Selbst Marcel W. Buess gibt zu, dass es bei der Geburtstagsfeier auf dem Barfüsserplatz vor allem darum geht, dass sich die IVB wieder einmal publikumswirksam präsentieren kann. Die 6000 Gratis-Berliner, die der IVB-Präsident und seine Helferschar am kommenden Samstag zwischen 11 und 17 Uhr auf dem Barfüsserplatz gratis verteilen werden, sind das Zückerchen, mit dem die Spendenbereitschaft der Öffentlichkeit befeuert werden soll.

Da kann man es der Behinderten-Selbsthilfe beider Basel auch nicht übel nehmen, wenn sie dafür einen 60. Geburtstag gross aufbläst, der ja kein Jubiläum im eigentlichen Sinne darstellt. Denn seit der 4. IV-Revision von 2003 werden die Behindertentransporte in der Schweiz nicht mehr von der öffentlichen Hand unterstützt. Die IVB mit ihren 80 Fahrzeugen ist zu einem Viertel des Jahresbudgets von rund 5 Millionen Franken auf Spenden angewiesen. Der Rest wird zu 70 Prozent aus den Transporterlösen und Mitgliederbeiträgen erwirtschaftet, dazu ein geringer Teil aus dem direkten Leistungsauftrag des Bundes für Vereinsmitglieder (3,5 Prozent).

Erstaunliche Leistungen Tag für Tag

Die Unterstützung durch die beiden Basel erfolgt in erster Linie politisch und ideell. Dazu wird im 5-Jahres-Turnus ein neues Transportfahrzeug aus Geldern der kantonalen Lotteriefonds finanziert, wie Geschäftsführer Markus Schneiter ausführt. Doch beklagen tut sich die IVB nicht. Sie könne flexibler operieren, wenn sie nicht am Tropf des Staates hänge, erklärt IVB-Präsident Buess im Brustton der Überzeugung.

Immer wieder erstaunlich sind die Leistungen, welche die Selbsthilfe-Organisation jährlich in der Region Nordwestschweiz erbringt. Täglich chauffieren die 27 vollamtlichen, 40 nebenamtlichen und 55 ehrenamtlichen Transportmitarbeiter über 400 betroffene Menschen zu deren Zielen. Im Jahr läppern sich so rund 150'000 Transporte und 1,2 Millionen Kilometer Fahrleistungen zusammen. Seit dem ersten IVB-Fahrzeug im Jahr 1957, einem umgebauten Occasions-VW-Bus, ist so die schwindelerregende Zahl von 6 Millionen Transporten und 32 Millionen zurückgelegten Kilometern zusammengekommen. Die IVB-Behindertentransporte sind in den vergangenen 60 Jahren in der Tat einen weiten Weg gegangen.

Die IVB-Busse sind im täglichen Strassenbild derart präsent, dass viele Menschen überzeugt sind, dass es sich hierbei um eine staatliche Transportgesellschaft handelt. Gerne erzählt Marcel W. Buess die Anekdote jener älteren Baslerin, die empört den Muba-Stand der IVB aufsuchte, um sich über ihre hohe Stromrechnung der IWB zu beklagen.

Sogar ein Londoner Taxi umgebaut

Zum heutigen Umfang der IVB-Transportdienste gehören nicht nur Schulbusse und Beförderungen zu Arbeitsplätzen, sondern auch Patienten-Verlegungen im Auftrag von Spitälern und Ärzten sowie natürlich die Chauffeurdienste zu Freizeitanlässen, welche mobilitätseingeschränkte Menschen nicht mehr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln schaffen. Für Transporte, die nicht von einer Versicherung oder Sozialkasse übernommen werden, bezahlen die Privatpersonen einen Kilometerpreis 1.60 Franken für die Anfahrt und 3.25 Franken für die eigentliche Fahrstrecke. Ohne Spenden müsste die IVB laut Buess einen «unmöglichen» Kilometerpreis von 5 Franken heuschen, um die hohen Fahrzeugbeschaffungs- und Unterhaltskosten stemmen zu können. Zwischen 45'000 und 100'000 Franken muss die Organisation für einen rollstuhlgängigen Fahrzeugumbau aufwenden, wobei die IVB von einer durchschnittlichen Fahrzeug-Lebensdauer von 10 bis 12 Jahren und einer Fahrleistung von bis zu 300'000 Kilometern ausgeht.

Gleiches erwartet Geschäftsführer Marcel Schneiter nun auch vom jüngsten Zugang zur IVB-Flotte, einem nagelneuen Schulbus. Dieser mag vielleicht nicht ganz so sexy wie das original Londoner IVB-Taxi sein, das schon seit vier Jahren in knalligem Gelb einen Blickfang auf Basels Strassen darstellt. Die offizielle Fahrzeugübergabe des Schulbusses um 14.30 Uhr wird trotzdem einen Programmhöhepunkt an der Geburtstagsfeier vom kommenden Samstag darstellen - neben den 6000 Gratis-Berlinern natürlich.