Ein einsamer Hans Rudolf Gysin wartete am frühen Sonntagnachmittag im Baselbieter Regierungsgebäude auf die wenigen Medienvertreter, um über seinen soeben errungenen Abstimmungssieg zu reden. Dort, wo es sonst an Abstimmungssonntagen nur so vor Regierungs-, Partei- und Medienleuten wimmelt, verloren sich diesmal bloss einige wenige Nasen. Das sagt eigentlich alles über das nach der Fusionsabstimmung im Herbst 2014 vollständig erloschene Interesse an dieser Initiative.

Trotzdem: Satte 76,34 Prozent betrug die Zustimmung zur von Gysin lancierten Regio-Kooperationsinitiative, die nun in der Baselbieter Verfassung nicht nur die Zusammenarbeit mit Basel-Stadt festschreibt, sondern auch mit den Nachbarkantonen Aargau, Solothurn und Jura. Dies bei einer respektablen Stimmbeteiligung von 41 Prozent. Die bz fragte den ehemaligen FDP-Nationalrat und Wirtschaftskammer-Direktor, was er sich nun für konkrete Resultate von seinem Erfolg an der Urne erhofft:

Herr Gysin, herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Abstimmungserfolg, was passiert jetzt?

Hans Rudolf Gysin: Man darf jetzt ja keine Wunder erwarten. Wir haben jetzt erst die Voraussetzung auf Verfassungsstufe für eine vertiefte Kooperation mit allen unseren Nachbarn geschaffen. Wir können aber nicht erwarten, dass bereits morgen Regierung oder Behörden konkrete Beschlüsse fassen. Wir haben jetzt erst den Fächer geöffnet. Für künftige Entscheide, zum Beispiel in Verkehrs- oder Bildungsfragen, ist das wichtig.

Das ist etwas allgemein. Werden Sie konkreter.

Ich könnte mir Folgendes vorstellen: Es bestehen nun gute Voraussetzungen, dass Baselland die rund 120 partnerschaftlichen Verträge mit Basel-Stadt in drei bis vier Gesetze zusammenfasst, um diesen unübersichtlichen Wust an partnerschaftlichen Bestimmungen auf eine klare Basis zu stellen.

Dafür hätte es aber nicht den Einbezug von Aargau, Jura und Solothurn gebraucht.

Dafür nicht, aber drei Viertel der Stimmenden haben auch entschieden, dass sie weg von diesem Fokus auf die Partnerschaft zwischen Baselland und Basel-Stadt wollen. Da gibt es genügend offene Handlungsfelder. Wie wollen wir beispielsweise das Stauproblem an der Hagnau lösen, ohne die Aargauer und Solothurner mit einzubeziehen?

Ihre Initiative war ursprünglich als Gegenvorschlag zur Fusionsinitiative gedacht. Bereits nach der deutlichen Ablehnung im September 2014 hatte sie sich erübrigt.

Ich bin heute jenen Kreisen sehr dankbar, die die Fusionsfrage aufs Parkett gebracht haben. Das hat für klare Verhältnisse gesorgt, und das Volk hat jetzt in der Umkehr klar zur breiteren Zusammenarbeit mit allen Nachbarn Ja gesagt. Und ich bin der Regierung dankbar, dass sie die beiden Abstimmungsvorlagen nicht miteinander vermischt haben.

Wieso?

Jetzt haben wir einen logischen Ablauf: Im September kam das klare Nein des Baselbiets zur Fusion. Jetzt hat die Stimmbevölkerung mit 76 Prozent Ja gesagt zur breiteren Zusammenarbeit. Im dritten Schritt kommt dann meine Initiative zur Aufwertung zum Vollkanton. Eventuell noch vor den Sommerferien könnte die entsprechende Regierungsvorlage an den Landrat bereit sein.

In dieser Frage werden Sie aber ganz gewiss erfolglos bleiben.

Da bin ich mir nicht so sicher. Natürlich, wenn man jetzt andere Kantone fragt, sind sie dagegen, weil sie nicht auf diese Frage vorbereitet sind. Zumindest das Schweizer Volk sagt aber nicht von Vornherein Nein zur Aufwertung.