«Jedem Täli si Spitäli», heisst es so schön. Ein Binninger zieht bei der (Über-)Versorgung mit Schwimminfrastruktur ein ähnliches Fazit. «Jedem Dörfli si eiges Bädli», sagt Christoph Daniel Maier. Für den FDP-Einwohnerrat steht fest: In der Region Basel gibt es viel zu viele Hallenbäder – und sie alle sind erst noch zu klein. Es fehle ein gedecktes 50-Meter-Bad. Also eines, das den olympischen Anforderungen genügt und in dem die Schwimmer auch im Winterhalbjahr ihre Runden drehen können.

Maier verlangt jetzt, dass sich Binningen mit Nachbargemeinden und Basel-Stadt abspricht, bevor es sein «Bädli» saniert. Das Hallenbad Spiegelfeld ist in die Jahre gekommen. Eine Auffrischung steht an. Sie dürfte viele Millionen Franken kosten. Maier fordert den Gemeinderat per Postulat dazu auf, zu prüfen, ob «in einer regionalen Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und dem Nachbarkanton ein gemeinsames, grösseres, ganzjährig benutzbares Hallenbad realisiert werden könnte». Ein breit abgestütztes, regionales Projekt sei besser, da wirtschaftlicher, als «teure Einzellösungen».

Der Gemeinderat hat das Postulat noch nicht beantwortet. Die Stossrichtung bezeichnet Gemeindepräsident Mike Keller (FDP) auf Anfrage als sinnvoll: «Es steht eine grosse Sanierung an beim Hallenbad Spiegelfeld. Von daher ist es genau der richtige Zeitpunkt, sich jetzt über derartige Ideen Gedanken zu machen und alle Optionen zu prüfen.»

Jahrzehntealte Forderung

Die Forderungen des Postulats nehme sich der Gemeinderat als «Hausaufgabe» zu Herzen, sagt Keller. Man werde in den kommenden Wochen und Monaten das Gespräch suchen innerhalb des Gemeindeverbunds Region Leimental plus. «Etliche Gemeinden müssen ihre eigenen Bäder unterhalten, kaum ein Betrieb ist kostentragend. Da sollte man sich innerhalb des Leimentals schon die Frage stellen: Wie wäre es denn, gemeinsam ein 50-Meter-Becken zu planen? Der Standort dieser Anlage ist dann ebenfalls zu klären »

Keller schliesst auch Basel-Stadt als möglichen Partner für Bau und Betrieb einer gedeckten Langbahn nicht aus. Schwimmclubs fordern seit bald einem halben Jahrhundert ein wettkampffähiges Bassin in der Nordwestschweiz. Mit ihm wäre es möglich, ganzjährig in einem Olympia-Becken zu trainieren. In Basel sind bereits etliche Projekte für 50-Meter-Anlagen gescheitert, zuletzt dasjenige für die Verlängerung des Indoorbeckens bei der St. Jakobshalle. Im Herbst 2017 montierte das Basler Sportamt erstmals eine Tragluft-Halle über dem 50-Meter-Sportbad beim Gartenbad Eglisee. Der Betrieb mit der Ballonhalle ist Ende September in die zweite Saison gestartet.

Postulant Maier schwebt jedoch eine fixe 50-Meter-Bahn vor. Sein Vorschlag: ein kombinierter Betrieb bei der Kunsteisbahn St. Margarethen. «Dort wären Synergien möglich», sagt Maier. «Man könnte etwa die Abwärme, die bei der Kühlung der Eisflächen entsteht, für das Beheizen des Wasser nutzen.»

«Bädli»-Dichte bleibt hoch

Das «Rialto» in Basel gilt als übernutzt. Trotzdem reagiert der Stadtkanton als Eigentümer der «Kunsti» ablehnend auf den Vorschlag aus Binningen. «Das Szenario Kunsteisbahn Margarethen wurde anhand einer Projektskizze vor einigen Jahren schon einmal geprüft und verworfen. Das ist für uns kein Thema», schreibt Simon Thiriet. Laut dem Sprecher des Basler Erziehungsdepartements wolle man mittelfristig ein weiteres Hallenbad auf Stadtboden realisieren. «Dabei konzentrieren wir unsere Anstrengungen aber eher auf neu zu bauende Quartiere, etwa Klybeck, und nicht auf eine weitere Umnutzung von bestehenden Sportanlagen.»

Reto Wolf dämpft die Erwartungen ebenfalls. Der Gemeindepräsident von Therwil ist auch Vorsitzender der Region Leimental Plus. «Es ist ein guter Ansatz, ein solches Projekt zuerst regional anzuschauen», sagt Wolf zur bz. «Das Problem ist jedoch, dass die bestehenden Hallenbäder kaum vergrössert werden können, und ein komplett neues Bad zu bauen, erachte ich als eher heikles Unterfangen.»

Schliessungen sind unpopulär

Fest steht: Binningen wird sein «Bädli» kaum dicht machen. Der Gemeinderat stellte 2014 eine Schliessung im Rahmen von Sparbemühungen zur Debatte. Das Ortsparlament lehnte das Ansinnen jedoch ab. Der Einwohnerrat stellte klar: Für ihn gehört das Hallenbad Spiegelfeld zum Service public.

So wird die «Bädli»-Dichte gross bleiben im Agglomerationsring rund um Basel. In seinem Vorstoss zählt Maier die gedeckten Becken rund um Binningen ab. Im Umkreis von 3,5 Kilometern Luftlinie vom Dorfzentrum gebe es vier weitere öffentliche Bäder neben dem Spiegelfeld: Das «Rialto» in Basel, das Hallenbad Allschwil sowie die Hallenbäder Buggarten in Bottmingen und Hüslimatt in Oberwil. Im erweiterten Umkreis kämen weitere Hallenbäder hinzu – laut Maier handelt es sich um die wohl «dichteste Hallenbad-Ansammlung Europas».