Nicht nur rund um die überfüllte Deponie am Hemmiker Wischberg ist Bewegung gekommen, sondern auch in den darunter stehenden Stall von Alfred Suter. Hier allerdings nur zum Nachteil des Bauern. «Es bedarf an Massnahmen seitens des Tierhalters», heisst der Befund der Kantonsbehörden nach mehreren Kontrollen in seinem Stall.

Während die ersten paar Kontrollen von diesem Jahr offenbar problemlos verliefen, eskalierte die Situation – je nach Sichtweise – bei einer unangemeldeten Nachkontrolle von Mitte November. Dabei marschierte der Kanton mit vier Mitarbeitern auf – zwei Tierärzten und zwei Polizisten mit «Tiersachverstand», wie es seitens des Kantons heisst. Suters Variante des Kontrolltermins tönt so: «Während ein Polizist mich stets bewachte, gingen die andern drei Personen in die Herde hinein. Sie jagten einzelne Tiere, um sie von der Herde abzutrennen.

Dabei sind auch Kühe umgefallen. Andere Tiere fixierten die Kontrolleure mit dem Fressgitter am Futtertrog und beliessen sie dort längere Zeit, was die Tiere überhaupt nicht gewohnt sind.» Folge sei eine riesige Unruhe gewesen, die noch über Tage angedauert habe, sagt Suter.

Rind verblutet oder nicht?

Besonders gravierend für Suter: «Ein Rind hat sich massiv am Bein verletzt und ist am nächsten Tag gestorben.» Als die Tierärzte und Polizisten nach mehreren Stunden mit ihrer Kontrolle fertig gewesen seien, hätten sie das Rind einfach blutend zurückgelassen. Er habe die klaffende Wunde dann verbunden. Suter liess das drei Stunden später verendete Rind zur Obduktion an das Veterinärpathologische Institut der Universität Zürich schicken. Dieses teilte Suter auf Nachfrage hin mit, das Tier sei verblutet. Im späteren Bericht wurde die Todesursache modifiziert, weshalb Suter eine Strafanzeige gegen das Institut eingereicht hat.

Ganz anders klingt es bei der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion. Deren Sprecher Rolf Wirz sagt, dass die Kontrolleure Suter auf das blutende Rind aufmerksam gemacht und ihn angewiesen hätten, das Tier zu separieren und im Falle einer tieferen Verletzung den Bestandestierarzt aufzubieten. Und Kantonstierarzt Thomas Bürge ergänzt: «Die Kontrolle verlief korrekt und ohne besondere Ereignisse.» Vier Kontrollpersonen seien wegen der Grösse des Betriebs «und der Ergebnisse früherer Kontrollen» notwendig gewesen.

Happig wurde es für Suter Anfang Dezember: Das Amt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (ALV) teilte ihm schriftlich mit, dass bei der Nachkontrolle «wiederum erhebliche bis schwerwiegende Mängel in der Tierhaltung» festgestellt worden seien. So etwa bei einigen Tiere übermässige Verschmutzungen, überlange Klauen oder Lahmheit. Als Konsequenz kündete das ALV eine Verfügung an, dass Suter den Rindviehbestand bis Ende Jahr auf 90 Tiere halbieren und eine landwirtschaftliche Fachkraft anstellen müsse, die mindestens an fünf Tagen pro Woche im Betrieb mitarbeite.

Tierärztin hat gekündigt

In seiner Stellungnahme bestreitet Suter die Vorwürfe und verlangt Beweise. Er verweist darauf, dass seine Bestandestierärztin in ihren Berichten die Tiergesundheit «als sehr gut» eingestuft habe. Zudem reichte sein Anwalt eine Strafanzeige gegen die kantonalen Kontrolleure ein. Suter sagt, es sei alles eine Frage der Relation: «Wenn man auf dem Stallboden essen will, ja, dann ist es zu wenig sauber dafür.»

Zu allem Unheil hat Ende November auch noch die Tierärztin von Suters Viehbestand den Vertrag mit ihm gekündigt. Es sei für sie ein zu grosser und nicht mehr abschätzbarer Mehraufwand entstanden, den sie und ihr Team nicht mehr bewältigen könnten, schreibt sie in ihrer Kündigung. Auf Nachfrage der bz verweigert sie jede weitere Auskunft.

Suter sieht die Kündigung als Folge des Drucks seitens des ALV, das immer wieder Berichte verlange. Er bilanziert mit Seitenblick zur Deponie: «Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass der Kanton will, dass ich den Hof aufgebe.»