Alle acht Jahre vergeben die Gemeinden die Jagdpacht neu. Das war in der Vergangenheit in der Regel unspektakulär. Doch bei der letzten Vergabe für die Periode 2016 bis 2024 gab es gerade in mehreren Gemeinden rote Köpfe, so in Aesch, Pratteln und Nusshof; alle diese Fälle sind derzeitig hängig (die bz berichtete).

Fast ein wenig unter ging bisher der vierte, vielleicht heftigste Jagdstreit im Kanton – jener in Seltisberg. Wie heftig er ist, lässt sich aufgrund der Wortwahl von Involvierten und Beobachtern erahnen; die Rede ist von Vetterliwirtschaft, Inkompetenz, Korruption, Trauerspiel und ähnlichem. Was geschah? Ende 2015 bewarben sich drei Jagd-Gesellschaften (JG) um die Pacht: die JG Seltisberg, die seit Menschengedenken hier jagt, die JG Buechhalde und die JG Galmshübel. Etwas überraschend erhielt Letztere vom Gemeinderat den Zuschlag.

Doch wegen einem «formaljuristischen» Fehler habe der Regierungsrat im Frühling 2016 den Entscheid zur Neubeurteilung zurückgewiesen, sagt Gemeindepräsident Bernhard Zollinger. Darauf seien im August nochmals alle drei Bewerber zu einer Präsentation ihrer Konzepte eingeladen worden. Zollinger: «Wir wollten wissen, wer die besten Zukunftsperspektiven bezüglich Planung und Nachwuchsförderung hat.» Und siehe da, nach geheimer Abstimmung des Gemeinderats gab es mit der IG Buechhalde einen neuen Sieger.

Zollinger erklärt dies damit, dass der Gemeinderat die zweite Runde nach den Wahlen in neuer Zusammensetzung angegangen sei. So war die mittlerweile abgewählte Vanessa Duss, die zuvor für die Jagd zuständig gewesen war, nicht mehr dabei. Eine Rolle habe aber auch gespielt, dass es mit der JG Seltisberg immer wieder Ärger wegen der vielen Wechsel ihrer Mitglieder gegeben habe, sagt Zollinger.

«Es menschelt»

Die JG Seltisberg war mit der Pachtvergabe des Gemeinderats nicht einverstanden und beschwerte sich bei der Regierung. Jürg Gysin, der die JG bis vor kurzem präsidierte und je nach Sichtweise auch dominierte, macht dafür zwei Gründe geltend. Rein formell sei die gemeinderätliche Beurteilung der JG Buechhalde ungültig, weil diese erst im Sommer 2016 gegründet worden sei, also nach der Ausschreibung der Jagdpacht. Das sei gesetzlich nicht zulässig.

Inhaltlich sei für die Pachtvergabe die Kontinuität und Qualität einer JG relevant und da sei die JG Seltisberg seitens der Behörden stets ohne Tadel geblieben, betont Gysin. Bei der in der zweiten Runde obsiegenden JG Buechhalde stelle sich zudem die Frage der Überalterung. Davon will Hans Bircher von der JG Buechhalde aber nichts wissen. Zwei Mitglieder seien um die 50, er 75 und der vierte 79 Jahre alt. Dazu wollten sie zwei Jagdlehrlinge, die allerdings die Prüfung noch nicht absolviert haben, nachziehen. Zu ihrem Konzept gehöre auch, weniger im Wald herumzufahren, weniger Treibjagden und bei diesen weniger Leute einzusetzen. Bircher: «Der Wald gehört nicht nur den Jägern, sondern er dient der ganzen Bevölkerung als Erholungsgebiet.» Ziel der JG Buechhalde sei nebst Hege und Pflege ein gutes Einvernehmen mit Behörden und Bevölkerung, sodass wieder Ruhe im Jagdbereich einkehre.

Aufgegeben hat die JG Galmshübel. Ihr Vertreter Willi Abt kann nicht verstehen, dass seine JG trotz ursprünglichem Zuschlag nun nicht mehr zum Zuge kommt. Er sagt nur: «Es menschelt. Aber wir wollen nicht gerichtlich vorgehen.» Mit einem Entscheid der Regierung sei Ende August zu rechnen, heisst es seitens des Kantons.