Im malaysischen Bundesstaat Sarawak auf Borneo herrscht unter Regierungschef Abdul Taib Mahmud seit Jahren Korruption. Mit einer international angelegten Kampagne kämpft der von Basel aus agierende Bruno Manser Fonds schon lange dagegen an, unter anderem, weil es um Menschenrechtsverletzungen und die Abholzung von Tropenwäldern geht. Nun werden die vom Fonds geäusserten Vorwürfe von Wikileaks bestätigt: Anfang Woche veröffentlichte die Internetplattform Depeschen der US-Botschaft in Kuala Lumpur, aus denen hervorgeht, dass die amerikanische Regierung seit 2006 ausführlich über die hohe Korruption informiert worden ist.

«Für uns ist es eine Befriedigung zu sehen, dass politische Beobachter der USA zu den gleichen Schlüssen gekommen sind», sagt Lukas Straumann, Geschäftsleiter des Bruno Manser Fonds. Dies stärke die Position des Fonds. Nun würde die internationale Dimension der Angelegenheit deutlich und deshalb hofft Straumann auf mehr Unterstützung von Regierungen respektive auf konkrete Aktionen der internationalen Gemeinschaft.

Sofort hat man beim Fonds auch reagiert und diese Woche dem US-Finanzministerium und dem Direktor des FBI Briefe geschickt. Denn brisant ist, dass die Familie Taib dem FBI Gebäude vermietet. Etwa das Haus, in dem der FBI in Seattle untergebracht ist. «Es ist wichtig, ganz offizielle Briefe zu schreiben», erklärt Straumann, «damit die Botschaft auch wirklich ankommt.»

Aktiv auch in Kanada

Im Juli ging in gleicher Sache ein Brief an die kanadische Regierung. Auch diese mietet Gebäude einer Firma der Taib-Familie. Laut Straumann wird dies bald von einer grossen kanadischen Tageszeitung publik gemacht. Er wünscht sich dasselbe nun von US-Medien. In Malaysia haben Medien bereits über die korrupten Zustände berichtet.

In Europa ist der Fonds ebenfalls aktiv: Im Juni erhielt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Schreiben, in dem Straumann auf die Problematik aufmerksam macht, auf den Joint Venture der Deutschen Bank mit einem Taib-Unternehmen hinweist und eine Sperrung allfälliger Taib-Vermögen in Deutschland fordert. Der Brief wurde an das Bundesfinanzministerium weitergeleitet. Dieses erhielt diese Woche nochmals Post von Straumann. Eine Antworte habe er bisher nicht erhalten, sagt er. Die Nachfrage der bz im Ministerium blieb unbeantwortet.

Keine Auskünfte gibt es auch bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma. Sie hat dem Fonds aber bestätigt, der Frage von Taib-Vermögen in der Schweiz nachzugehen. Dies auf Betreiben von Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey, die von Straumann um Unterstützung für seine Kampagne gebeten worden ist. «Als Reaktion auf die Schweizer Untersuchung kündigte die malaysische Antikorruptionsbehörde MACC Anfang Juni an, dass gegen Taib wegen Korruption ermittelt wird», freut sich Straumann.