Der Plan für das grosse Einkaufscenter Ziegelhof ist endgültig gestorben. Nach dem Coop-Absprung im Frühherbst hat Investor Abraham Budak die Waffen gestreckt und die Aktien seiner Bovida Invest Anfang November an die CoOpera verkauft. Mit diesem Kauf hat die CoOpera – die Pensionskasse für Unternehmer, Künstler und Freischaffende besitzt in Liestal schon das Hanro-Areal – auch das Kaufrecht am Ziegelhofareal erworben und dieses sogleich der Besitzerin ZIAG abgekauft.

Laut Jürg Hari, bei der CoOpera für Immobilien-Projekte zuständig, soll der bestehende, rechtsgültige Quartierplan (QP) nicht umgesetzt werden: «Nach dem jetzigen QP wäre fast alles abgerissen worden. Wir wollen aber möglichst viel Bausubstanz erhalten.» Hari rechnet damit, dass in den nächsten fünf bis sieben Jahren 20 Millionen Franken in bauliche Veränderungen investiert werden. Während dieser Zeit soll das Gelände zwischengenutzt werden. Als Endnutzung schwebt der CoOpera ein Mix aus Gewerbe, Kultur, Therapien, Läden und Wohnen vor, wobei man nur an Mietern und nicht an Käufern interessiert sei. Bezüglich Parkplätzen suche man Lösungen und das Gespräch mit der Stadt, so Hari.

Für die ganze Projektentwicklung inklusive Zwischennutzung ist eine in der Region bestens Bekannte zuständig - die «Denkstatt» mit Barbara Buser an der Spitze; sie war, respektive ist, bei der Entwicklung des Hanro-Areals, der Basler Markthalle oder des Gundeldinger Felds federführend. «Denkstatt» will nun als erste Schritte Anfang Dezember einen öffentlichen Infoanlass und im nächsten Frühling eine Zukunftskonferenz durchführen. Bei Letzterer sind alle an einer Umnutzung Interessierten, die Nachbarn und die Behörden eingeladen. Danach, so sagt Barbara Buser, gehe es darum, ein Nutzungskonzept heraus zu destillieren und den QP zu überarbeiten.

Stadtrat freut sich

Auf die Frage, ob es in Liestal überhaupt genügend Potenzial für eine Art zweite Hanro gibt, meint Buser: «Wir stehen jetzt noch ganz am Anfang und müssen das herausfinden. Klar ist aber, dass es eher weniger Potenzial für ein weiteres Einkaufscenter gibt.» Auch bei der Hanro sei mit der Pädagogischen Hochschule plötzlich ein unerwarteter Grossmieter aufgesprungen. Das Ziegelhof-Areal sei jedenfalls von der Lage her sehr interessant. Bei gewissen Gebäuden wie etwa dem Bürohaus müsse man nur einen Besen in die Hand nehmen, dann könnten Mieter einziehen.

Der Liestaler Stadtrat zeigt sich über die überraschende Wendung erfreut. Vizepräsident Franz Kaufmann sagt: «Wir begrüssen und unterstützen die neue Entwicklung.» Die neue Eigentümerin habe in der Vergangenheit auf diversen ähnlichen Arealen bewiesen, dass sie diese rasch einer interessanten Zwischennutzung zuführen könne. Kaufmann atmet hörbar auf, froh darüber, dass die befürchtete Verwahrlosung des Geländes «mit Scharnierfunktion zwischen den neuen Quartieren an der Ergolz und dem Stedtli» nicht eintritt. Da es nun aller Voraussicht nach kein Ziegelhof-Parkhaus gibt, hat sich der Stadtrat rund 60 öffentliche Parkplätze im QP Rebgarten gesichert.

Und dann hat das Ganze auch noch eine ironische Note: Der Verein Pro Ziegelhof, der die Urnenabstimmung um den QP Ziegelhof hochkant verloren hatte, setzte sich letztlich durch. Er hatte bereits im Abstimmungskampf vorgebracht, dass es alternative Investoren gebe, wurde aber belächelt. Jetzt hat er nachgeholt, was er schon damals wollte: Der Verein hat den Kontakt zwischen Abraham Budak und Barbara Buser vermittelt, die dann CoOpera ins Spiel brachte.