Die Auslastung der Asylunterkünfte in den Baselbieter Gemeinden gibt weiter zu reden. Nachdem die bz vergangenen Freitag die neusten Zuweisungszahlen publiziert hatte, wurde deutlich, dass viele Gemeinden mit kostspieligen Leerständen zu kämpfen haben.

Dies, weil sie mehr Plätze schufen, um die vom Kanton auf ein Prozent der Wohnbevölkerung erhöhte Asylquote zu erfüllen, gleichzeitig aber die Zahl der Asylbewerber nicht wie angenommen weiter zugenommen hat.

Auch in Therwil stehen zurzeit mehrere dafür vorgesehene Wohnungen leer, etwa im Asylwohnheim «Löwen». «Natürlich haben auch wir deshalb Mietzinsausfälle», sagt Gemeindepräsident Reto Wolf. Wirklich schwer wiegt diese Last allerdings nicht. Denn: «Dafür haben wir ja den Verkaufserlös des ‹Löwen›.»

Entlastung für zwei bis drei Jahre

3,5 Millionen Franken erhält die Gemeinde von einem Investor für den Verkauf der Parzelle an der Bahnhofstrasse 1. Dass dabei das marode Asylheim-Gebäude einem Neubau weichen muss, ist gewollt. Schliesslich möchte Therwil gemäss Quartierplan das Gebiet Löwen aufwerten.

Wolf geht davon aus, dass das Baugesuch bis Mitte 2017 bewilligt wird und das Asylheim dann geräumt werden muss. Allerdings fallen dann auf einen Schlag rund 100 Betten für Asylbewerber weg; knapp 70 im Wohnheim selber und nochmals 30 in den separaten Wohnungen des obersten Stockwerks. Übrig bleiben dann nur noch rund 30 Plätze, die Therwil dezentral in verschiedenen Wohnungen geschaffen hat.

Mit seinen gut 10 000 Einwohnern müsste Therwil aber Platz für 100 Asylbewerber bereitstellen. «Müssten wir diese Quote erfüllen, hätten wir ein Problem», gibt Wolf zu. Zu schwierig gestaltet sich die Suche nach Ersatz – und das seit Jahren.

Wolf: «Eine Ersatzlösung an einem Ort ist wegen des Widerstands in der Bevölkerung nicht realisierbar. Seelisberg lässt grüssen.» Deshalb fragte Therwil beim Kanton an, ob man für die Zeit, bis neue Lösungen geschaffen sind, weniger Asylbewerber zugewiesen bekomme (bz berichtete).

Darüber entscheidet der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi: «Es liegt in meinem Ermessen, Therwil entgegenzukommen und die Gemeinde temporär von der Erfüllung der Asylquote zu entbinden», sagt er auf Anfrage.

Und der Entscheid steht: «Therwil war in der Vergangenheit sehr kooperativ und hat sich immer engagiert, wenn im Kanton Platz für Asylbewerber gesucht wurde. Daher kommen wir gerne entgegen.»

Auch Wolf bestätigt: «Wir haben eine Abmachung mit dem Kanton, dass wir entlastet werden.» Diese sei allerdings auf zwei bis drei Jahre befristet. «Wir wollen ja so bald wie möglich wieder unseren Pflichten nachkommen», so Wolf weiter.

Kanton soll Mietausfälle zahlen

Dass Therwil vom Kanton eine Sondererlaubnis erhält, kommt allerdings nicht überall gut an: «Das ist eine Sauerei», entfährt es Hans-Peter Hänni, als er von der Abmachung erfährt. Der Gemeindepräsident von Grellingen hat zurzeit stark mit leerstehenden Asylwohnungen zu kämpfen.

Um die neue Quote zu erfüllen, hat die 1800-Seelen-Gemeinde zusätzlich zu zehn bestehenden Plätzen ein Einfamilienhaus mit acht Plätzen gemietet. Seit dem 1. Juli fallen so monatlich 2000 Franken mehr an.

Doch entgegen früherer Beteuerungen wies der Kanton bis jetzt keine neuen Asylbewerber zu. Hänni: «Jetzt sind wir die Lackierten, weil wir unsere Pflicht erfüllt haben.»

Dass nun eine einzelne Gemeinde bevorzugt werde, sei nicht haltbar. Grellingen sei schliesslich ebenso immer kooperativ gewesen. Hännis Kritik richtet sich nicht gegen Therwil, auch wenn er betont, dass die Gemeinde die Parzelle sogar freiwillig verkauft hätte: «Ich gönne es ihnen, aber der Kanton soll alle gleich behandeln.»

Konkret fordert er, dass der Kanton bei Gemeinden, die leerstehende Asylwohnungen haben, zumindest Teile der Mietzinsausfälle übernimmt. Grellingen werde nun das Gespräch mit Rossi suchen.

«Wir haben dank des ‹Löwen› immerhin viele Gemeinden in den letzten Jahren entlastet und mehr als andere aufgenommen», sagt Wolf. Dies bestätigen auch andere Leimentaler Gemeinden.

«Therwil ist keine Gemeinde, die sich aus der Verantwortung stiehlt», bestätigt etwa Biel-Benkens Gemeindepräsident Peter Burch. Und Ettingens Gemeindepräsidentin Sibylle Haussener verweist darauf, dass die Abmachung mit Therwil erst zu einem Problem würde, wenn die Flüchtlingszahlen wieder deutlich anstiegen.

Etwas hält sie aber fest: «Wir hoffen natürlich auch auf die Kulanz des Kantons, sollten wir einmal Entlastung benötigen.»