Die SVP Baselland ist gerade in einer etwas absurden Situation: Zwar wählten die 227 Stimmberechtigten am Donnerstagabend an ihrer Generalversammlung in Muttenz mit 137 Stimmen Oskar Kämpfer zu ihrem neuen Präsidenten. Der weitestgehend unbekannte Ermando Imondi unterlag mit 82 Stimmen.

Doch «de jure ist die SVP Baselland derzeit führungslos», wie es ihr abgetretener Präsident Dieter Spiess formuliert. Der Grund: Der Therwiler Oskar Kämpfer kann aus unternehmerischen Gründen sein Amt erst ab Anfang nächstem Jahr operativ wahrnehmen. Bis er in Aktion treten kann, soll ihn ein Vizepräsident, wahrscheinlich Landrat Hans-Jürgen Ringgenberg, als Interims-Präsidenten vertreten. Nur: Ringgenberg hat auf diese GV seinen Rücktritt bekanntgegeben. Er und die restlichen Mitglieder der Parteileitung, die nicht von Amtes wegen dort sitzen, müssen erst noch am Parteitag am 17. April gewählt werden.

Erhitzte Gemüter

Dieser Punkt hatte am Donnerstag zu erhitzten Gemütern und heftigen Diskussionen geführt. Als Erster ergriff der abtretende Spiess das Wort: «Ich finde es nicht vorteilhaft, dass ein Präsident, den wir heute wählen, erst am 1. Januar 2013 das Amt übernehmen kann.»

Der Allschwiler Landrat Roman Glauser hielt ihm entgegen: «Ich habe Mühe, wie du beginnst, eine Diskussion zu führen. Du hast jemanden demontiert.» Ringgenberg meinte auf Anfrage gar: «Ich finde es absolut daneben, was Spiess gemacht hat. Das ist unterste Schublade.» Ein abtretender Präsident dürfe am Wahltag keine Wertung abgeben.

Spiess weist dies zurück: Er hätte nur klarmachen wollen, dass die SVP mit Kämpfer einen Präsidenten habe, der bis 2013 nicht operativ tätig sein kann. Er glaube auch nicht, dass die ganze Auseinandersetzung Spuren hinterlassen wird: «Das muss man sportlich nehmen können.»

Er bestreitet auch, dass der mehrheitlich unbekannte Imondi ein Verlegenheitskandidat gewesen sei. Er sei seit Anfang 2011 mit ihm in Kontakt gestanden.

Spiess lanciert Debatte

Spiess' Äusserungen lancierten eine hitzige Debatte, die Schwächen bei beiden Kandidaten aufzeigte. Die einen verteidigten Kämpfer als den Erfahreneren und erklärten, die Monate bis zu seinem eigentlichen Antritt könnten gut übebrückt werden.

Leute wie Christian Brechbühl (Gemeindekommission Birsfelden) griffen zugleich den Zwingener Imondi an: «Ich habe Imondi noch nie an einem Anlass gesehen. Das kann ich nicht tolerieren.» Jacqueline Wunderer, Gemeinderätin Röschenz, enervierte sich über solche Äusserungen. Die SVP sei eine Familie und «so wird also ein neues SVP-Mitglied begrüsst», konstatierte sie.

Imondi, in dem viele die Chance einer Verjüngung der Parteileitung sahen und der von sich selbst sagte «ich möchte die Nachwuchsarbeit fördern» wurde zum Beispiel vom Binninger Landrat Urs-Peter Moos unterstützt: «Wir haben in unserer Partei ein Problem der Überalterung.»

Er ist zudem überzeugt: «Imondi hätte als Quereinsteiger zwei bis drei Monate gebraucht und er wäre in seinem neuen Amt voll angekommen.» Auch Nationalrat Thomas de Courten sprach sich dezidiert für den jüngeren Imondi aus. Er plädierte zudem wie andere auch für einen Präsidenten ausserhalb der Landrats-Fraktion. Andere bemängelten dagegen, dass Imondi Leiter beim RAV plus und RAV Laufen sei, ein Beamter also, gegen welche die SVP so gerne wettert. Kämpfer fand zugleich in Wirtschaftskreisen als Unternehmer Unterstützung.

Zum Schluss der rund eineinhalbstündigen Debatte schienen sich die meisten wieder gefasst zu haben. Dieter Spiess verabschiedeten die Anwesenden mit einer Standing Ovation.