Jugendliche aus dem Baselbiet, die in der Stadt ausgehen, sind ein bedeutender Faktor für die Zunahme der Kriminalität in Basel. Vermehrte schwere Gewaltdelikte lassen sich damit aber nicht abschliessend begründen. Lukas Baumgartner, Baselbieter Jugendanwalt erklärt, wie Stadt- und Landkanton zusammenarbeiten, um Delikte zu verhindern.

Herr Baumgartner, wie steht es um die Kriminalität von Baselbieter Jugendlichen in der Stadt?

Lukas Baumgartner: Es ist normal, dass Jugendliche sich viel in der Stadt aufhalten und dementsprechend dort etwas anstellen. Eine deutliche Zunahme solcher Fälle – insbesondere im Gewaltbereich – kann ich jedoch nicht bestätigen. Meistens handelt es sich um Delikte gegen das Betäubungsmittelgesetz, also den Konsum unerlaubter Substanzen. Das hat in letzter Zeit zugenommen.

Wie geht man vor, wenn der städtischen Polizei so ein Fall vorliegt?

Je nach Delikt gibt es unterschiedliche Konsequenzen. Das Jugendstrafrecht ist im Gegensatz zu dem für Erwachsene wohnortbezogen. Bei kleinen Delikten, so genannten Übertretungen, regeln die Basler Behörden den Fall selber. Die Ausnahme bei Bagatelldelikten bilden Betäubungsmittelkonsum und Ladendiebstahl. Auch hier liegt die Aufnahme von Tatbestand und Personalien jedoch bei der Polizei vor Ort.

Warum diese Ausnahme?

Solche Delikte können auf Persönlichkeitsprobleme des Täters hinweisen. Deshalb wird in diesen Fällen genauer hingeschaut und der Kontakt mit der Familie gesucht. Das ist eine Schutzmassnahme für die Jugendlichen. Im Wiederholungsfall werden die Abklärungen intensiviert, damit eine mögliche Sucht verhindert werden kann. Das offene Thematisieren des Problems kann viel zur Besserung beitragen.

Gibt es allgemeine Massnahmen zur Sucht- und Gewaltprävention bei Jugendlichen?

Ja. Im Kanton Baselland führt der Jugenddienst der Polizei flächendeckende Präventionsprogramme an Schulen durch. Die Jugendanwaltschaft interveniert eher dann präventiv, wenn sich in Einzelfällen Probleme mit Deliktpotenzial abzeichnen. Sie bietet nach Möglichkeit auch Schwerpunkttage und Workshops in Schulklassen an. Basel-Stadt hat meines Wissens auch solche Angebote. Im kantonalen Vergleich ist dieses System eher engmaschig.

Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen Stadt und Land?

Die Zentrumsfunktion der Stadt ist nicht wegzureden. Insofern erfüllt die Basler Polizei eine beachtliche Zentrumsleistung. Unsere Zusammenarbeit ist sehr gut und Baselland kann sich immer wieder revanchieren. Denn Delikte von Städtern im Unterbaselbiet sind auch nicht selten.