Der Personenunfall am Bahnhof Liestal vom Mittwochmorgen ist keine Ausnahme: Immer wieder kommt es in Liestal zu derartigen Unfällen. Ein Grund für die häufigen Schienensuizide ist die nahegelegene Psychiatrie Baselland.

Ob die Situation in Liestal zu einem Wendepunkt kommt, ist momentan unklar. Zwar soll der Liestaler Bahnhof ab 2019 in einem Mammutprojekt umgebaut werden, ob damit gleichzeitig neue Sicherheitsvorrichtungen rund um die Gleise eingerichtet werden, kommentierte die Medienstelle der SBB am Mittwoch nicht. Da das Risiko für Nachahmungsdelikte zu hoch sei, wolle sich die SBB in keiner Hinsicht zu Personenunfällen äussern. 

Joachim Küchenhoff, Direktor der Erwachsenenpsychiatrie in Liestal, steht der bz Rede und Antwort und spricht offen über präventive Massnahmen. 

Am Mittwochmorgen ist es am Bahnhof Liestal zu einem Personenunfall gekommen. Ab 2019 soll der Bahnhof Liestal umgebaut werden. Werden mit dem Umbau auch bestimmte Massnahmen ergriffen, um die Situation rund um die Psychiatrie zu entschärfen?

Joachim Küchenhoff: Über die aktuellen Umbau-Pläne, die den Bahnhof betreffen, habe ich keine Kenntnis. Aber wir hatten vor einigen Jahren Gespräche mit den leitenden Personen der SBB. Sowohl die Psychiatrie Baselland wie auch die SBB haben grosses Interesse daran, Schienensuizide zu verhindern.

Welche konkreten Massnahmen sollen Ihres Erachtens ergriffen werden, um Schienensuizide weitgehend einzudämmen?

Wir wissen aus der Forschung, dass Schwellen und Barrieren, die den Zugang zu den Gleisen erschweren, tatsächlich wirksam sind. Bereits vor einigen Jahren wurde am Bahnhof Liestal in Richtung Frenkendorf-Füllinsdorf eine Mauer gebaut. Es gibt also schon heute Abgrenzungen, die es früher nicht gab. Ich meine auch, dass die Präsenz von Ansprechpartnern, an die sich ein verzweifelter Mensch wenden kann und die selbst aufmerksam sein können, wichtig ist. Es wird wohl nicht gelingen, den Bahnhofsvorsteher vergangener Zeiten wieder einzuführen. Umso wichtiger ist die Schulung des Bahnpersonals.

Welche psychiatrischen Vorgehensweisen können Sie im Voraus treffen, um Suizide zu verhindern?

Um frühzeitig erkennen zu können, ob jemand suizidgefährdet ist, ist die Begegnung mit dem Patienten entscheidend. Beim Kennenlernen müssen wir bestimmte Warnsignale sehr genau erkennen. Manche Krankheitsbilder, aber auch die Vorgeschichte der Patienten können ein solches Warnsignal sein. Wenn der Patient bereits einen Suizidversuch unternahm oder ein Angehöriger des Patienten sich das Leben nahm, müssen wir als in Psychiatrie und Psychotherapie Tätige besonders aufmerksam werden. In jedem Fall gilt es den suizidalen Menschen zu schützen und durch die Krise gut und sicher zu begleiten. Das Ausmass der absichernden Massnahmen richtet sich ganz nach dem Befinden des Patienten. Grundsätzlich gelten für uns folgende Regeln: Erkenne die Risiken und nimm dir Zeit für die persönliche therapeutische Beziehung mit dem Patienten. Wir können jedoch einen Suizid nie hundertprozentig verhindern. Wir tun aber, was wir können.