Es sind radikale Pläne. «Einen Stadtteil für Menschen und nicht für Reserve-Kerosin für Zürcher Flugzeuge» will der Reinacher Architekt und Arealentwickler Hans-Jörg Fankhauser bauen. Dafür plant er, die nördliche Hälfte des Hafens Birsfelden abzutrennen. «Halb Europa entwickelt die Hafengelände, nur wir nicht.»

Er legt eine Architekturzeitschrift auf den Tisch, die solche Projekte beschreibt: Köln, Düsseldorf, Bremen, Hamburg, Münster, Amsterdam. Gerade vom Amsterdamer Projekt will Fankhauser lernen: «Entscheidend ist ein Wohnungs-Mix für alle Schichten, nicht nur die Reichen.» Der schönste Bereich müsse als Park für alle da sein. Ein Kulturzentrum mit Bibliothek und Konzertsaal gehöre ebenso dazu wie eine Zone für gemeinnützige Institutionen oder Büros für Arbeitsplätze. Neu angelegte Kanäle und ein Kleinboothafen sollen das Wohnen am Wasser direkt erlebbar machen.

Den Hafen besser nutzen

Verkehrte Welt: In Basel ist es beschlossene Politik, 2029 mit dem Ablauf des Baurechts die Klybeckinsel dem Hafen zu entziehen und der Stadtentwicklung zur Verfügung zu stellen. Aber noch ist unklar, was dort entstehen soll. In Birsfelden dagegen wissen Fankhauser und Verbündete, die er noch nicht öffentlich nennen kann, wie sie den grössten Teil des
eigentlichen Hafengeländes entwickeln wollen.

Eine Freigabe des Areals ist jedoch politisch noch nicht einmal andiskutiert, geschweige denn beschlossen: Auf dem Boden des künftigen Stadtteils «B-Port» produziert der Migros-Betrieb Delica Kaffee und Trockenfrüchte, betreibt die Carl Spaeter AG ein grosses Lagerhaus. Nicht zuletzt stehen da die Tanks mehrerer Betreiber, unter anderem mit den Kerosin-Pflichtlagern des Bundes insbesondere für den Flughafen Zürich. Am Rhein verschifft Ultra-Brag belastete Erde für die thermische Entsorgung nach Holland, und Birsterminal plant den Versand von granuliertem Abbruchschutt in die Niederlande. Zwar ist wie auch in Basel der Kanton der Grundeigentümer, doch dauern die Baurechte teilweise bis 2055.

«Ich will den Hafen gar nicht zubauen, sondern besser nutzen», wehrt Fankhauser solche Einwände ab. Konkret soll südlich der Rührbergstrasse ein neues Hafenbecken, das bis fast zur Sternenfeldstrasse reicht, dem Hafen jene Anlegestellen zur Verfügung stellen, die durch B-Port am Rhein verloren gehen. «Beginnt man heute zu planen, könnte das Hafenbecken in zehn Jahren gebaut sein.» Im März habe er B-Port einzelnen Baselbieter Regierungsräten vorgestellt. «Doch seither ist nichts passiert», ärgert er sich.

«Keine Mission Impossible»

Doch, passiert ist etwas, aber eher das Gegenteil: Die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH), der Kanton Baselland, die Gemeinde Birsfelden und Immobilien Basel-Stadt verabschiedeten eine gemeinsame Absichtserklärung. Diese kann man auf einen kurzen Nenner bringen. Im eigentlichen Hafengebiet unter Kantons-Hoheit – also dort, wo B-Port hinkäme – bleibt vorläufig alles beim Alten. Entwickelt werden sollen dagegen ausgesuchte Areale im südlichen Teil, der als Industriegebiet der Gemeinde untersteht. Damit sei das Wohnen im Hafen «vom Tisch», betonte Birsterminal-CEO Rolf Vogt in der bz.

Die Absichtserklärung enthält jedoch auch eine andere Aussage: «Im Kontext der Veränderungen des Hafenperimeters auf dem Kantonsgebiet Basel-Stadt wird längerfristig auch in Birsfelden eine Anpassung des kantonalen Nutzungsplans Teil von Entwicklungsüberlegungen sein.»

Dieser Satz ist Wasser auf die Mühlen des Birsfelder Gemeindepräsidenten Christof Hiltmann: «Die Idee Fankhausers – Erhalt des Hafens verbunden mit einer andersartigen Nutzung des Restareals – ist sehr gut. So gut, um mit voller Kraft daran weiterzuarbeiten.» Allerdings sei es nötig, die Anspruchspartner im Hafen, also die SRH, die beiden Basler Kantone als deren Eigentümer sowie die im Hafen tätigen Unternehmen mit an Bord zu holen. «Dies wird ambitiös, aber angesichts des gewaltigen Potenzials der Idee Fankhausers sicher keine ‹Mission Impossible›,» so Hiltmann.

Auch beim Kanton ist man angetan von Fankhausers Vision. «Seine erste Darlegung der Ideen war sehr spannend und interessant», erklärt Standortförderer Thomas Kübler. Konkret werde man aber erst Stellung nehmen, wenn Zeit- und Entwicklungspläne zeigen, wie der Umwandlungsprozess ablaufen solle. «Aktuell gibt es dort Firmen, Grundeigentümer, Baurechtsverträge – also bestehende Rechtsverhältnisse sowie die aktuelle Absichtserklärung.» Dann ergänzt er: «Nichtsdestotrotz sollten wir uns mit allen Beteiligten an den Tisch setzen und gemeinsam nachdenken, was sich in Zukunft verändern wird und welche Folgen dies auf eine möglichst optimale Nutzung des Hafens haben kann.» Fazit: «Uns können visionäre Gedanken nur gut tun.»

Smarte Roboter statt Lagerhallen

Fankhauser seinerseits kalkuliert mit abrupten Veränderungen in naher Zukunft. So werde sich Elektromobilität rasch durchsetzen. Damit sinke der Dieselverbrauch rapide, im Auhafen würden Tanks frei. «Den Inhalt der Birsfelder Tanks kann man also in den Auhafen verlagern.»

In Schweizerhalle stehe eine grosse ehemalige Clariant-Halle leer, daneben liege das Areal über dem Havariebecken – beides
direkt am Wasser. «Dort kann man den granulierten Abbruchschutt, den Asphalt-Ausbruch und belastetes Erdreich umschlagen.»

Auch bestehende Baurechte seien kein Hindernis, «wenn man wirklich will». Notfalls müsse man Firmen eben auskaufen. «Das haben wir in Basel in der Erlenmatt auch getan.» Zudem müsse man mit den Inhabern reden und die Perspektiven der neuen Entwicklung aufzeigen. «Es ist durchaus denkbar, gewisse Unternehmerfamilien als Investoren zu gewinnen.»

Damit verweist der Arealentwickler auf das Schorenareal in Arlesheim, wo er mit dem ehemaligen Handelskammerpräsidenten Thomas Staehelin als Investor ein 600-Millionen-Projekt leitet. Dort sollen sich Hightech-Unternehmen der nächsten Generation, der sogenannten Industrie 4.0, ansiedeln. Solche von selbstdenkenden Robotern getriebenen Technologien kann Fankhauser sich auch für das Birsfelder Hafenareal vorstellen.

Prestigeträchtige Architektur

«Damit solche Unternehmer hierher kommen, muss man schöne Orte wie den B-Port schaffen. Ein besseres Areal als dieses gibt es im Baselbiet sonst nirgends,» sagt Fankhauser weiter. Dafür denkt er als Areal-Entwickler an Architekten wie Herzog & de Meuron. Dort bestätigt man: «Vor einigen Wochen erfolgte ein Austausch mit Herrn Fankhauser zum Thema.» Herzog & de Meuron beschäftige sich seit langem mit den städtebaulichen Potenzialen von Häfen. Im Rahmen seiner «Vision 2040» habe sich ausserdem das ETH-Studio Basel bereits 2011 spezifisch mit der Transformation des Birsfelder Hafens auseinandergesetzt. Entsprechend habe es sich um einen Austausch unter Fachleuten gehandelt. So gibt sich Fankhauser optimistisch, das renommierte Basler Architektenbüro mit ins Boot zu holen.

«Will man der Zukunft auf den Fersen bleiben, ist eine Umwandlung des Areals zwingend», meint er weiter. Mit der Methode der prädiktiven Analyse, einem Verfahren des Data-Minings, hat er errechnet, dass 293 000 gut ausgebildete potenzielle Mitarbeiter den Hafen Birsfelden rasch erreichen könnten. Dies sei fast so viel wie im viel diskutierten Entwicklungsgebiet Salina Raurica (308'000) oder beim Bahnhof Basel (312'000). Sein Fazit: «Eine solche Lage ist zu schade, um Zürcher Flugpetrol zu lagern oder die Abfälle der Schweiz zu verschiffen.»