Seit fünf Jahren haften Generalunternehmen, wenn auf ihren Baustellen schwarz gearbeitet wird – auch wenn die betroffenen Bauarbeiter ihr Geld von einem Subunternehmen erhalten.

Laut Entsendegesetz des Bundes gilt nämlich die sogenannte Solidarhaftung. Deshalb muss jeder, der eine Baustelle betritt, geprüft werden: Ist seine Arbeitsbewilligung noch gültig? Erhält er den Mindestlohn, den auch ausländische Unternehmen in der Schweiz zahlen müssen? Ist er richtig ausgebildet für die Aufgaben, die er zu verrichten hat? Hat der Subunternehmer in der Vergangenheit alle Sozialabzüge getätigt worden? Für alle Beteiligten bedeutet solche Fragen viel Papierkram. 

Elektronik statt Papier

Das Entsendegesetz gilt natürlich auch für die Baustelle der Wohnüberbauung Weidmatt in Lausen und Liestal – doch hier geschieht die Überprüfung rasch und unkompliziert. Der Angestellte zeigt an der Eingangskontrolle einen Badge oder hält seinen Finger hin. Auf dem Bildschirm der Bauleitung erscheint ein Foto des Angestellten und alle Dokumente, die die Arbeitsberechtigung für die Baustelle belegen. In wenigen Sekunden wird klar, ob die Person hier arbeiten darf oder nicht.

Die Weidmatt ist nämlich die erste Baustelle der Schweiz, in der Work Control zur Anwendung kommt. Acht Generalunternehmen haben mit ihrem Verband Entwicklung Schweiz dieses Dokumentenprüfsystem gemeinsam entwickeln lassen.

Jede Firma, die von einem der acht Unternehmen Aufträge annehmen will, muss sich selber und ihre Mitarbeiter in einer Datenbank registrieren. Dort geben sie auch alle nötigen Dokumente ein, nach dem Prinzip der Selbstdeklaration. Work Control Suisse AG, eine von den sieben Unternehmen gegründete Firma, überprüft, ob die Dokumente den gesetzlichen Vorgaben entsprechen, ob sie vollständig und noch gültig sind und ob alle Angaben plausibel sind.

«Das bedeutet für uns und die Subunternehmen eine administrative Erleichterung», sagt Reto Meier, Leiter Ausführung Basel bei Losinger Marazzi, dem für die Weidmatt verantwortlichen Generalunternehmen. «Man muss die Dokumente nur ein Mal elektronisch eingeben.» Bisher hätten sich in den Containern der Bauleitungen die Ordner gestapelt. In Zukunft soll ein Laptop reichen.

Zahlreiche Subunternehmen von Losinger Marazzi haben sich laut Meier bereits in die Datenbank eingetragen. Letztlich haben sie aber keine andere Wahl, wenn sie mit den acht Generalunternehmen zusammen arbeiten wollen. «Bei uns ist das ein Muss, stellt Meier klar. In den kommenden Monaten wird die Schweizer Bauwelt auf die Baustelle in Liestal und Lausen blicken. Denn die acht Unternehmen wollen in Zukunft auf allen ihren Baustellen Work Control einsetzen - laut Eigenangaben auf fast der Hälfte der Baustellen der Schweiz.

Behörden sollen aufspringen

Der Verband Entwicklung Schweiz hat das Kontrollsystem erarbeitet, «nachdem die Sozialpartner es nicht geschafft haben, sich auf ein System zu einigen», sagt der Präsident, der Bündner Ständerat Martin Schmid (FDP). Er hofft jetzt, dass die Behörden Work Control nutzen. Die Generalunternehmen seien bestrebt, den Reputationsschaden zu vermeiden, der mit Schwarzarbeit entstehe. «Kantone und Gemeinden haben dasselbe Interesse. Wenn sie auf ihren Bauprojekten Schwarzarbeit feststellen, sollten sie sich nicht vorwerfen lassen, ein existierendes Kontrollsystem nicht angewendet zu haben.»

Und Work-Control-Geschäftsführer Urs Marti meint: «Die Qualität der Daten, die wir bieten, ist deutlich besser als diejenigen, auf die die Behörden zugreifen können.» Gestern bei der Präsentation des neuen Systems auf der Weidmatt waren jedenfalls Vertreter des Kantonalen Amts für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga) anwesend.