Es ist kalt – eiskalt. Minus fünf Grad zeigt das Thermometer. Der Himmel ist grau und es schneit. Kein idealer Tag, um Bäume zu fällen. «Laut Wettervorhersagen hätte der Himmel heute strahlend blau sein müssen», sagt Christoph Löw von der Löw Baumpflege in Itingen. Der Baumpfleger ist gerade von einem Silberahorn heruntergeklettert, der vor dem Alters- und Pflegeheim Frenkenbündten in Liestal steht und demnächst gefällt wird.

Löw hat einen langen Tag vor sich: Zwei Ahorne, eine Eiche und ein Nussbaum müssen gefällt, gehackt und entsorgt werden. Mit den Vorbereitungsarbeiten hat er bereits am Vortag begonnen. Nun ist alles bereit. Nur der Super Puma ist noch nicht da. «Der Heli hat Verspätung», bemerkt Löw, «aber er kommt.» Um die Bäume zu fällen, die im besiedelten Gebiet am Hang stehen und an die man nur schwer herankommt, wurde die Eagle Helicopter AG aus Zweisimmen aufgeboten. Diese ist unter anderem für Spezialholzerei bekannt. Zum Team gehören nebst dem Piloten mehrere Holzspezialisten am Boden.

Die Gitterlistrasse ist seit dem frühen Morgen für den Verkehr und die Fussgänger gesperrt. Löw hat dafür bei der Stadt Liestal eine Bewilligung eingeholt. Immer wieder müssen Autofahrer, die das Verbotsschild ignorieren, angehalten und umgeleitet werden. «Es ist einfach unglaublich», ärgert sich René Menzel. Der Forst-
arbeiter aus Tecknau hat gemeinsam mit Christoph Löw die grosse Baumfäll-Aktion in Liestal organisiert.

Peter Schäfer steht am Strassenrand und verfolgt interessiert die Holzfällerarbeiten. Den Fotoapparat hat der Präsident des Gemeinnützigen Vereins für Alterswohnungen Liestal (GVAL) griffbereit. Immer wieder erkundigt er sich bei Menzel über den Vorgang.

Die GVAL hat die Baumfällung in Auftrag gegeben. Auslöser war eine über 100 Jahre alte Eiche, die im letzten Sommer einen Schaden durch einen Blitzschlag erlitten hat. «Weil der Baum bei einem Sturm zu stürzen drohte, mussten wir schnell reagieren», erzählt Schäfer. Baumpfleger Löw erhielt gleichzeitig den Auftrag, sich auch die anderen Bäume auf dem Grundstück anzuschauen. Die Kosten der Eichenfällung übernimmt allerdings die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung (siehe Kasten).

Von weitem ist ein lautes Rattern zu hören. Endlich. Der Super Puma ist da. Inzwischen haben sich viele Zuschauer am Strassenrand versammelt. Auch die Bewohner des Altersheims wollen sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Gebannt schauen alle zur Eiche am Hang hinauf. «Ist das nicht gefährlich?», fragt ein Mädchen seine Mutter und zeigt auf den Holzfäller, der mit seiner Motorsäge am Baum hängt und die Vorarbeit für den Helikopter leistet. Stück um Stück fliegt der Super Puma die Bäume weg und legt sie auf die Strasse. Dort werden sie zerhackt und zu Schnitzelholz verarbeitet.