1999 war der heutige Landrat Georges Thüring (SVP) dabei, als der Eröffnung des Eggflue-Tunnels eröffnet wurde. Er war damals Gemeindepräsident von Grellingen, der Gemeinde, die der Tunnel umfährt. Kurz davor hatte das Kantonsparlament beschlossen, als flankierende Massnahme die Ortsdurchfahrt Grellingen an die vorhergesagte massive Verkehrsreduktion anzupassen. Tatsächlich fahren jetzt nur noch 4000 Fahrzeuge durch das Dorf, gegenüber rund 20'000 vor der Eröffnung der unterirdischen Umfahrung. Doch erst jetzt, fast anderthalb Jahrzehnte später, präsentiert der Kanton ein Korrektionsprojekt, und das auch nur für den Teil der Ortsdurchfahrt ab der Birsbrücke ostwärts.

«Die Umgestaltung hätte längstens kommen sollen», findet Thüring. Er macht dafür Elsbeth Schneider (Baselbieter Baudirektorin von 1994 bis 2007, CVP) verantwortlich. Sie habe die Umgestaltung nicht als wichtig für die Region und daher nicht als prioritär genug eingestuft, um sofort umgesetzt zu werden. Dabei habe der Kanton nicht sagen könne, es sei kein Projekt eingeleitet worden, bemängelt Thüring. Sein Fazit: «Die neue Ortsdurchfahrt kommt mindestens zehn Jahre zu spät.»

Umgestaltung bei Instandsetzung

Für die Verzögerung hat die kantonale Bau- und Umweltdirektion (BUD) Erklärungen parat. «Zum Projekt gab es Einsprachen, die zuerst behandelt werden mussten», schreibt Axel Mühlemann, stellvertretender Leiter des Geschäftsbereichs Verkehrsinfrastruktur im Tiefbauamt. Eine von fünf Einsprachen musste sogar das Kantonsgericht beurteilen. Weiter führt er an: «Umgestaltungsmassnahmen bei Strassen werden bei uns immer mit dem Instandsetzungsbedarf abgestimmt, ausser es bestehen ein gravierendes Problem bezüglich der Verkehrssicherheit oder andere gesetzliche Auflagen. Ist ein Instandsetzungsbedarf gegeben, werden auch die nötigen Umgestaltungsmassnahmen durchgeführt.»

Trotz dieser Meinungsverschiedenheiten die Vergangenheit betreffend: Mit dem vorliegenden Projekt scheinen jetzt alle Beteiligten zufrieden zu sein. Thüring macht sich jedenfalls keine Sorgen, der Landrat könnte die dafür nötigen 7,2 Millionen Franken nicht bewilligen. Eine reine Sanierung ohne Verschönerungsmassnahmen hätte rund fünf Millionen Franken gekostet.

Stattdessen möchte der Kanton jetzt einen Kompromiss: Einerseits soll die Strasse für Fussgänger angenehmer werden, etwa dank breiterer Trottoirs und Bäumen. Die Fahrbahnbreite soll durchgehend 6 Meter 50 betragen, etwa einen Meter weniger als aktuell. «Bei zu breiten Strassen mit wenig Verkehr wird tendenziell schneller als die vorgeschrieben 50 Kilometer pro Stunde gefahren», erklärt Mühlemann. Die Abbiegespur Richtung Nunningen fällt weg. Andererseits soll die Strasse den ganzen Verkehr aus dem Laufental aufnehmen können, etwa wenn der Tunnel wegen eines Unfalls oder einer Sanierung gesperrt ist.

In der Vernehmlassung lobte die Gemeinde insbesondere, dass die Sicherheit für den nicht motorisierten Verkehr im Ortskern verbessert werde. «Die Wohnqualität entlang der Ortsdurchfahrt wird erhöht», das Dorfzentrum werde aufgewertet.

Thüring fühlt «zwei Herzen in meiner Brust». Einerseits müsse die Strasse für den Durchgangsverkehr funktionieren. Andererseits «ist es mir wichtig, dass der Verkehr dosiert wird». Man müsse bei der Neugestaltung an die Bewohner Grellingens denken, schliesslich wolle man gute Steuerzahler anziehen.

Wichtig ist ihm aber, dass überhaupt gebaut wird. «Der Kanton hat so viel geplant, dass man zufrieden sein muss mit dem Projekt.»

Zweiter Teil ab 2016

Läuft alles nach dem Zeitplan der BUD, ist die Umgestaltung im Frühling 2016 fertig. Danach packt der Kanton die Ortsdurchfahrt westlich der Birsbrücke (Delsbergstrasse) an. Dessen Neugestaltung dürfte gleich viel kosten wie der erste Teil.