Wer häufig unterwegs ist, kennt das Problem: In manchen Gemeinden können Wanderer kaum mehr den Durst löschen, weil es keine Restaurants mehr gibt. Auch in Liesberg, am Ende des Laufentals, mussten zum Leidwesen der Bevölkerung mehrere Beizen schliessen.

Schon vor einigen Jahren haben der «Ochsen» und das «Kreuz» im Dorf dichtgemacht. In beiden ehemaligen Beizen befinden sich heute Wohnungen. Damit ist Liesberg ohne Grundversorgung in der Gastronomie. Das Dorf teilt das Schicksal des zweiten Ortsteils Oberrüti, wo es ebenfalls keine Beiz gibt. Die eigentliche Beizenszene der dreiteiligen Gemeinde befindet sich im Riederwald, links und rechts der Delsbergstrasse.

Wechselhafte Beizengeschichte

Aber auch hier ist es zu Veränderungen gekommen. Am Eingang gab es bis vor einigen Jahren das «Silberbrünneli», das auch bei Ausflüglern sehr beliebt war. Seit einigen Jahren ist es der Standort des Behindertenheims «Hirsacker». Fährt man weiter Richtung Delémont, steht auf der rechten Strassenseite das Restaurant «Bahnhöfli». Dieses Lokal hat eine besonders bewegte Geschichte. «Mal ist es zu, mal ist es offen», ärgern sich Liesberger. Solches Geschäftsgebaren wirkt sich nicht gerade förderlich auf die Kundentreue aus. Zudem wird gemunkelt, dass in den Räumen des Obergeschosses sexuelle Dienstleistungen angeboten werden.

Markant ist das Restaurant «Rütli». Ein grosser Parkplatz auf der anderen Strassenseite war bis vor einigen Jahren ein beliebter Etappenhalt von Fernfahrern. Seit drei Jahren führt Astrid Dasen das Lokal mit gutem Erfolg und treuer Kundschaft. Sie hat die Nachfolge des früheren Eigentümers angetreten. Im März dieses Jahres wurde das Lokal versteigert; den Zuschlag bekam der Binninger Immobilienmakler Eduard Weber.

«Ich möchte hier eine Überbauung realisieren», sagt er. Während sein Architekt sage, Lage und Nachfrage seien gut, habe man von Seiten der Gemeinde eher abgewinkt. Deshalb will Weber in den nächsten Wochen den Bedarf genauer abklären, bevor er ein Projekt ausarbeiten lässt. Von der Überbauung soll aber das Restaurant nicht tangiert werden: «Von mir aus kann die Beiz bestehen bleiben, auf ewig.» Überbaut werden soll gemäss Webers Plänen der grösste Teil des Parkplatzes, der 50 Autos Platz bietet.

Astrid Dasen sagt denn auch, sie hätte auch nach dem Eigentümerwechsel weiter wirten können: «Aber ich will nicht», erklärt die 61-Jährige. Vor kurzem sei ihr Mann gestorben; ausserdem sei sie gesundheitlich angeschlagen, weshalb sie Ende dieses Jahres das «Rütli» verlassen und aus dem Berufsleben aussteigen wolle. Der neue Besitzer Eduard Weber sucht nun eine Nachfolge, um den Betrieb des traditionsreichen Lokals nahtlos weiterzuführen.

Café in ehemaliger Bank

Sehr beliebt als Dorfbeiz ist «Coni’s Träff», ebenfalls an der Delsbergstrasse. «Hier treffen sich die Leute zum Apéro oder nach der Gemeindeversammlung», sagt Jürg Jeanloz, früherer Gemeindepräsident von Liesberg. Auch im Clubbeizli des FC Riederwald findet man sich unter der Woche zusammen, selbst wenn nicht Fussball gespielt wird. Soeben wurde das Clublokal auf den neuesten Stand gebracht.

Hoffnung besteht nun auch im Dorf. Im Gebäude, in dem die Gemeindeverwaltung untergebracht ist, will Gisela Annaheim anfangs September ein Café eröffnen, und zwar in den Räumlichkeiten der ehemaligen Raiffeisenbank. Ab September bietet Annaheim im ersten Stock mit zehn Sitzplätzen Getränke, Sandwiches und Kuchen an. Im kommenden Jahr, nach dem Umbau, will sie ins Erdgeschoss umziehen, ebenfalls mit zehn Sitzplätzen. Zudem soll auch im Freien ein Tischchen vier Gästen Platz bieten – dies bereits ab September.

Im Dorf zeigen sich die Leute erleichtert, dass es wieder einen Treffpunkt geben wird und man bald nicht mehr «nach Riederwald hinunter» muss. Einige Befragte sind überzeugt, dass das Café in der alten Raiffeisenbank gut besucht sein wird.