Noch ist nicht sicher, ob wirklich ein Tierhasser gewütet hat. Doch die Vermutung liegt nahe, dass jemand böswillig die Katze von Irene Maag verletzt hat. Als das Tier am Mittwochabend in ihr Haus in Reinach Nord heimkam, leckte es sich am blutigen After. Ein erster Tierarzt meinte, es habe jemand dem Tier etwas eingeführt, zum Beispiel einen Besenstiel – oder wie Maag es ausdrückt: «Jemand hat meine Katze vergewaltigt.» Die Katze erhielt starke Schmerzmittel und abschwellende Medikamente.

Ein zweiter Tierarzt, sagt Maag, sei am Freitag vorsichtiger gewesen, den schwerwiegenden Verdacht zu äussern, es stecke ein Verbrecher hinter dem Geschehen. Doch Maag hat in der Nachbarschaft Geschichten gehört, wonach jemand Katzen aus seinem Garten vertreibe. Es sei im Quartier auch schon auf Katzen geschossen worden. Ihre fünf Monate alte Katze habe sie vor zwei Monaten erhalten. Kurz darauf habe sie angefangen, sie rauszulassen. Seitdem sei sie immer viel draussen gewesen. «Vielleicht wird nie restlos klar sein, was mit ihr passiert ist», sagt sie.

Ein Halsband mit dem Namen ihrer Besitzerin trug ihr Tier nicht. Daraus kann man schliessen, dass ein allfälliger Übeltäter kaum Maag persönlich schaden wollte, sondern einzig der Katze. Trotzdem ist Maag jetzt zutiefst verunsichert: «Ich habe permanent Angst, dass so etwas wieder passieren könnte.» Ohne grosse Hoffnung auf Aufklärung hat sie bei der Polizei eine Anzeige gegen Unbekannt eingereicht.

Falls tatsächlich ein Verbrechen vorliegt, ist es in der Region einzigartig. «Bis anhin wurden keine ähnlichen oder gleich gelagerte Fälle zur Anzeige gebracht», sagt Paul Steffen, Sprecher der Baselbieter Kantonspolizei. «Es kann somit nicht von einer Serie gesprochen werden.» Im vorliegenden Fall gebe es bezüglich einer Täterschaft keinerlei Hinweise.

Der Einschläferung entgangen

Auch der Beratungsstelle Tierschutz des Tierschutzes beider Basel ist nicht bekannt, dass es jemals in der Region einen so krassen Missbrauchsfall gegeben hätte. «Wir kriegen solche Sachen üblicherweise mit», sagt eine Mitarbeiterin. Denn sie folgt in den sozialen Netzwerken einigen Gruppen, in denen Missbrauchsfälle ausführlich diskutiert werden. Ab und zu gebe es vergiftete Hundeköder im Wald oder in Parks. Sie habe auch schon mitgekriegt, dass Rassenkatzen spurlos verschwunden seien.

Die Tierschutz-Mitarbeiterin empfiehlt, bei Missbrauchsfällen bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Um einen Missbrauch zu verhindern, könne man aber nicht viel tun. «Man weiss ja nicht im Voraus, welche Absichten ein Täter hat.» Ansonsten dürfte man Katzen gar nicht mehr freilaufen lassen. Als Alternative schlägt sie vor, das Tier nur noch tagsüber hinaus zu lassen. Doch für Maag ist das keine Option, vor allem solange nicht bewiesen ist, ob es sich wirklich um ein Verbrechen handelt. «Tiere sind nie sicher», sagt sie, «und sie werden es nie sein.»

Für ihre Katze geht die Angelegenheit verhältnismässig glimpflich aus. Gestern Nachmittag nähte ein spezialisierter Tierarzt ihre Wunde im Darm. In einer ersten Prognose hatte ein anderer Tierarzt noch gemeint, eventuell müsse sie eingeschläfert werden. Doch wie es aussieht, ist das jetzt kein Thema mehr. Das Büsi verbringt das Wochenende beim Tierarzt. «Die Wunde dürfte jetzt rasch verheilen», sagt Maag. «Ich bin zuversichtlich.»