Der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband (BNV) ist alarmiert: Nach Jahrzehnten mit kontinuierlichem Zuwachs ist die Mitgliederzahl seit 2009 um rund 500 auf derzeit noch 6600 gesunken. Präsidentin Gabriela Schmidt diagnostiziert eine Überalterung. Will heissen: Die alten Mitglieder sterben langsam weg, Junge treten kaum bei. Das Durchschnittsalter schätzt Schmidt bei den BNV-Mitgliedern irgendwo auf 50 plus, Erhebungen gibt es keine.

Dabei kümmert sich der BNV mit seinen insgesamt elf Jugendgruppen auch um die Jungen und spricht mit seinen im Kanton einzigartigen zweijährigen Ausbildungsgängen zu Feldornithologie und Feldbotanik, die regelmässig ausgebucht sind, ein jüngeres Publikum an. Last but not least ist der BNV mit seinen 43 Lokalsektionen jene Naturschutzorganisation, die am meisten Einsätze unmittelbar vor der Haustüre in der Natur leistet: Da legt eine Armada von mehrheitlich älteren Freiwilligen quer durch den Kanton Weiher an, pflanzt Hecken und Obstbäume, hängt Nistkästen auf, baut Trockenmauern und anderes mehr.

Dieses breite Engagement, in neuerer Zeit auch noch mit einer politischen Komponente angereichert, ist in der langen BNV-Geschichte sukzessive entstanden. Begonnen hat es eindimensional: Obstbau- und Vogelschutzvereine hängten Nisthilfen für Vögel auf, um in Zeiten ohne Insektizide mittels Förderung der Vogelwelt die Insekten einzudämmen und so die Früchte zu schützen. Doch die ganze heutige Verbandsvielfalt reicht offensichtlich nicht, neue und vor allem junge Leute anzusprechen. Wieso nicht?

Aktiv werden vor der Haustüre

Schmidt erklärt es sich so: «Junge Leute haben heute so viele Aktivitätsmöglichkeiten. Und wir machen zu wenig Marketing.» Letzteres will der BNV nun ändern. Unter dem Motto «Naturschutz vor der Haustüre» will er im laufenden Jubiläumsjahr zum 85. Geburtstag mehr Öffentlichkeitsarbeit machen und vor allem gezielter Familien und Jugendliche ansprechen. Schmidt erwähnt diesbezüglich eine verstärkte Zusammenarbeit mit Schulen, die Mitarbeit bei ökologischen Aufwertungen von Schulhausarealen, das vermehrte Anbieten von Grundkursen zur Vogelwelt in den Lokalsektionen, die Neugestaltung der Website, Auftritte in sozialen Medien oder Exkursionen speziell für Familien zusammen mit Jägern, Fischern oder Imkern.

Dazu sagt Schmidt: «Mit unserem Schwerpunkt ‹Naturschutz vor der Haustüre› liegen wir im Zeitgeist. Immer mehr Leute haben genug von der Globalisierung, kaufen regional und saisonal ein. Für sie steht nicht der Schutz der Robben und Regenwälder im Vordergrund, das ist ihnen zu abstrakt, sondern der Schutz der Lebensräume, aus dem ihre Produkte stammen.» Wenn diese Leute den BNV kennen würden, würden sie beitreten und aktiv werden. Also gelte es zu zeigen, «wir sind da, es gibt uns». Den Auftakt zur Öffentlichkeitsoffensive bildete am Montag ein Anlass in Oltingen, der zwar einen den BNV prägenden Mitgründer in den Mittelpunkt stellt, aber nicht die grossen Massen hinter dem Ofen hervorholt (s. Box rechts).

Mit Pro Natura Baselland verliert auch die zweite, traditionsreiche Naturschutzorganisation im Kanton Mitglieder, allerdings nicht so stark wie der BNV. Pro Natura hat ihren Zenit 2013 mit 6300 Mitgliedern erreicht, seither gehts leicht bergab. Anfang 2016 waren es noch knapp 6000, neuere Zahlen sind im Moment nicht verfügbar. Geschäftsführer Urs Chrétien sagt zur Entwicklung: «Die Leute wollen sich heute tendenziell nicht mehr verpflichten und Mitglied in einem Verein sein.»

Pro Natura wirbt aggressiver

Pro Natura habe eher ein älteres Publikum und die Mehrheit der Mitglieder sei über 50. Das hänge auch damit zusammen, dass die Gründergeneration, die die Baselbieter Sektion von Pro Natura vor 50 Jahren aus der Taufe gehoben hat, in die Jahre gekommen sei. Weisshäuptig sei auch ein Grossteil der Pflegegruppe; das sind jene drei Dutzend Aktiven, die bei Pro Natura Baselland draussen in der Natur anpacken. Chrétien verweist im Weitern darauf, dass der Zustand der Natur auf dem Sorgenbarometer der Schweizer nach hinten gerückt sei. Explizit zu den Jungen meint er: «Möglicherweise hat Naturschutz bei ihnen nicht mehr so einen hohen Stellenwert.»

Dass bei Pro Natura der Mitgliederbestand weniger stark sinkt als beim BNV, könnte mit den aggressiveren Werbemethoden zusammenhängen: Während der Schweizer Zentralverband von Pro Natura auch auf Telefonwerbung und direktes Ansprechen auf der Strasse setzt, verzichtete Bird Life Schweiz, der Dachverband des BNV, bisher darauf.