Was tut eine Partei, wenn ihr altgedienter Veteran statt der eigenen Kandidatin offensiv für die Konkurrenz wirbt? «Die CVP hält die Meinungsfreiheit hoch», betont Kantonspräsidentin Sabrina Mohn. «Selbstverständlich» sei es aber «nicht lustig», dass alt Nationalrat Walter Jermann, Mitglied der CVP Laufental, im Auftrag der Wirtschaftskammer deren SVP-Ständeratskandidaten Caspar Baader unterstützt und der eigenen CVP-Kandidatin Elisabeth Schneider öffentlich die Wirtschaftskompetenz abspricht (die bz berichtete). «Wir waren aber auch nicht gehässig», beschwichtigt Mohn.

Das könnte sich jetzt ändern. Der Blogger Manfred Messmer («Arlesheim Reloaded») berichtete am Montag von Baader-Werbebriefen, die mit der Unterschrift Jermanns bei «sämtlichen CVP-Mitgliedern» im Laufental eingegangen seien. Für Messmer ist klar, dass Jermann als alt Präsident der CVP Laufental Zugriff auf die Adressen der Parteimitglieder hatte.

Adressmissbrauch befürchtet

Das hält Kantonspräsidentin Mohn für einen voreiligen Schluss: Vielleicht seien nur die Mitglieder der Wirtschaftskammer angeschrieben worden: «Das wäre nicht so schlimm.» Sollten sich die Werbebriefe aber als systematische Aktion bei CVP-Mitgliedern herausstellen, wäre das nach Mohns Empfinden Missbrauch der CVP-Datenbank. Darüber will der Kantonsvorstand heute Vormittag sprechen. Entgegen Mitteilungen der «Basler Zeitung» werde die Kantonspartei allerdings nicht den Parteiausschluss Jermanns beschliessen.

Diese Kompetenz hat nur die Sektion Laufental, dessen Präsident Marc Scherrer aber noch nichts zu einer solchen Entscheidung sagen kann. Gegenüber der bz tut sich der direkte Amtsnachfolger Jermanns merklich schwer mit der Beurteilung des Falls: Jermanns Verhalten sei «nicht mehr tragbar» und füge der CVP «längerfristig» Schaden zu. Jermann denke «nicht ganz fertig», was er mache. Andererseits kenne er Jermann sehr gut und wisse, wie engagiert dieser sich für seine Partei einsetze: «Wir müssen ihm hoch anrechnen, was er für die CVP getan hat.» Deshalb mahnt Scherrer keine «zu eilige» Entscheidung an, «die wir nachher bereuen». Der Sektionsvorstand werde sich in den nächsten Wochen treffen.

Überhaupt will die CVP der Causa Jermann nicht zu viel Bedeutung beilegen, jedenfalls weniger, als dies die Medien tun. Das sagen Mohn und Scherrer unabhängig voneinander; das sagt auch CVP-Ständeratskandidatin Elisabeth Schneider: «Ich nehme die Sache ganz unaufgeregt. Ich bin das von Herrn Jermann gewöhnt.» Aufgrund seiner Mitgliedschaft im dortigen Leitungsgremium sei er eben abhängig von der Wirtschaftskammer. Ein Parteiausschluss sei für sie aber kein Thema, sagt Schneider.

«Baader-Unterstützung ist Pflicht»

Jermann hatte der bz bereits bei früherer Gelegenheit gesagt, dass er sich als Ehrenmitglied der Wirtschaftskammer verpflichtet sehe, deren Entscheid zugunsten Baaders auszuführen. Das habe nichts mit der Partei zu tun, der er angehöre. Allerdings sei es schade, dass sich die Bürgerlichen nicht auf einen Kandidaten hätten einigen können. Er unterstütze den Kandidaten, der im Ständerat «die Mehrheit der Bevölkerung vertritt». Ausserdem sagte er gestern laut «Basler Zeitung», dass er Schneider «keine Chancen» auf den Ständerat ausrechne. Als Nationalratskandidatin habe sie aber seine volle Unterstützung.