Landwirt Ruedi Brunner war bereits in Windeln auf der Rütihard unterwegs. Und mittlerweile seit 40 Jahren schon bewirtschaftet er ein Landstück, das zu den beliebtesten Naherholungsgebieten der Gemeinde Muttenz zählt.

Vor mehr als dreissig Jahren – der Bauer war 25-jährig – machten die Rheinsalinen auf der Rütihard Sondierbohrungen. Brunner erinnert sich: «Damals hiess es, die Salz-Vorkommnisse seien nicht abbauwürdig.»

Drei Jahrzehnte später die unerwartete Wende: Vergangene Woche ist Landwirt Brunner zu einer Info-Veranstaltung des Bürgerrats eingeladen. Worum es geht, weiss Brunner vorgängig nicht. Fünf Landpächter der Bürgergemeinde, zwei Imker, die Flurchefin, die Geschäftsführerin und der Präsident des Bürgerrats sind anwesend. Der Bürgerrat informiert, die Schweizer Saline AG wolle im Gebiet der Rütihard neue Sondierbohrungen durchführen. «Wir sind aus allen Wolken gefallen», sagt Brunner zur bz.

Besonders nachdenklich stimmt den Bauern, dass bereits ein «fixfertiger Bohrplan» vorliegt. Eine Karte der Schweizer Salinen AG bildet 30 mögliche Bohrstandorte und die geplanten Leitungen zur Salzwasser-Förderung ab. Obwohl die Rütihard im Konzessionsgebiet der Saline liegt, sagt Brunner: «Diese Pläne stören mich, denn das Gebiet liegt in der Landschaftsschutzzone.»

Die drei Bauern – unter ihnen Brunner – seien in ihrer Existenz bedroht, wenn in der Rütihard über Jahre hinweg Salzbohrungen stattfinden würden. Eine Kirschbaumallee, welche die Bürgergemeinde bislang als ihr «Heiligtum» beschützt hätte, könnte aufgrund der Leitungen bedroht sein. «In Muttenz ist Richtung Osten bereits ein ganzes Gebiet durchlöchert», sagt Brunner. «Der Boden ist nach den Bohrungen nie mehr wie zuvor.»

Verhandlungen vorangetrieben

Am Montag bestätigte die Schweizer Salinen AG die geplanten Sondierbohrungen. Sie sollen in den kommenden Wochen stattfinden. Das Unternehmen mit Salz-Monopol in der Schweiz dementiert, seine Rütihard-Pläne seien bereits weiter vorangetrieben als bisher offiziell kommuniziert.

Im Geschäftsbericht 2016 liest sich allerdings auf Seite 33 unter «Ausblick» in kleiner Schrift: «Mehrere Verhandlungen mit Landeigentümern zur Erschliessung neuer Bohrfelder werden vorangetrieben. Die Rede ist vom neuen Kavernenfeld Möhlin Nord für die Saline in Riburg und Rütihard für die Saline in Schweizerhalle.»

Im Mai 2017 verkündete die Schweizer Salinen AG auf der Webseite ausserdem, die Schweizer Salzgewinnung sei bis zum Ende des Jahrhunderts sichergestellt. «Die Salzgewinnung für die Salinen Riburg und Schweizerhalle ist ungefähr bis 2075 geplant», schreibt Geschäftsführer Urs Hofmeier auf Anfrage.

Auf Bauern Rücksicht nehmen

Im Jahr 2025 laufen die Konzessionen der Schweizer Saline AG aus. Das Unternehmen befindet sich bereits in Verhandlungen mit den Kantonen Baselland und Aargau, um sich die Nutzungsrechte längerfristig zu sichern. Der Schweizer Salzversorger versichert, auf Landschaftsschutzzonen Rücksicht zu nehmen. Das Naherholungsgebiet könne weiter genutzt werden und Landwirte würden für die Ernteeinbussen entschädigt. Ausserdem: «Bei der definitiven Festlegung der Bohrungsstandorte nehmen wir auf die Bedürfnisse der Landbesitzer und Pächter Rücksicht.»

Ruedi Brunners Befürchtungen, in der Rütihard könnte bereits ab 2025 Salz gefördert werden, bestätigen sich zunächst nicht. Doch der Landwirt wirft der Rheinsaline und der Gemeinde vor, Informationen zurückgehalten zu haben. Gemeiderat Joachim Hausammann sagte jedoch, Muttenz werde erst am 27. März von der Schweizer Saline AG über die Pläne ins Bild gesetzt.

Nach der Information der Bürgergemeinde vom vergangenen Samstag ist die Bauernfamilie Brunner an vielen Fronten aktiv geworden. Über mehrere Kanäle beabsichtigt Brunner, die Bevölkerung wachzurütteln. «Wir wollen aktiv sein, bevor die Bohrlöcher da sind», sagt der Landwirt.

Heute Dienstagabend schon wird Brunner die Salz-Bohrlöcher an der Gemeindeversammlung ansprechen. Und am kommenden Samstag laden die Brunners zu einer Infoveranstaltung auf der Rütihard. Ihr Motto: «Behörden wollen nicht informieren, wir machen es.»

Auf Facebook erregte die Familie mit der am Montag neu gegründeten Gruppe «Rettet die Rütihard!» innerhalb weniger Stunden grosse Aufmerksamkeit. Am Abend zählte die Facebook-Gemeinschaft bereits knapp 1000 Mitglieder.