Das ABB-Areal in Arlesheim ist kein schöner Anblick. Parkplätze und alte Lagerhallen dominieren. Dabei ist das Areal, das weiter bis nach Münchenstein läuft, nach Salina Raurica in Pratteln und dem Dreispitz in Münchenstein die dritte Priorität der Wirtschaftsoffensive des Kantons Baselland. Bislang hat sich dort seit Ankündigung der Wirtschaftsoffensive kaum etwas getan, dabei wäre deren Ziel doch eine erhebliche Steigerung des Anteils juristischer Personen an den Steuereinnahmen bis 2018.

Nun allerdings steckt der Kanton in Verhandlungen mit einem am ABB-Areal interessierten Käufer. Dabei soll es sich um die Stamm Bau AG handeln, die 2011 bereits einen Teil des Areals im Baurecht übernommen und sich in den umgebauten ehemaligen Werkhallen der Alioth AG ihren Hauptsitz eingerichtet hat. Bestätigen will dies der Kanton als derzeitiger Eigentümer mit Verweis auf laufende Verhandlungen zurzeit nicht. Bei der Stamm Bau AG war gestern Dienstag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Verkauf soll aber Grundvoraussetzung für das Projekt «Basel Uptown» sein, in das die Stamm Bau AG involviert ist. Von offizieller Seite war auch dazu am Dienstag nichts in Erfahrung zu bringen. Das Projekt soll angeblich ein Tech-Center vorsehen, in dem Firmen Gelände erwerben können. Davon verspreche man sich sesshaftere Unternehmen und langfristigere Investitionen als durch eine blosse Vermietung. Das Tech-Center soll auf einem 37 000 Quadratmeter grossen Teil des ABB-Areals in drei Bauetappen realisiert werden.

Nachbar wurde verkauft

Gleich neben dem ABB-Areal befindet sich das Areal der ehemaligen Papierfabrik Stöcklin – und bietet einen ähnlich trostlosen Anblick wie sein Nachbar. Seit dem 1. Januar ist dieses aber in neuen Händen: Die beiden in Aesch ansässigen Sammelstiftungen für berufliche Vorsorge Trikolon und Gewerbepensionskasse haben es der Erbgemeinschaft abgekauft, die sich in Sachen Areal-Entwicklung nie einig wurde. Die neuen Besitzer planen auf dem 55 000 Quadratmeter grossen Areal einen Gewerbepark für Handwerker aus der Region.

Die Gebäude, die sich bereits auf dem Stöcklin-Areal befinden, seien zurzeit alle vermietet, so Peter Löwenheck, Stiftungsrat von Trikolon. Die Mieter sollen auch weiterhin bleiben. Einzig ein leerstehendes Gebäude ist zum Abriss vorgesehen. Freiflächen sollen zu einem späteren Zeitpunkt für Neubauten genutzt werden. «Uns geht es darum, dieses Areal weiterzuentwickeln», erklärt Löwenheck. «Es hat sehr grosses Potenzial.»

Zonenplan bereitet Sorgen

In die Quere kommen könnte dieser Weiterentwicklung allerdings die Gemeinde. Diese befindet sich gerade mitten in der Zonenplanrevision. Im Mitwirkungsverfahren äusserten sich auch die neuen Inhaber des Stöcklin-Areals. Denn der vorgeschlagene Zonenplan bietet einige Schwierigkeiten. So verläuft etwa die Bauhöhenlinie mitten durchs Areal, was spätere bauliche Vorhaben enorm erschweren würde. Dasselbe Problem dürften auch die künftigen Inhaber des ABB-Areals haben, denn auch dort gelten unterschiedliche Maximalhöhen.

Ein weiteres Problem am aktuellen Zonenplan sei gemäss Löwenheck, dass ein Neubau ab 20 Parkplätzen entweder ein Parkhaus, Parkmöglichkeiten auf dem Dach oder eine Tiefgarage nötig mache. Letzteres sei nicht möglich, weil man sich in einem Wasserschutzgebiet befinde. «Ein Parkhaus würde die Kosten für einen Handwerksbetrieb stark erhöhen», sagt Löwenheck. «Zudem ist es für einen Handwerksbetrieb wichtig, dass er zum Aufladen von Material direkt vor sein Geschäft fahren kann.» Er sei zuversichtlich, dass die Gemeinde Arlesheim auf die Bedenken eingehen und den Zonenplan entsprechend anpassen werde.

«Erhebliche Veränderungen»

Ob dies geschehen wird, kann Gemeindepräsident Karl-Heinz Zeller zu diesem Zeitpunkt noch nicht verraten. Im Januar habe man den Zonenplan gemäss den im Mitwirkungsverfahren eingegangenen Bedenken überarbeitet. «Wir haben einige davon aufgenommen, vor allem vonseiten Gewerbe», verspricht er. Dadurch sei es zu «erheblichen Veränderungen» am Zonenplan gekommen. Zu welchen genau wird die Gemeinde Ende Februar mitteilen.

Ändern sich die Bedingungen beim Stöcklin-Areal nicht, wäre das laut Löwenheck «keine Katastrophe». Die Stiftungen könnten auch mit den aktuellen Mieterträgen weiterwirtschaften und sind nicht auf die Rendite aus der Weiterentwicklung angewiesen, auf die sie dann verzichten würden. «Aber schade wäre das auf jeden Fall – nicht nur für uns, sondern auch für das Gewerbe, die Gemeinde und den Kanton.»

Wesentlich ärgerlicher wären ungünstige Bedingungen im Zonenplan wohl für das Projekt «Uptown Basel». Gerüchten zufolge werde der künftige Inhaber dort durch den Kanton dazu verpflichtet, das Areal innerhalb der nächsten Jahre zu entwickeln. Alles beim Alten zu belassen, ist dort deshalb keine Option.