In Rümlingen steigt Radon aus dem Boden. Radon ist radioaktiv und in der Schweiz für rund 10 Prozent der jährlichen Lungenkrebs-Erkrankungen verantwortlich. Es ist ein Edelgas, das rein natürlich vorkommt, wenn es beim Zerfall von Uran in den Gesteinsfesten des Juras und der Alpen entsteht und unbemerkt durch den Boden an die Oberfläche gelangt.

Ölheizungen sind Eintrittspforten

«Die Belastung durch Radon hängt stark von der geologischen Struktur ab», sagt der Baselbieter Kantonschemiker Peter Wenk: Der Jurakalk biete genug Klüfte, in denen das Gas nach oben steigen kann. Im Baselbiet ist allerdings nur die Gemeinde Rümlingen von Radon-Belastungen über dem Grenzwert betroffen, genauer gesagt: drei Einfamilienhäuser. Das Radon dringe durch undichte Keller ins Haus, erklärt Wenk: «Die heiklen Stellen sind die Verbindungen zwischen Boden und Wänden.»

Ausserdem gelange das Radon durch die Luftzufuhr von Ölheizungen in die Gebäude, vor allem im Winter, wenn geheizt werde. Messungen nimmt der Kanton deshalb während der Wintermonate vor. In Rümlingen wurden laut Wenk von 112 Häusern bereits 99 untersucht. Dabei lag die Hälfte unter 92 Becquerel pro Kubikmeter (Medianwert); der Grenzwert liegt bei 1000 Becquerel pro Kubikmeter. Messungen im Gebäude mit den höchsten Werten ergaben 2000 Becquerel.

Sanierungen bieten Schutz

In Rümlingen weiss man schon lange um die Gefahr aus dem Boden. Gemeindepräsident Edi Berger ist des Themas allerdings überdrüssig: Für die bz will er keinen Kontakt zu den Betroffenen herstellen, obwohl sie ihm bekannt sind. Die Häuser stünden schon seit Jahrzehnten an ihrem Platz; und machen könne man gegen das Radon sowieso nichts. In der Tat steht es den Hausbesitzern frei, ob und was sie gegen den Radoneintritt in ihrem Gebäude unternehmen. Verpflichtungen bestehen nur für Vermieter. Wenk weist allerdings darauf hin, dass eine Sanierung keine grossen Summen verschlinge. So gehe es darum, Risse zu dichten, Lichtschächte zuzumauern oder «im schlimmsten Fall» einen Ventilator einzubauen.

Kinder besonders betroffen

Besonders betroffen vom Lungenkrebsrisiko sind laut Wenk Kinder. Die Schule in Rümlingen wurde deshalb gesondert überprüft. Laut Gemeinderat Matthias Liechti konnte aber «kein einziger Bereich über dem Grenzwert» festgestellt werden. Gemeinde und Schulleitung sahen deshalb keinen Grund für Massnahmen.

Das Kantonslabor hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden Wintern alle grossen Gemeinden genauer anzuschauen, speziell die dortigen Kindergärten und Schulen. In den Gemeinden mit mittlerem Risiko Augst, Bottmingen, Böckten, Brislach, Burg, Eptingen, Kilchberg, Lauwil, Liedertswil, Lupsingen, Reigoldswil, Roggenburg und Ziefen liegen die Messwerte bei einem Median von 100 Becquerel pro Kubikmeter. Das Kantonslabor will, dass dort mindestens ein Drittel aller Häuser kontrolliert wird.