Die Mail, dass Thommen Medical auf den 1. Januar 2014 den Geschäftssitz von Waldenburg nach Grenchen verlegt, erhielten die Gemeindebehörden gerade noch rechtzeitig, um die mehreren zehntausend Franken Mindereinnahmen im Budget 2014 zu berücksichtigen. «Es geht um einen beträchtlichen Anteil der Steuereinnahmen der juristischen Personen», bedauert Gemeindeverwalter Markus Meyer. «Das tut weh.»

Die Steuern waren auf der anderen Seite kein Kriterium für den Entscheid von Thommen Medical, den Standort aus dem Waldenburgertal an den Jura-Südfuss zu verlegen. «Wir produzieren seit Jahren in Grenchen», erklärt CEO Erwin Locher. Es gehe schlicht darum, den Zusatzaufwand, der durch die Aufteilung auf zwei Standorte bedeutet, zu vermeiden. In Waldenburg waren noch Administration und Marketing sowie Forschung und Entwicklung, knapp 20 Stellen. Mit wenigen Ausnahmen würden alle bisher in Waldenburg Beschäftigten künftig in Grenchen arbeiten, erklärt Locher. Dort befinde sich der Firmensitz in Bahnhofsnähe.

Eingepflanzte Zähne

Ebenso wie der Verlust an Steuereinnahmen dürfte in Waldenburg und im Tal der Verlust an industrieller Substanz schmerzen: Thommen Medical ist zwar mit weltweit rund 120 Angestellten ein kleines Unternehmen. Doch mit der Entwicklung, der Produktion und dem Vertrieb von Teilen für den künstlichen Zahnwurzelersatz wie Implantaten, Prothetikkomponenten und Instrumenten ist die Firma Teil der medizinaltechnischen Branche.

Zahnimplantate gelten wegen der billigen Fernost-Konkurrenz derzeit als ein schwieriger Markt, was nicht zuletzt auch Thommen Medical zur Kostenoptimierung zwingt. Doch ist 2007 Novartis bei Thommen Medical eingestiegen und hat einen Anteil von 20 Prozent übernommen. Das KMU dürfte somit unter anderem Zugriff auf Forschungs-Kapazitäten von Novartis haben, was gute Voraussetzungen für Innovation und somit künftiges Wachstum bietet.

Erosion des Baselbieter Standorts

Das Waldenburgertal gilt eigentlich neben dem Jura-Südfuss als Medtech-Region, denn die Medizinaltechnik entstand oft in Gegenden, in denen sie mit ihren mikrotechnischen Anforderungen auf die Kompetenzen aus dem Umfeld der Uhrenindustrie zurückgreift. Doch erodiert der Medtech-Standort zusehends: So ist hat Synthes Schweiz den Sitz von Oberdorf nach Zuchwil (bz vom 14. November) verlegt.

Die mittlerweile zum US-Konzern DePuy gehörende Synthes produziert zwar in Oberdorf und Waldenburg und schaltet Inserate auf Jobportalen. Doch verlässt mit Thommen Medical ein weiterer Medtech-Kompetenzträger das Waldenburger Tal, was den Standort schwächt: Thommen-Medical-CEO Locher bestätigt, dass vor Jahren bereits beim Entscheid, die Produktion nach Grenchen zu verlegen, die Einbindung in den Medtech-Cluster am Jura-Südfuss und die Verfügbarkeit von Fachkräften wichtige Aspekte waren.

Der Baselbieter Medtech-Exodus setzte bereits vor einem Jahrzehnt mit dem Wegzug von Straumann aus Waldenburg ein. Thommen Medical, gegründet unter anderem von ehemaligen Straumann-Leuten, ist noch bis Ende Jahr in Waldenburg in einer Liegenschaft eingemietet, die Straumann gehört. Was damit in Zukunft geschieht, ist offen. Man suche nach Lösungen für die Liegenschaft, war gestern bei Straumann zu erfahren.

Gemeinde fühlt sich machtlos

«Wir haben auf solche Entscheide keinen Einfluss, wir werden einfach informiert, wenn es so weit ist», bedauert der Waldenburger Gemeindeverwalter Meyer den Wegzug von Thommen Medical. Zwar werde der Steuerausfall bis zu einem gewissen Grad durch den Finanzausgleich aufgefangen. «Doch wir hätten lieber Steuereinnahmen als Mittel aus dem Finanzausgleich.»