Es ist kategorisch zu verurteilen, dass James Bond keine Baselbieter Erfindung ist und sich sein Schöpfer Ian Fleming nicht an den Gegebenheiten im Landkanton orientiert hat – so wenig wie die Drehbuchautoren in Flemings Schlepptau. Zwar harrt die These ihrer wissenschaftlichen Erhärtung, dass Baselland heute ein sorgenfreier, prosperierender Kanton wäre, wenn der Hauch von 007 zwischen Schönenbuch und Ammel wehte, aber es gibt zumindest starke Hinweise hierfür. Nicht nur würde Liestal, und nicht Zürich, alle zwei Jahre eine gigantische Filmpremiere erleben, bei der «tout Bâle campagne» im Palace Oris, und nicht im Cup-Zeltprovisorium auf dem Fussballplatz Margelacker, zusammenkäme. Man könnte auch für die Bewältigung der täglichen Widrigkeiten völlig neue Inspiration holen.

Nicht auszudenken, wenn sich die Bond-Filmer bei ihren Plot-Ideen im Baselbieter Alltag bedient hätten und sich die Bevölkerung anschliessend Filmtitel wie «James Bond jagt Dr. Pegoraro», «Verdirb an einem anderen Tag» und «Hegen und kerben lassen» (die beiden Lieblingsstreifen von Biobäuerin Maya Graf und Schnapsbrenner Hansruedi Wirz) als Handlungsmaximen verinnerlichen könnte. Ebenso würde eine völlig neue Dynamik in die bildungspolitische Harmos-Diskussion treten, wenn es die Baselbieter Lehrerschaft endlich mit «Die Direktion, die mich liebte» zu tun hätte, und es mit Erziehungsdirektorin Monica Gschwind nicht nur «Im Angesicht des Lobes» bleibt.

Das grösste Feld für ebenso spannende wie verdrehte Handlungsstränge muss dagegen eindeutig in der Finanzpolitik gesucht werden. Es darf mit Bestimmtheit ausgeschlossen werden, dass heute noch ein Kampf mit tiefroten Kantonsbudgets geführt werden müsste, wenn sich in der Vergangenheit bloss alle an die Devise «Man spart nur zweimal» gehalten hätten. Denn wer «Im Geheimdienst seiner Majestät, des Finanzdirektors», unterwegs ist, um die fälligen Gewinne von Unternehmen einzutreiben, der darf auf dem «Steuerball» mit «Goldbringer» Anton Lauber in der vordersten Reihe mittanzen. Die «Lizenz zum Kröten» fiele dann jedenfalls für den gemeinen Steuer- und Prämienzahler wesentlich erträglicher aus.

Zugegeben: Nicht überall kommen wir mit der Adaption von Filmtiteln aus der Bond-Reihe weiter. Bei «Liebesgrüsse aus Münchenstein» (mit Giorgio Lüthi in der Hauptrolle des diabolisch-genialen Bösewichts Kronsteen) müssten wir die versteckte Aufforderung zur Einführung der Mehrwertabgabe auf Um- und Einzonungen vermuten. Was nicht nur für Läckerli-Huus-Chefin Miriam Blocher ein schwer zu verdauender Stoff wäre. «Munreber», die tragische Geschichte eines militärbegeisterten grünen Sicherheitsdirektors im verzweifelten Abwehrkampf gegen fiese Kriminaltouristen aus dem All, böte zu viel Verwechslungsgefahr mit real existierenden Personen.

«Ott-o-pussy», als finstere Politclan-Verschwörung mit Weltmacht-Ambitionen konzipiert, könnte sogar juristische Konsequenzen nach sich ziehen. Ein Problem, das sich an anderer Stelle glücklicherweise nicht stellt, da sich «Wirtschaftskammer» partout nicht auf «Spectre» reimen will. Überhaupt: Diese Namen der jüngsten Bond-Filme! Wie soll man da als anständiger Titel-Verdreher auf einen grünen Zweig kommen? Bei «Skyfall» und «GoldenEye» fällt uns gar nichts ein, während «Ein Quantum Trost» immerhin als Leitmotiv für die künftigen Geschäftsberichte der Basellandschaftlichen Kantonalbank herhalten kann.

Aber auch hier: keine Regel ohne Ausnahme. Die wohl treffendste Eingebung für die absolute, zusammenfassende und alles erklärende Beschreibung der Baselbieter Politik kann nur ein Bond-Streifen liefern: «Casino Liestale.»