Nach der erfolgreichen Erschliessung des Kägens mit einem Bus stand am Donnerstag im Reinacher Einwohnerrat der zweite Ortsbus zur Debatte. Dieser soll vom Ortszentrum den Bruderholzfuss entlang fahren und schlecht mit dem öffentlichen Verkehr erschlossene Quartiere erreichen. Eingebaut ist auch eine Schlaufe zum Rebberg.

«Die Unterdeckung besteht, und
es besteht ein Potenzial für weitere Erschliessungen», erklärte der Präsident der Kommission für Planungsfragen, Fredy Fecker. Er bedauerte, dass Münchenstein nicht mitmachen wollte bei der Verlängerung der Linie bis zum Bahnhof.

Die Kosten seien vorsichtig errechnet worden. «Zwei Drittel der Kommission für Planungsfragen wollen den Probebetrieb. Um aber einem allfälligen finanziellen Debakel zuvorzukommen, haben wir eine Notbremse eingebaut.» Diese besteht darin, dass der Gemeinderat nach neun Monaten einen Zwischenbericht vorlegt und der Einwohnerrat dann entscheidet, ob der Versuchsbetrieb über die volle Versuchsphase von zwei Jahren weitergeführt wird.

«Erschwingliche Preise»

Dies unterstützten CVP sowie FDP/GLP/BDP. Deren Sprecherin Gerda Massüger erinnerte an die lange Planungszeit. «Geben wir ihm eine Chance.» Er werde ebenso erfolg-reich wie der Ortsbus von Oberwil und Bottmingen, den man als Vergleich beigezogen habe. Für die Ortsbuslinie sprach sich auch Markus Huber für SP/Grüne aus. «Wenn man genauer hinschaut, dann bringt er wesentliche Verbesserungen zu erschwinglichen Preisen.» Einzig die von der Kommission für Planungsfragen vorgeschlagene Notbremse lehnten sie als unrealistisch ab. Mit allen Mitteln bekämpfte die SVP-Fraktion den Bus. Adrian Billerbeck kritisierte die Linienführung, die parallel zur Tramlinie 11 verlaufe und keine zwei Verkehrsknotenpunkte verbinde wie in Oberwil und Bottmingen. «Wir sind gegen den Ortsbus. Es stellt sich die Frage, für wie viele Personen überhaupt ein solches Angebot für diesen Preis zu machen ist.» Das Angebot sei für die Anwohner auch ein Stück weit eine Bevormundung, und sie müssten sich die Frage gefallen lassen: «Man muss dich abholen?» Sein Parteikollege Felix Weber fragte, weshalb man nicht ein Ruftaxi anstelle des Ortsbusses einführe, und bezweifelte, dass er benutzt werde.

Die Debatte wurde immer emotionaler und fand ihren Höhepunkt, als nach dem klaren Ja von 22 zu 11 Stimmen für den Probebetrieb mit Zwischenbericht nach neun Monaten die SVP das Behördenreferendum ergriff. Mit 2 Stimmen aus der CVP kam dieses mit 13 Stimmen, 1 Stimme über dem Quorum, zustande. «Wenn es nicht geklappt hätte, dann hätten wir das Referendum ergriffen», stichelte Rainer Rohrbach. Nicht nur diese Aussage wurde von Gerda Massüger FDP/GLP/BDP als Drohung aufgefasst, und sie ärgerte sich mit anderen über das Verhalten der SVP.

Eine Wiederholung schien sich bei der Beratung des Zwischenberichts zur Neugestaltung der Hauptstrasse anzubahnen. «Wir wollen auf jeden Fall eine Volksabstimmung», verkündete SVP-Mitglied Urs Waller. Es brauchte recht viel Überzeugungskraft, bis die SVP einsah, dass sie damit noch zu früh kommt. Zuerst muss der Gemeinderat im Frühjahr einen Projektierungskredit vorlegen, der dann allenfalls an die Urne kommen kann.