«Ist mein Dach für eine Photovoltaik- oder eine Thermosolar-Anlage geeignet?» Diese Frage können Baselbieter Hausbesitzer künftig im Internet beantworten lassen: Der Kanton hat einen flächendeckenden Solarkataster aufgeschaltet. Dieser gibt bezüglich Photovoltaik Auskunft über Dachflächen und -neigung, Süd-Ausrichtung, welche Nennleistung man dort installieren könnte und wie hoch der voraussichtliche Stromertrag wäre. Klickt man auf «thermische Solaranlagen», liefert der Kataster die Angabe, wie viel Wärme pro Quadratmeter man dort in einem Jahr produzieren könnte.

Den Kataster erarbeitet haben der Kanton, EBL und EBM zusammen mit einem externen Büro auf der Basis von Vermessungsflügen im Frühling 2012, die rund 80 000 Franken kosteten. Die aus der Luft gewonnen Daten, beispielsweise zum Schattenwurf durch Dachaufbauten, sind als Planungsgrundlage nicht exakt genug. Deswegen betonte Alberto Isenburg, Leiter des Amts für Umwelt und Energie, der Solarkataster diene der ersten Abklärung des Potenzials und nicht zuletzt als Motivator für Hausbesitzer. «Erst die konkrete Prüfung durch ein technisches Fachbüro definiert dann die effektive Anlagengrösse und Leistung», erklärte Baudirektorin Sabine Pegoraro.
Potenzial nach oben korrigiert

Nachdem der Solarunternehmer Dominik Müller in der bz das Ziel des Kantons, bis 2030 im Baselbiet 20 Gigawattstunden (GWh) Solarstrom zu produzieren, als zu tief kritisiert und von erreichbaren 1200 GWh gesprochen hatte und sein Branchenkollege Heinrich Holinger das Potenzial auf 800 GWh bezifferte, korrigierte Isenburg an der heutigen Medienkonferenz die kantonalen Erwartungen nach oben: Bis 2050 betrage das theoretische Potenzial aufgrund des Solarkatasters - wenn alle möglichen Anlagen gebaut würden - 1000 GWh. Und jährlich 400 GWh würden dann «sicher drin liegen». Thomas Wälchli von der EBM ergänzte, die ursprünglich genannten 20 Gigawattstunden würden heuer bereits erreicht.

Wälchli wies aber auch darauf hin, dass man beim Solarstrom nicht nur die Kosten für Produktionsanlagen auf den Dächern berücksichtigen müsse, sondern auch für den Ausbau der Netze und die Speicherung. Dieser sei wegen möglicher Einsprachen nicht so schnell realisierbar.
3. März entscheidet über Kernzonen

Die im Kataster durch Farben angezeigte Eignung sagt nichts darüber aus, ob auf diesem Haus eine Anlage auch gebaut werden darf. Pegoraro wies aber darauf hin, dass man ausserhalb der Kernzonen und somit für 93 Prozent des Baugebiets für Solaranlagen keine Baubewilligung mehr benötigt.

Zu den Ortskernen seien zwar zwei Landratsvorstösse hängig. Doch müsse man zuerst die Abstimmung vom 3. März zum eidgenössischen Raumplanungsgesetz abwarten. Wird dieses angenommen, gilt nämlich: «In Bau- und Landwirtschaftszonen sind sorgfältig in Dach- und Fassadenflächen integrierte Solaranlagen zu bewilligen, sofern keine Kultur- und Naturdenkmäler von kantonaler oder nationaler Bedeutung beeinträchtigt werden.»