Die gebrochene Abwasserleitung der Prattler Chemiefirma Rohner AG, durch die verschmutztes Industriewasser über mehrere Monate in das Grundwasser fliessen konnte, gibt auch drei Tage nach dem Bekanntwerden noch zu reden.

Gross sind die Ängste in der Bevölkerung, dass das verseuchte Wasser und der verseuchte Boden ein Gesundheitsrisiko darstellen, obwohl die Behörden sofort betonten, dass das Trinkwasser nicht betroffen sei. Und zahlreich sind die Forderungen, die Rohner AG temporär oder gar definitiv zu schliessen, auch wenn unklar ist, ob dies überhaupt möglich ist.

Zu gross ist der Vertrauensverlust in das Unternehmen, das den Rohrbruch am 12. Februar feststellte und reparierte, ihn aber den Behörden nicht meldete, wodurch das verschmutzte Grundwasser erst zwei Wochen später zufällig vom Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) entdeckt wurde. Dessen Leiter Yves Zimmermann nimmt nun erstmals Stellung.

 

Wie gross ist bei Ihnen noch das Vertrauen in die Firma Rohner und deren Leitung?

Yves Zimmermann: Grundsätzlich pflegen wir eine lösungsorientierte Zusammenarbeit mit den Firmen im Baselbiet. Das AUE steht dabei zur Wahrnehmung seiner Aufsichtspflicht auch in regelmässigem Kontakt mit der Rohner AG. Die primäre Aufgabe des AUE ist es dabei, den Schutz der Bevölkerung und der Umwelt sicherzustellen. Warum das Leck – entgegen der gesetzlichen Meldepflicht – nicht gemeldet wurde, verstehe ich nicht. Sicherlich entspricht ein solches Vorgehen aber nicht unserer Vorstellung einer vertrauensvollen und transparenten Zusammenarbeit.

Bereits 2016 kam es zu einem grösseren Chemieunfall mit Explosion auf dem Firmenareal und Rohner kämpfte in der Folge mit Finanzproblemen. Inwiefern spielt das bei Ihrer Beurteilung auch eine Rolle?

Ich kann nur die Umweltseite beurteilen und in dieser Hinsicht besteht bei der Rohner AG Handlungsbedarf. Dessen war ich mir aufgrund der früheren Vorfälle bewusst, als ich Anfang 2018 die Amtsleitung übernahm. Es muss jetzt wirklich besser werden.

Rohner liess nach der Explosion Sondermüll auf dem Areal stehen, da man kein Geld zur Entsorgung hatte. Der Kanton musste finanziell aushelfen. Ist mittlerweile alles in Ordnung gebracht?

Der flüssige Abfall auf dem Areal ist leider nach wie vor ein Thema und das AUE hat diesbezüglich bereits gehandelt. Im November 2018 wurde mit der Rohner AG ein vollständiger Abbau des Hoflagers bis Ende Juli 2019 vereinbart.

Das AUE ist die Aufsichtsbehörde. Könnte man die Firma Rohner noch strenger kontrollieren als jetzt?

Da der Betrieb der Rohner AG unter die Störfallverordnung fällt, findet eine intensivere Beaufsichtigung und Kontrolle durch das AUE statt als bei anderen Firmen. Dabei arbeiten wir auch mit dem Feuerwehrinspektorat beider Basel zusammen. Die Grundwasserverschmutzung führt dazu, dass wir den Betrieb nun noch genauer anschauen.

Von verschiedener Seite wird die Schliessung des Betriebs gefordert. Gibt es hier wirklich keine Handhabe?

Selbst für eine temporäre Schliessung, wie sie der Gemeinderat Prattelns fordert, ist ein akutes Sicherheitsrisiko Voraussetzung. Dies klären wir zurzeit ab. Das AUE prüft zusammen mit der Bau- und Umweltschutzdirektion derzeit alle Optionen, um das Risiko für die Bevölkerung und für die Umwelt zu verringern.

Ist auch denkbar, dass das AUE im Gespräch mit den Spitzen der Firma Rohner einvernehmlich zum Schluss kommt, dass eine Schliessung oder eine Verschiebung der Produktion an einen anderen Ort sinnvoll wäre?

In erster Linie geht es uns darum, den entstandenen Umweltschaden zu begrenzen respektive zu beheben und weitere Risiken möglichst auszuschliessen. Das hat Priorität.