Der Gewerbeverein KMU Pratteln empfiehlt bei den Gemeindewahlen am 28. Februar alle seine Mitglieder, die für den Gemeinderat kandidieren, zur Wahl. Mit Ausnahme von einer Person: Christine Gogel. Auch sie ist Mitglied im Gewerbeverein, doch sie politisiert bei der SP – und somit in den Augen von KMU Pratteln in der falschen Partei.

«Unter politischer Neutralität verstehe ich was anderes», enerviert sich alt Einwohnerrats-Präsident Aldo Pavan (SP) in einem Leserbrief im «Prattler Anzeiger» über die Nichtberücksichtigung seiner Parteikollegin. Christine Gogel sei als Wirtin und Geschäftsführerin des Restaurants Höfli «eine aktive Gewerbetreibende im Dorf». Und somit hätte sie die Unterstützung von KMU Pratteln für ihre Gemeinderats-Kandidatur verdient.

Der Gewerbeverein ist anderer Meinung. «Selbstverständlich sind wir parteipolitisch neutral», sagt Markus Comment, Präsident von KMU Pratteln, auf Anfrage. «Trotzdem verfolgen wir sehr wohl, welche Parteien die Interessen des Gewerbes wahrnehmen. Die SP gehört aus unserer Sicht nicht dazu, und somit können wir für Christine Gogel auch keine Wahlempfehlung aussprechen.»

In den Genuss des KMU-Supports kommen somit «nur» fünf bürgerliche Kandidaten. Es sind dies die drei Bisherigen Stefan Löw, Rolf Wehrli (beide FDP) und Emanuel Trueb (CVP) sowie die zwei neuen Stephan Burgunder (FDP) und Urs Hess von der SVP.

«Nicht ganz sauber»

Die Begründung des KMU-Präsidenten sei nicht einleuchtend, findet die Nicht-Empfohlene. «Es sollten alle Mitglieder gleich behandelt werden», sagt Christine Gogel, die seit 2012 im Prattler Einwohnerrat sitzt. «Die politische Herkunft sollte nicht das alleinige Ausschlusskriterium sein.»

Sie würde darauf achten, bei Auftragsvergaben und Einkäufen «wann immer möglich» das Prattler Gewerbe zu berücksichtigen, und sie komme mit den KMU-Mitgliedern bestens aus. «Dass mich KMU Pratteln nur deswegen nicht portiert, weil ich in der falschen Partei sein soll, enttäuscht mich schon.»

KMU-Präsident Comment wiederum nennt die Linie des Vereins konsequent. «Wir schätzen Christine Gogel. Aber die SP hat sich in den vergangenen Jahren wenig gewerbefreundlich verhalten. Und wir könnten von Gogel auch nicht erwarten, dass sie ständig andere Positionen einnimmt als ihre Partei – das würde auf die Dauer nicht gut gehen.»

Die Konkurrenz-Organisation von KMU Pratteln, der Verein Prattler Gewerbe (VPG), spricht gar keine Wahlempfehlungen aus. «Das verbieten unsere Statuten», sagt Gründungsmitglied Claudio Rossi. Dass KMU Pratteln Christine Gogel nicht empfehle, bezeichnet er als «nicht ganz sauber». Wenn man schon Empfehlungen ausspreche, dann müsse man alle gleich behandeln.

Konkurrenz empfiehlt niemanden

Der VPG wurde 2011 ins Leben gerufen, als erklärte Alternative zu KMU Pratteln, weil dieser laut Rossi «am Einschlafen» war. Der VPG listet auf seiner Website rund 50 Mitglieder auf. KMU Pratteln ist deutlich grösser; er hat laut eigenen Angaben rund 200 Mitglieder.

Claudio Rossi, der bis 2011 im Vorstand von KMU Pratteln sass und sogar für dessen Präsidium kandidierte, ist wie Christine Gogel SP-Mitglied. Bis Ende 2014 vertrat er die Partei im Orts-Parlament. Bei seinem Austritt sei die SP-Mitgliedschaft auch ein Grund gewesen, sagt Rossi: «KMU Pratteln arbeitete schon damals stark mit der FDP zusammen, und das hat sich noch verschärft.»

Markus Comment will diese Einschätzung nicht kommentieren. Der KMU-Präsident sagt, er habe sich vorgenommen, auf die «jeweiligen unsachlichen und unwahren ‹Angriffe› von Claudio Rossi» nicht mehr einzugehen.

Einen der elf Gemeinderatskandidaten verloren hat KMU Pratteln mit Marc Bürgi. Er habe seine Gönner-Mitgliedschaft im Sommer gekündigt, sagt der Einwohnerrat und Präsident der BDP Ergolz. «Für meinen Geschmack», begründet er diesen Schritt, «war der Verein politisch zu wenig neutral.»