Das kleine Dorf auf dem Gempen-Plateau hoch über Dornach harmonierte über viele Jahre. Der gesellschaftliche Zusammenhalt zeichnete das Gemeindeleben aus. Dies widerspiegelt etwa das 1974 durch den damaligen Gemeindepräsidenten Silvano Marchionelli ins Leben gerufene Dorffest. Die Idee der Festivitäten: Geld generieren, um den Schulhausausbau finanziell zu unterstützen.

Das Konzept war ein voller Erfolg, kam bei der Bevölkerung gut an. Vier Jahre und ebensoviele Gempenfeste später weihte die Gemeinde sein neues Schulhaus ein. Von da an war das Dorffest bis in die späten 1990er-Jahre in regelmässigen Abständen Bestandteil des Gempner Dorfkalenders. Die Gemeinde finanzierte so Projekte, ohne Steuergelder anzapfen zu müssen.

2007 belebten die Gempner ihr Dorffest neu. Es fand seither im Dreijahresrhythmus statt und generierte vor zwei Jahren 90'000 Franken für das Projekt Jugendarena. Mittlerweile sind durch Lotteriefonds, Sponsoren, Stiftungen, Crowdfunding und privaten Gönnern sogar rund 260'000 Franken zusammengekommen. Morgen Donnerstag erfolgt der Spatenstich zum Kernstück des Projektes, das ohne jegliche Steuergelder auskommt. Vor dem Schulhaus entsteht ein Pumptrack: ein asphaltierter Parcours, der für motorlose Fahrzeuge wie etwa Kickboards konzipiert ist.

Rund um den Pumptrack gab es in den vergangenen Monaten Unstimmigkeiten, wie mehrere Stimmen der bz bestätigen. Streitpunkt war der Standort der neuen Spielanlage. Im Juni 2017 fand anlässlich der ordentlichen Gemeindeversammlung eine demokratische Abstimmung zu den verschiedenen Standorten statt. Die klare Mehrheit stimmte für den freien Platz vor dem Schulhaus. Der ehemalige Gemeindepräsident Silvano Marchionelli war unzufrieden mit dem Ausgang und legte Beschwerde gegen den Gemeinderatsbeschluss ein. Der Solothurner Regierungsrat lehnte diese allerdings ab.

«Rückzugskampf der alten Garde»

Auslöser der Disharmonie im Dorf sollen die Gemeindewahlen 2017 sein. Bei diesen verlor die FDP in Gempen seine Vormachtstellung. Junge Dorfbewohner und die neugegründete Freie Liste drängten nach. «Es war ein Rückzugskampf der alten Garde, die in den vergangenen Jahrzehnten sehr viel für das Dorf geleistet hatte und sich verdrängt fühlte», sagt ein Gempner Einwohner, der anonym bleiben möchte.

Im 900-Seelen-Dorf taten sich die Bewohner zusammen und schufen Aussergewöhnliches. Nun findet das Dorffest 2019 aber «ziemlich sicher» nicht statt, wie die letzte OK-Präsidentin Andrea Meier bestätigt. «Die Planungsarbeiten für ein nächstes Gempenfest werden voraussichtlich erst nach Abschluss der Jugendarena aufgenommen», sagt Meier. Zeit für die nächste Festplanung bleibe keine, teilweise seien dieselben Leute involviert. Zudem vermeide man mit der Rhythmusänderung eine Kollision mit dem Eidgenössischen Schwingfest, das 2022 im Baselbiet stattfindet.

Andere sagen jedoch, die Verschiebung hänge mit den Dorf-Unruhen zusammen. «Die Stimmung ist schlecht, viele sind momentan nicht bereit, mitzuhelfen», sagt ein weiterer Informant zur bz. Auch die Theatergruppe Gempen steigt trotz 40-Jahr-Jubiläum dieses Jahr nicht auf die Bühne. In der Theatergruppe befänden sich Personen der beiden Lager, die sich bei den Unstimmigkeiten zum Jugendarena-Projekt zerstritten hätten.

Versöhnliche Töne

Bringt die Jugendarena am Ende den guten Willen ins Dorf zurück? Der Gärtner geht mit gutem Beispiel voran und spendet den Rasen für das Projekt. Neben dem Pumptrack wird der Spielplatz saniert und ausgebaut und ein IT-Projekt der Primarschule finanziert. Verzögerung habe es aufgrund der Unstimmigkeiten im Dorf keine gegeben, so Meier. Zu den Unruhen möchte sie sich nicht äussern. Bereits am 1. August soll der Parcours befahrbar sein, sagt Pumptrack-Projektleiter Alex Beiger. Pünktlich zum Schulbeginn dürfte auch der neue Spielplatz fertiggestellt sein. Meier sagt: «Wir freuen uns, das Projekt nun zu realisieren.»