «Als Kind spielte ich wie jedes andere Kind auch mit Legos. Alles im normalen Rahmen. Die Sammelleidenschaft begann erst vor vier Jahren.» Es fing mit einem ersten Legoset an, das er sich in den Ferien kaufte. «Das Zusammenbauen machte mir derart viel Spass, dass ich schnell ein zweites und drittes Set kaufte. Und schon war ich vom Legovirus infiziert.»

Fotostudio für Legos

Im Zentrum seiner Legofaszination steht das Bauen. Entweder nach Vorlage aus einem Set, oder mit vorhandenen Steinen aus der Fantasie heraus. In der digitalen Welt ist das Teilen des Zusammengebauten auf Online-Plattformen wie Instagram oder auf Blogs mittlerweile genauso wichtig. Sacha Wittwer hat sich dafür ein Miniatur-Fotostudio im Lagerraum eingerichtet. Dort rückt er seine Kreationen ins beste Licht und hält sie von allen Seiten fest.

Das Fotografieren nehme mittlerweile genauso viel Zeit in Anspruch wie das Bauen selber. «Natürlich baue ich zuallererst für mich selber. Aber es macht natürlich Spass, wenn ich mein Schaffen anderen zeigen kann.» Denn einfach zum Nachbarn gehen und mit ihm die Begeisterung zu teilen, das funktioniere nicht. Dafür sei das ausgefallene Hobby zu wenig verbreitet. Im Internet sind die Legofreaks unter sich. Es gibt Bewunderung und tausende Likes. Sacha Wittwer hat auf seinem Account insgesamt 23'000 Follower.

In eine andere Welt entfliehen

Zwischen sechs und acht Stunden wöchentlich verbringt der gebürtige Basler in seinem Lagerraum in Oberwil, wo sich in Schubladen und Kisten die Legosteine türmen. Mit den Legos spielen tue er aber nicht, stellt er klar. «Es geht wirklich ums Bauen und Fotografieren.»

Mit den Fotos möchte er Geschichten erzählen, seiner Fantasie freien Lauf lassen. Und von dieser hat Sacha Wittwer reichlich, wie er selber sagt. «Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich unter dem Peter Pan-Syndrom leide und nicht erwachsen werden will. Mit meinen Legos entfliehe ich in eine andere Welt und habe auch mal Quatsch im Kopf.» Wenn er eine Idee hat, notiert er diese sofort in sein Notizbüchlein.

Der 34-Jährige ist von Beruf Wirtschaftsinformatiker. «Eine trockene Materie mit Computercodes», meint er dazu. Mit den Legos könne er so sein, wie er sich gerade fühlt. Dass ihn Mitmenschen als «verrückt» bezeichnen, komme durchaus vor. «Aber sobald ich ihnen zeige, was ich mache, dann sagen sie das nicht mehr.»

Mit den Legos in die Ferien

Mit seiner Leidenschaft ist Sacha Wittwer nicht alleine. Auf sogenannten «Toy-Safaris» trifft er sich weltweit mit anderen Legofreaks. Jede und jeder bringt ausgewählte Figuren mit, die dann in einer fremden Stadt fotografisch inszeniert werden. Auch wenn Sacha Wittwer mit seiner Freundin in die Ferien verreist, sind einzelne Figuren immer mit dabei. Ohne verlässt er nie das Haus.

«Man weiss nie, ob man nicht irgendwo ein tolles Fotosujet entdeckt.» Seine Freundin ist zwargrundsätzlich verständnisvoll, doch manchmal hört auch bei ihr der Spass auf. «Natürlich fragt sie, ob ich wirklich so viel Zeit und Geld in Legos stecken möchte. Das Schlimmste für sie ist aber, wenn ich die Legofiguren mit in die Ferien nehme.»