Ein Drittel der Basler und Baselbieter Bevölkerung hat keinen Bezug zur Geschichte der Region Basel. Diese Menschen seien zu jung, lehrten im Geschichtsunterricht nichts zur Historie ihrer Heimatstadt oder leben erst seit Kurzem hier, erzählte Christoph Stratenwerth der bz im vergangenen Mai. Die Wissenslücke wollte er mit seiner Ausstellung «Hier & Dort» schliessen. Diese öffnete am 26. Mai ihre Tore und nimmt die Geschichte Basels im 20. Jahrhundert – die junge Geschichte also – auf. Die Schau sollte am ersten Oktoberwochenende schliessen, wurde aber bis zum 20. des Monats verlängert.

Insgesamt über 15'000 Besucher

Für eine Verlängerung der Ausstellung sprach, dass die Basler Bevölkerung viel Interesse zeigte und das Publikum «immer jünger wurde, je länger die Ausstellung dauerte», sagt Stratenwerth. Bis in zwei Wochen werden knapp 15000 Besucher in der alten Güterhalle am Bahnhof St. Johann über die Schwelle getreten sein, rechnet er aus. Auf eine Angabe, wie viele Besucher erwartet waren, will er nicht eingehen. «Man kann sich immer eine höhere aber auch eine niedrigere Besucheranzahl vorstellen. Unser Ergebnis ist gut und sicherlich deutlich höher als bei mancher etablierten Institution.»

Ganz ohne Sorgenfalte ging Stratenwerth allerdings das Projekt, das er seit Herbst 2008 vorbereitete, nicht an. Schliesslich waren Imponderabilien zu berücksichtigen, die einen Erfolg von «Hier & Dort» hätten verhindern können. Erstens: «Es war schwierig abzuschätzen, ob die Leute überhaupt Interesse an der Geschichte Basels des 20. Jahrhunderts haben.» Zudem musste sich das Organisationsteam mit dem Publikum aus der Stadt und dem Baselbiet zufrieden geben. «Basler Museen werden häufig von Leuten aus der ganzen Schweiz und aus dem süddeutschen Raum besucht.» An «Hier & Dort» zeigen diese verständlicherweise wenig Interesse.

Die Zwischengeneration machte sich rar

Wer auch nur selten im Stellwerk anzutreffen ist, sind Personen, die der Zwischengeneration – also um etwa 30 Jahre – angehören. Stratenwerth ist nicht überrascht: «Jugendliche kommen in Schulklassen oder weil sie wissen wollen, in welcher Stadt sie wohnen. Und ältere Menschen schwelgen in den Ausstellungsräumen in Erinnerungen, weil sie die gezeigten Ereignisse erlebt haben.»

Unvorhersehbar war auch, ob der Ort der Ausstellung funktioniert: Der Bahnhof St. Johann liegt denn doch an der Peripherie der Stadt Basel. «Wir haben uns gefragt, ob die Baslerinnen und die Baselbieter überhaupt in ein Tram steigen und Lust auf eine Ausstellung in einem Aussenquartier haben.» Doch auch diese Bedenken waren umsonst. Stratenwerth kann die Güterhalle beim Stellwerk als Kulturstätte durchaus weiterempfehlen. «Für ‹Hier & Dort› passt der Raum perfekt, weil die Halle ein Stück der Geschichte des 20. Jahrhunderts miterzählt.» Der Holzbau wurde grösstenteils im Jahr 1859 gebaut.

Keine Defizitgarantie

Für die Ausstellung standen Christoph Stratenwerth rund eine Million Franken zur Verfügung – mehr als zwei Drittel der Kosten wird durch Unterstützung von Dritten getragen. «Eine Defizitgarantie haben wir nicht. Allerdings habe ich immer wieder Hilfsangebote erhalten, sollte ‹Hier & Dort› Verlust machen.» Dies aber wird nicht der Fall sein: «Eine kleine Restfinanzierung läuft noch, und wenn alle Stricke reissen, kommen wir knapp raus», freut sich der Kulturinitiant.

Zum Abschluss von Hier & Dort» «Heimat-Abende», 19.10., Talkrunde mit u.a. Buddy Elias, Bahnhof St. Johann, 20 Uhr