Eines vorweg: Für Landratspräsidentin Daniela Gaugler und ihren Mann gilt weiter die Unschuldsvermutung. Doch mit dem gestrigen Tag fällt es endgültig schwer, in Baselland noch Politiker zu finden, die an die Unschuld der SVP-Frau glauben. Der Grund: Der Gemeinderat Lausen publizierte eine «Stellungnahme zur Liegenschaft Kanalstrasse 17 des Ehepaares Daniela und Christoph Gaugler». Und diese hat es in sich: Erstmals zeigt die Gemeinde ihre Sicht der Dinge auf – und belastet die Gauglers damit schwer.

Warum brach der Gemeinderat plötzlich das Schweigen? «Daniela Gaugler hat öffentlich behauptet, dass sie nichts gemacht hätte, von dem die Gemeinde nichts wusste. Das mussten wir richtigstellen», sagt Gemeindepräsident Peter Aerni. Er betont dabei, dass die Mitteilung die Sicht der Gemeinde Lausen wiedergebe und nicht etwa Teil der Verfügung des Bauinspektorats sei. Diese bleibt nach wie vor unter Verschluss.

Es gilt zu beachten, dass die Gemeinde letztlich selbst Partei ist in dem Verfahren. Doch Aerni sagt selbstbewusst: «Man kann unsere Stellungnahme durchaus als Beweis sehen, dass die aktuelle Nutzung der Liegenschaft nicht bewilligt ist.»

Kanton widerspricht Lausen nicht

Dass sich die Untersuchungen des Bauinspektorats zumindest grösstenteils mit den Aussagen der Gemeinde decken, darf auch aus einem anderen Grund angenommen werden. Gegenüber der bz teilt Dieter Leutwyler, Sprecher der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion, mit: «Das Datenschutzgesetz gestattet es uns nur, Stellung zu nehmen, wenn es etwas zu berichtigen gibt. Von der Mitteilung der Gemeinde Lausen sind wir nicht direkt betroffen.»

Hier drängt sich der Umkehrschluss auf, dass es also aus Sicht des Kantons an der Lausner Stellungnahme nichts zu berichtigen gibt. Für die Glaubwürdigkeit des Gemeinderats spricht zudem, dass es Lausen selbst war, das die Überprüfung der Gaugler’schen Liegenschaft beim Bauinspektorat beantragt hatte. Dies bestätigt Leutwyler erstmals.

Einmal mehr nicht für Entlastung sorgt das Ehepaar Gaugler selber: «Unser Anwalt Michael Baader hat uns geraten, nichts mehr zu sagen, bis über unseren Rekurs gegen die Verfügung des Bauinspektorats entschieden wurde», sagt Christoph Gaugler. Dies sei zwar bereits vor der Gemeindemitteilung vereinbart worden, doch da er Baader gestern nicht erreichen konnte, bleibe er dabei.

Gaugler soll «Weg freigeben»

Das stösst in praktisch allen politischen Lagern auf Unverständnis. Am deutlichsten wird Grünen-Fraktionspräsident Klaus Kirchmayr: «Das Vertrauen ist massiv erschüttert. Es gibt kaum etwas anderes als die Option Neuanfang. Daniela Gaugler würde sich und dem Kanton einen grossen Gefallen machen, wenn sie den Weg dafür freigeben würde.»

Die anderen von der bz befragten Politiker gehen nicht ganz so weit. Sie verweisen alle auf eine ausserordentliche Ratskonferenz Anfang kommender Woche. Dort wird Daniela Gaugler sich vor den Fraktionspräsidenten und dem Ratsbüro erklären müssen.

«Es ist ihr Recht, dass wir sie zuerst anhören, ehe wir entscheiden», sagt dazu FDP-Fraktionspräsident Rolf Richterich. Seinem Pendant bei der BDP/GLP, Marc Bürgi, genügen einige Worte nicht: «Wenn Daniela Gaugler uns am Treffen nicht die komplette Verfügung vorlegt, legen wir ihr den Rücktritt nahe.» Denn die Verfügung sei das einzig offizielle Dokument, das endgültig Klärung in die Sache bringen könne. Dem pflichtet Kathrin Schweizer von der SP bei. Sie stellt fest, dass «nur noch wenige Landräte hinter Daniela Gaugler stehen».

Gaugler auch in SVP umstritten

Das ist auch SVP-Fraktionspräsident Dominik Straumann nicht entgangen. Er spricht offen zur bz: «Viele SVPler stärken ihr den Rücken, aber auch viele von uns sagen, das Fuder sei mittlerweile überladen.» Er persönlich wolle Gaugler weder vorverurteilen noch freisprechen. Für Straumann handle es sich zudem immer noch um eine Privatsache. Doch unabhängig davon ist für ihn klar: «Ein geordneter Ratsbetrieb ist zurzeit nicht mehr möglich.»

Er schlägt deshalb der Ratskonferenz eine Alternative zum Rücktritt vor: «Vielleicht sollte Daniela Gaugler ein paar Wochen eine Auszeit nehmen, bis die ganze Sache geklärt ist.» So lange könne ja Vize-Landratspräsident Franz Meyer (CVP) die Sitzungen leiten. Straumann betont dabei, dass dies keinesfalls ein Rücktritt auf Raten sei. Er erinnert alle Politiker: «Wir sind keine Richter.»