Das Haus liegt an der Goldbrunnenstrasse 14 und nennt sich Silberbrunnen. Doch an dieser Adresse nordwestlich des Liestaler Bahnhofs glänzt schon lange nichts mehr. Dem typischen Betonbau mit Baujahr 1970 – wie auch seinem Zwilling mit der Hausnummer 18 – sieht man sein Alter deutlich an.

Eigentlich wollte der Kanton Baselland als Liegenschaftsbesitzer die beiden Gebäude schon lange abreissen oder sie verkaufen. Zu attraktiv ist die Lage und das Bauland entsprechend wertvoll. Doch vor allem ein Mieter verunmöglicht den Abriss: die Psychiatrie Baselland (PBL).

Einsprachen vor Kantonsgericht

Seit Jahrzehnten ist sie im Haus 14 mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) eingemietet. Nur zu gerne würden die Betreuer mit ihren acht Patienten der Wohngruppe Kleeblatt ausziehen. Doch sie müssen bleiben. Der Neubau der KJP gleich auf der anderen Seite der Goldbrunnenstrasse jenseits des kleinen Rösernbaches ist von Einsprachen von Anwohnern blockiert, die dortige Wiese noch unberührt. Dabei hätte der vierstöckige Bau schon 2016 eingeweiht werden sollen.

Zwar lehnte der Regierungsrat vergangenen März die letzten noch hängigen Einsprachen ab – sie richten sich gegen den zu geringen Abstand des Neubaus zum Rösernbach –, doch wie die «Schweiz am Wochenende» weiss, ziehen nun drei Personen vors Kantonsgericht. Vor 2021/22 ist an einen Umzug nicht zu denken, heisst es bei der PBL.

Für die Direktorin der KJP, Brigitte Contin, ist die Wohnsituation den Jugendlichen aber schon heute kaum mehr zuzumuten: «Wenn jemand schon depressiv ist, sollte er nicht in einem Raum leben, der depressiv macht», sagt sie. Eine angenehme Umgebung sei für ihre jungen Patienten, die psychisch erkrankt sind, besonders wichtig für den Genesungsprozess. Um aufzuzeigen, wie dringlich ein Umzug wäre, bot sie der «Schweiz am Wochenende» einen exklusiven Blick hinter die alten Mauern.

Was sofort auffällt, sind die engen Platzverhältnisse: Seien es der viel zu kleine Lift, die «Bibliothek» im schmalen Gang oder die alten Personalzimmerchen, in denen nun die acht Wohngruppen-Mitglieder im zweiten Stock leben. Brisant: Einen Stock darüber wohnen noch Privatpersonen. Contin musste eine Sicherheitstüre mit Kamera installieren, damit nicht plötzlich jemand in der Wohngruppe steht.

Die Waschküche im Keller müssen sich die Jugendlichen aber mit dem ganzen Haus teilen. «Unsere Mädchen gehen nur zu zweit dorthin, weil es so düster ist», erzählt Contin.

Gar keinen Platz hat es für jene Jugendlichen, die in einem geschlossenen oder halbgeschlossenen Setting sein müssen. Sie sind in der geschlossenen Abteilung der Erwachsenen in einem anderen Gebäude der PBL untergebracht. «Diese Durchmischung ist für die Minderjährigen zeitweise schlicht nicht zumutbar», sagt Contin.

Totalsanierung wäre notwendig

Die gravierendsten Mängel im Silberbrunnen sind aber die Heizung und Isolation. Laut Contin seien die Heizkörper extrem störanfällig und nicht mehr zu reparieren. «In der Nacht klopft es in den Rohren oft ziemlich laut», erzählt auch Tina*, die in einem Doppelzimmer wohnt. Die Fenster seien ebenfalls alt und isolierten schlecht.

So müssten Bewohner wie Angestellte im Sommer schwitzen und im Winter frieren, sagt Contin. Und damit aus dem Lüftungsschacht, der jeweils zu den Badezimmern führt, keine üblen Gerüche kommen, wurden die Öffnungen zugeklebt.

Die Isolation ist nicht das einzige Problem, das auch die Angestellten zu spüren bekommen: «Unsere Büros nutzen wir für sensible Patientengespräche, doch die Wände sind sehr hellhörig», sagt eine Oberärztin. Sie berichtet auch von Eltern, die wegen des maroden Eindrucks des KJP-Gebäudes ihre Kinder in einer anderen Institution unterbringen liessen. Contin betont, dass die infrastrukturellen Bedingungen zwar schwierig seien, dies aber nicht die Qualität der Betreuungsarbeit beeinflusse.

Doch weshalb wird der Kanton als Besitzer nicht aktiv und führt Sanierungsarbeiten aus? Kantonsarchitekt Marco Frigerio gibt zu, in den letzten Jahren nur «punktuelle Reparaturen» durchgeführt zu haben. «Für den längerfristigen Weiterbetrieb wäre eine Totalsanierung notwendig.»

In der Annahme, dass der KJP-Neubau irgendwann realisiert werden kann, sagt er aber trocken: «Sanierungen mit einer Laufzeit von wenigen Jahren sind grundsätzlich nicht wirtschaftlich und daher zu vermeiden.» Überhaupt sei derzeit in Abklärung, ob die beiden Liegenschaften weiterhin im Portfolio des Kantons bleiben sollen.

 

* Name von der Redaktion geändert.