Indiana Jones, der fiktive Übervater der modernen Archäologie, hätte es nicht besser machen können. An einem heissen Sommertag senkt sich im Hof des Schlosses Birseck plötzlich der Boden ab. In der Bodenspalte zum Vorschein kommt ein bisher verschüttetes Kellerfenster.

Um den Schaden zu beheben, wird entlang der Schlossmauer ein Graben ausgehoben. Das Aushubmaterial der Sanierungsbaustelle enthält Tonplatten und Reste von Dachziegeln, was die Baselbieter Kantonsarchäologen als Zeugnisse des Überfalls von 1793 zu werten wissen. Als die französischen Revolutionstruppen vor über 220 Jahren ins Birseck einfielen, machten sie sich einen Spass daraus, die Schlossanlage samt Englischem Garten in der Ermitage zu plündern, zu verwüsten und niederzubrennen.

Das Aushubmaterial wird sporadisch untersucht. Dabei stösst die Baselbieter Denkmalpflegerin Brigitte Frei-Heitz auf die Überreste einer seltsamen, stark verschmutzten roten Sandsteinplatte. Die Säuberung des 41 mal 33 Zentimeter grossen, 8 Zentimeter breiten Fragments bringt etwas zum Vorschein, das wie der Teil eines Wappens aussieht. Der Rest der Geschichte, die im kürzlich erschienenen Jahrbuch 2016 der Archäologie Baselland erzählt wird, ist ein Musterbeispiel archäologischer Detektivkunst.

Das Wappen eines Bischofs

Schnell wird klar, dass das Wappenrelief eine Mitra, ein Schwert und den oberen Teil des Baslerstabs zeigt. Der Blick zum Tenntor des Ökonomiegebäudes in der Vorburg lässt erahnen, dass es sich bei der dort hängenden Wappentafel um das Gegenstück des Kellerfundes handeln könnte. Die lateinische Inschrift auf dem vollständigen Pendant verrät den Burgherren und das Baujahr seiner Schlosserweiterung: Wilhelm Rinck von Baldenstein, 1618. Als Bischof von Basel – darum die Mitra, die bischöfliche Kopfbedeckung, im Wappen – bemüht er sich um die Gegenreformation im Birstal und baut das nach 1240 errichtete Schloss Birseck zum mächtigen, weitum sichtbaren katholischen Stützpunkt aus. Da ist es nur folgerichtig, wenn Rinck von Baldenstein sein stolzes Wappen auf der Anlage verewigen lässt.

Weitere Hinweise bringt der Gang ins Archiv. Der bischöfliche Landvogt Gotfrid Christoph Peuttninger hat eine penibel genaue Abrechnung des «neüwen bauws» erstellt. Aus dem Dokument geht nicht nur hervor, dass der grösste Teil der Schlosserweiterung bereits in den Jahren 1610/11 erfolgt ist, sondern auch, dass der Basler Bildhauer Martin Kornhass stolze 8 Pfund und 10 Schilling für ein Wappen erhalten hat, das «in stein gehauwen» und «selbig in bauw zuesetzen» worden ist.

Die Wappentafel über dem Tenntor trägt die Jahreszahl 1618. Also liegt der Schluss nahe, dass es sich beim aufgefundenen Bruchstück um ebendiese in der Abrechnung erwähnte Wappentafel handelt, die 1611 über dem frisch renovierten Gebäudeflügel beim Fundort angebracht worden ist.

Tatsächlich? So ganz sicher sind sich die Baselbieter Archäologie-Cracks nicht. Der nächste Posten in der Abrechnung des Landvogts weist 2 Pfund 10 Schillinge für einen «maller» aus, der «für dass wappen ausszuestreichen für essen und alles» diesen Betrag zugesprochen erhält. «Von Farbresten findet sich auf dem erhaltenen Fragment jedoch nicht (mehr) die geringste Spur», hält der Baselbieter Kantonsarchäologe Reto Marti fest.

Hat also auch noch eine dritte, bemalte Wappenscheibe existiert? Zuzutrauen wäre dem Bischof Wilhelm Rinck von Baldenstein so viel Selbstherrlichkeit gewesen, schliesslich hängen auch im Gewölbe der Schlosskapelle seine Insignien. Oder hat sogar vielleicht ein betrügerischer Landvogt in die eigene Tasche gewirtschaftet, indem er für nie ausgeführte Arbeiten Rechnung stellte? Wir wissen es nicht. Dr. Jones, übernehmen Sie!