Es hätte für Liestal nach drei Budgets mit roten Zahlen fürs 2019 erstmals wieder eines mit einer zwar kleinen, aber immerhin schwarzen Zahl unter dem Strich werden sollen. Doch wegen der Pirouetten des Kantons beim Teuerungsausgleich kam es anders. Stadtpräsident Daniel Spinnler (FDP) schilderte an der Einwohnerratssitzung von Mittwoch Abend den Grundmechanismus so: «Wir folgen bei der Lohnpolitik dem Kanton in guten und schlechten Zeiten – mit Ausnahme der unsäglichen Massnahme der Lohnreduktion von 2015.»

Budget frustete auch

Die Geschichte dahinter: Als Liestal sein Budget erstellte, rechnete der Kanton mit keiner Teuerung. Später stellte er einen Teuerungsausgleich von 1,4 Prozent in sein Budget, und Liestal wollte nachziehen. Doch ein findiger Kopf in der Liestaler Verwaltung merkte, dass der Kanton damit seinen Mitarbeitern die einprozentige Lohnreduktion von 2015 kompensiert und die eigentliche Teuerung nur 0,4 Prozent beträgt, wie Spinnler darlegte. Weil Liestal aber sein Personal von der damaligen Lohnreduktion verschont hatte, beantragte die Finanzkommission jetzt einen Teuerungsausgleich von nur 0,4 Prozent. Dieser Antrag passierte den Einwohnerrat mit allen Stimmen bei einer Enthaltung.

Doch auch das hat gereicht, dass das Budget 2019 mit einem Minus von 152 000 Franken wieder leicht rot ist. Dies bei einem Gesamtaufwand von rund 48 Millionen Franken. Alle Parteien standen geschlossen dahinter, wenngleich Begeisterung anders tönt. So sagte etwa Benjamin Holinger (Grüne): «Dieses Budget ist eher ein Frust.» Die Stadt spare an allen Ecken und Enden, wenn auch «sehr umsichtig».

Und Bruno Imsand (FDP) meinte: «Mehr liegt schlicht nicht drin.» Er sei erfreut, dass die Investitionen aufs Notwendige begrenzt würden, mache sich aber Sorgen, dass selbst diese nicht aus den Eigenmitteln bezahlt werden könnten. Die Nettoinvestitionen werden im nächsten Jahr auf 7,5 Millionen Franken veranschlagt, der Eigenfinanzierungsgrad beträgt 38 Prozent.

Wie ein roter Faden zog sich durch fast alle Voten die Hoffnung, dass die Ausgleichsinitiative oder zumindest der Gegenvorschlag am 10. Februar an der Urne angenommen wird. Wenn nicht, sehen Liestals Zahlen viel düsterer aus. Das Budget 2019 basiert auf einer Annahme des Gegenvorschlags an der Urne, was Liestal laut Spinnler eine jährliche Entlastung von 1,2 Millionen Franken bringt, die Annahme der Initiative 2,7 Millionen. Heute habe Liestal zwölf Prozent der im Kanton ausbezahlten Sozialhilfekosten zu tragen, betonte der Stadtpräsident.

Mit den Schienensuiziden rund um den Liestaler Bahnhof thematisierten die beiden Grünen Lisa Faust und Benjamin Holinger ein trauriges Kapitel. In ihrer Interpellationsantwort stellte Stadträtin Regula Nebiker (SP) aber klar: «Es gab Phasen in diesem Jahr, in denen man denken konnte, Liestal sei besonders davon betroffen. Es stimmt aber überhaupt nicht, dass Liestal ein Hotspot ist.» Zum Beweis legte sie überraschende Zahlen vor: Gesamtschweizerisch hat es in diesem Jahr 250 Vorfälle mit Suizidversuchen auf Schienen gegeben, drei davon in Liestal.