Knapp zwei Wochen ist es her, seit bekannt wurde, dass durch ein Leck eines Abwasserrohrs der Prattler Chemiefirma Rohner über Monate Industrieabwasser ins Grundwasser gelangte. Die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) sagt auf Anfrage, dass noch immer Grundwasser abgepumpt werde.

«Mittlerweile liegen Resultate und umfassende Berichte des Kantonslabors und anderer Stellen zum Grad der Verschmutzung vor», so BUD-Sprecher Nico Buschauer. Heute Montag findet eine Sitzung statt, in der die Resultate interpretiert werden, dies in Anwesenheit von BUD-Vorsteherin Sabine Pegoraro. Am Mittwoch werden die Erkenntnisse publiziert. Dabei warten die BUD und das Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) weiter auf eine Stellungnahme der Rohner AG. In einer Verfügung fordern sie die Überprüfung und Sanierung des Abwassersystems.

Feuerwehr braucht Unterstützung

Recherchen der bz zeigen, dass das Abwassersystem nicht die einzige Baustelle ist, mit der sich die Rohner AG konfrontiert sieht. Bei der kantonalen Alarmübung im Herbst 2017 erfüllte die Betriebsfeuerwehr die Anforderungen nicht. Am 30. Januar 2019 führte das Feuerwehr-Inspektorat Baselland deshalb eine Nachinspektion durch. Und wieder fiel die Betriebsfeuerwehr durch. Konkret folgten zu wenige Angestellte, die bei einem Störfall für die Betriebsfeuerwehr aufgeboten werden, dem Aufruf, zum Feuerwehrmagazin zu kommen. Statt acht Mann trafen innert zehn Minuten nur zwei ein. Als die Übung nach zwanzig Minuten abgebrochen wurde, stiessen zwei weitere hinzu.

Der Baselbieter Feuerwehr-Inspektor Werner Stampfli bestätigt die Informationen. «Wir haben sofort Massnahmen ergriffen, damit die Sicherheit gewährleistet ist», sagt er. Zurzeit arbeite man bei der Rohner AG mit einem Doppelaufgebot. Das bedeutet, dass andere Feuerwehren wie die Gemeindefeuerwehr Pratteln das Werksteam unterstützen. «Das geht so weit, dass auch Führungskräfte anderer Feuerwehren bei Rohner aushelfen», sagt Stampfli. Rohner müsse diese Leistungen einkaufen.

Das Hauptproblem ist eindeutig der Personalmangel. Stampfli: «Sie sind schlicht zu wenig Leute.» Ausserdem sei die Fluktuation aussergewöhnlich hoch. Genau das aber ist heikel: «So gehen vertiefte Betriebskenntnisse verloren. Dabei ist es für so einen Betrieb zentral, dass die Feuerwehr weiss, wo welche chemischen Stoffe gelagert sind und wie die Prozesse ablaufen.»

Stampfli betont, dass jene Leute, die noch bei der Rohner-Betriebsfeuerwehr arbeiten, «kompetent sind und gute Arbeit leisten». Unter anderem meint er damit den Feuerwehr-Kommandanten. Dieser wird aber 2020 pensioniert. «Im Moment funktionieren die Abläufe noch, doch es schleckt keine Geiss weg, dass die Firma Probleme hat.» Zwar gebe es noch andere Feuerwehren mit Personalproblemen, aber bei einer Chemiefirma wie Rohner sei besondere Vorsicht geboten.

Auf Anfrage schreibt die Rohner AG zum Zustand ihrer Betriebsfeuerwehr: «Seit 1971 sind wir in einem funktionstüchtigen Feuerwehr-Verbund. Im Ernstfall werden drei Feuerwehren gleichzeitig und automatisch alarmiert. Dieser Verbund wurde im Kontrolltest nicht berücksichtigt.» Auch wenn ein Alarmverbund gemäss Störfallverordnung eine Möglichkeit ist, hält Stampfli fest: «Eine Betriebsfeuerwehr muss selbstständig funktionieren.»

200 Tonnen Abfall auf dem Areal

Auch der BUD ist die Problematik bekannt. Und man reagiert. Gabriel Stebler, Leiter Störfallvorsorge und Chemikalien im AUE, sagt: «Aufgrund der Informationen des Feuerwehr-Inspektorats gehen wir davon aus, dass die Kurzberichte und Risikoermittlungen der Rohner AG, auf denen wir unsere Gefährdungseinschätzung abstützten, nicht mehr den aktuellen Zustand widerspiegeln.» Daher sei eine weitere Verfügung ausgestellt worden.

Sie fordert, dass die Rohner AG bis Ende Juni sämtliche Kurzberichte und Risikoermittlungen aktualisieren muss. Bis spätestens Ende September müsse die Firma zudem nachweisen, dass bei der Betriebsfeuerwehr «angemessene Einsatzmittel zur Verfügung stehen oder eine Zusammenarbeit mit einer anderen ABC-erprobten Feuerwehr eingegangen wurde».

Als letzten Punkt fordert das AUE, dass die Lagermengen an störfallrelevanten Chemikalien auf dem Areal nicht erhöht werden dürfen. Und wenn doch, dann nur, wenn es betrieblich notwendig ist und nach Zustimmung des AUE. Eine dritte Verfügung betrifft flüssigen Abfall, den die Rohner AG noch immer auf ihrem Areal lagert – laut BUD rund 200 Tonnen. Diese müssen bis Ende Juli vollständig entsorgt sein.