«Der Kanton kann es nicht lassen» – «Dies ist ein Hohn»: Die SP Aesch-Pfeffingen ist derzeit nicht gut auf Sabine Pegoraro zu sprechen. Die Baselbieter Baudirektorin lanciere millionenteure Strassenbauprojekte, klagt die Ortspartei. Dabei habe die Bevölkerung klar signalisiert, dass sie diese Strassen gar nicht wolle – das neueste Vorhaben bedrohe sogar einen Grüngürtel.

Die Strasse, an der sich die SP stört, ist die Teilumfahrung Reinach Süd. Der Kanton bringt diese L-förmige Verbindung im jüngsten Richtplan-Entwurf ins Spiel. Die Tangente soll an der südwestlichen Ecke des Reinacher Siedlungsgebiets entlangführen und – so die Überlegung der kantonalen Planer – das Ortszentrum entlasten.

Künftig würden dann etwa Therwiler, die auf die Autobahn A18 gelangen wollen, die Umfahrung benutzen, statt Reinach zu durchqueren. Laut dem Entwurf für die Anpassung 2017 des Kantonalen Richtplans (Krip) wird die rund eineinhalb Kilometer lange Strassenverbindung rund 20 Millionen Franken kosten. Realisiert werden könnte sie innerhalb von fünf bis 15 Jahren. Vorerst hat die Sicherung des Trassees Vorrang.

Schon Schwinger scheiterten

Das Problem ist laut SP: Die Strasse würde das ökologisch wertvolle Gebiet zwischen Reinach und Aesch zerstören. Zurzeit befindet sich die Richtplan-Anpassung in Vernehmlassung. Die SP-Ortssektion verlangt in ihrer Antwort, dass die Teilumfahrung ersatzlos gestrichen wird. Die Frist läuft morgen Freitag ab. Dass die Ebene zwischen Reinach und Aesch heikles Terrain ist, diese schmerzliche Erfahrung musste bereits der Basellandschaftliche Kantonal-Schwingerverband machen: Er wollte auf dem Areal das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2022 durchführen. Doch die betroffenen Landbewirtschafter legten ihr Veto ein. Auch Umweltschützer wehrten sich. Die Schwinger gaben klein bei – und zügelten das «Eidgenössische» nach Pratteln.

Keine Freude an den Plänen des Kantons hat Christian Schürch, der Pächter des Neuhofs. Die Strasse würde quasi seinen Vorgarten zerschneiden. «Das ist eine Idee, die nur am Schreibtisch entstanden sein kann», sagt Schürch zur bz. «An dieses Projekt sollte man keinen einzigen Gedanken verschwenden: Es ist chancenlos.» Ein Befürworter der Strasse ist demgegenüber Melchior Buchs. Der designierte Reinacher Gemeindepräsident schreibt, dass die Tangente notwendig sei, um die Bruggstrasse zu entlasten. Sie bilde die zentrale Achse durch das boomende Gewerbegebiet Kägen.

Zwischen Reinach und Dornach sei gemäss Raumkonzept Birsstadt ein neuer öV-Korridor vorgesehen, auf dem sogar ein Tram verkehren könnte. Laut Buchs ist «eine effiziente, leistungsstarke öV-Verbindung auf der Bruggstrasse nur möglich, wenn diese vom Tangentialverkehr entlastet wird. Diese Entlastung soll die Teilumfahrung bringen.» Der Reinacher Gemeinderat favorisiere aber eine Tunnellösung für die Tangente, «in Würdigung der Interessen von Landschaft und Erholungsraum und dem Schutz vor Verkehr für das Quartier Fiechten.»

Der Aescher SP-Präsident Jan Kirchmayr sagt, dass die Vorhaben von Pegoraros Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) dem Willen des Stimmvolks widersprächen. Es habe im November 2015 die Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (Elba) deutlich abgelehnt. «Es ist stossend, dass man dieses klare Votum einfach übergeht und nur zweieinhalb Jahre danach die Ebene schon wieder zubetonieren will.» Demgegenüber hat die BUD wiederholt betont, dass das Volksnein zu Elba nicht mit einem Planungsstopp für jegliche Verkehrsvorhaben im Unterbaselbiet gleichzusetzen sei.

Südumfahrung light

Von einer «Südumfahrung light» spricht Kirchmayr. Er verdächtigt die Baudirektion, sie wolle scheibchenweise eine «Planungsleiche» reaktivieren.

Die Südumfahrung war ein Autobahnring, den die beiden Basel ab Ende der 1960er-Jahre lancierten. Die vierspurige Autobahn hätte von der A18 bei Reinach/Aesch über das Leimental bis nach Allschwil geführt.

Das Projekt scheiterte am Widerstand aus der Bevölkerung und ist mittlerweile beerdigt. Wenige hundert Meter südlich der angedachten Teiltangente Reinach sind bereits neue Strassen im Bau. Es sind die Zufahrten zum neuen A18-Vollanschluss Aesch.