Rindvieh und Schweine werden im Baselbiet stetig weniger, Pferde dagegen mehr. Den aktuellen Pferdebestand schätzt Roland Baumgartner im Kanton auf etwas über 2000 Tiere. Baumgartner, pensionierter Tierzuchtlehrer, Vorstandsmitglied des Vereins für Pferdezucht Baselland und Umgebung sowie Organisator einer regionalen jährlichen Pferdeverkaufs- und Hengstschau, ist einer der besten Kenner der Szene. Und er beobachtet eine stetige Verschiebung des Einsatzgebiets der Pferde hin zum Freizeit-Reitsport: «Das Pferd als Arbeitstier in der Landwirtschaft ist bedeutungslos geworden, die Pferdezucht stagniert und als Fahrpferde für Gesellschaftsfahrten sind etwa 50 Tiere im Einsatz.»

Doch obwohl die Bauern die Pferde bei der Arbeit nicht mehr brauchen und sie durch Traktoren ersetzt haben, stehen immer mehr dieser Tiere in ihren Ställen. Denn über 80 Prozent der Pferde, so Baumgartner, seien «auf Betrieben mit eigener Futtergrundlage» eingestellt, das heisst auf Höfen mit Weiden und Heuproduktion.

Noch verdienen Bauern doppelt

Und an diesen Tieren verdienen die Landwirte nicht nur über die Pensionspreise, die sich je nach Dienstleistung, Infrastruktur und Lage  – das Unterbaselbiet ist wegen der höheren Nachfrage tendenziell teurer als der obere Kantonsteil  – zwischen einigen hundert und über tausend Franken pro Monat bewegen, sondern auch über Direktzahlungen. In der Hügelzone gebe es pro Jahr und Tier rund 700 Franken an diversen Beiträgen, sagt Andreas Bubendorf vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain. Noch, muss man beifügen. Denn ab nächstem Jahr kommt die Agrarpolitik 2014 bis 2017 zum Tragen. Dabei ist laut Bubendorf im Verordnungsentwurf bei den Pferden eine «heiss diskutierte» Praxisänderung vorgeschlagen, deren Folgen im Moment noch undurchsichtig seien, aber in Richtung Beitragsreduktion ginge.

Detailliert zeigt eine Zusammenstellung im kürzlich herausgekommenen Jahresbericht der Basellandschaftlichen Pferde- und Viehversicherung die Entwicklung des Pferdebestands über mehr als 100 Jahre. Allerdings handelt es sich bei den Zahlen lediglich um die versicherten Tiere, und diese stammen nicht nur aus dem Baselbiet, sondern auch aus Teilen der angrenzenden Kantone. Demnach gab es in diesem Raum in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg am meisten Pferde. So belief sich der versicherte Bestand 1948 auf 2350 Tiere. Jakob Lanz, Geschäftsführer der Pferdeversicherung, führt das auf die zahlreichen Pferde im Einsatz in der Landwirtschaft und im Militär zurück. 30 Jahre später schrumpfte der Bestand dann auf weniger als die Hälfte (1048 Tiere), um dann wieder kontinuierlich anzuwachsen.

Gute Konjunktur, mehr Pferde

In den letzten fünf Jahren stagnierte die Anzahl Pferde allerdings mehr oder weniger; 2012 waren 1908 Tiere zu einem Durchschnittswert von 7600 Franken versichert. Roland Baumgartner erwartet, dass der Pferdebestand im Baselbiet weiterhin leicht zunehmen wird, wobei die Pferdehaltung stark von der Konjunktur abhänge. Und er fügt an: «Bei uns reiten vor allem junge Frauen; 90 Prozent der Absolventen des Reitbrevets sind weiblichen Geschlechts ab zwölf Jahren.» Entsprechend ist auch der Frauenanteil im regionalen Reitsport hoch. Doch bei der Elite im In- und Ausland schwingen die Männer obenaus. Baumgartner: «Das Profi-Geschäft ist knochenhart. Das schaffen die Männer besser.»

Und dann gibts noch den Haflinger «Manuel» von Alexander Wetzstein in Arlesheim, der etwas besonderes geschafft hat: Er ist sage und schreibe 42 Jahre alt und damit das älteste versicherte Pferd im Baselbiet. «Das ist ein phänomenales Alter», meint Jakob Lanz dazu.