Nun ist auch die letzte Absage eingetroffen. Der Kanton Jura ist ebenfalls nicht an einem Vollkanton Baselland interessiert – das teilte die Jurassische Regierung ihren Kollegen in Liestal mit. Diese hatten die Regierungen sämtlicher vier Nachbarkantone angefragt, ob sie das Bestreben des Kantons Baselland, eine ganze Standesstimme zu erhalten, unterstützen würden und ob man dies in der Baselbieter Verfassung auch so festhalten könnte.

Delémont stimmt im Schreiben, dessen Inhalt die bz kennt, diplomatische Töne an. Der jurassische Regierungsrat weicht der eigentlichen Frage nach der Unterstützung für einen Vollkanton aus, lässt seine Position aber trotzdem durchblicken: Zwar sei für den Kanton Jura die Zusammenarbeit innerhalb der Nordwestschweiz von grosser Bedeutung, gerade diejenige mit den beiden Basel.

Als wichtigstes Instrument wird dabei die Nordwestschweizer Regierungs-Konferenz genannt. In die konstitutionellen Angelegenheiten des Kantons Baselland («affaires constitutionnelles») wolle man sich aber auf keinen Fall einmischen.

Angst vor Nachahmern

Durch die Blume macht der Kanton Jura klar: Wir sind für das Vorhaben Vollkanton Baselland (und Basel-Stadt) nicht zu haben. Dabei wäre die Unterstützung des Jura eminent wichtig gewesen, bildet der Kanton doch die Brücke der Nordwestschweiz zur Romandie. Es sind vor allem die französischsprachigen Kantone, welche der Deutschschweiz keine weitere Standesstimmen zugestehen wollen. Ein Baselbieter Erfolg könnte – so die Befürchtung vieler Romands – andere Halbkantone auf den Plan rufen.

Das Argument der gefährdeten Balance zog auch der Aargauer Regierungsrat in seiner Antwort von Anfang Juni auf die Anfrage aus Liestal heran (die bz berichtete). Die Solothurner Regierung wiederum verpackte in ihre Erklärung die Feststellung, dass es an den solothurnischen Gebieten nördlich des Jura nichts zu rütteln gäbe. Die Basler Regierung hatte bereits Ende Mai mitgeteilt, man solle lieber die politischen Kräfte bei konkreten Vorhaben bündeln.

Die Baselbieter Regierung handelte nicht ganz freiwillig bei ihrer Umfrage. Die sogenannte «Regio-Stärkungsinitiative» von alt FDP-Nationalrat Hans Rudolf Gysin sieht vor, dass in Bern konkrete Schritte unternommen werden, um die volle Standesstimme zu erhalten, sprich: Eine Standes-Initiative. Wann Gysins Volksbegehren zur Abstimmung gelangt, steht noch nicht fest.