Sie fallen ins Auge, die kahlen Abschnitte entlang der Baselbieter Kantonsstrassen. Das Verständnis dafür ist oft nicht sehr gross, weder für das Fällen der Bäume noch für die unumgänglichen Verkehrsbehinderungen. Von Respektlosigkeit gegenüber der Natur ist oft die Rede. «Wir verstehen den Ärger, und der Anblick ist wirklich nicht optimal, aber die Holzschläge sind unerlässlich für die Sicherheit von Mensch und Tier», betont dagegen Volkswirtschaftsdirektor Peter Zwick anlässlich einer Medienorientierung von gestern Morgen.

Wichtiges Thema

Anhand des aktuellen Holzschlags eingangs von Reigoldswil und der bereits vor über zwei Jahren durchgeführten Rodung ausgangs von Niederdorf in Richtung Hölstein veranschaulichten der Regierungsrat, das Amt für Wald sowie der Forst die Notwendigkeit der Waldpflege entlang der Kantonsstrassen. Denn das Thema brenne unter den Nägeln, so Kantonsforstingenieur Ueli Meier.

Auch ihm gefallen die zahlreichen kahlen Stellen nicht. Über 30 gibt es bereits, 60 sollen es insgesamt werden: 60 Rodungen, verteilt über sechs Jahre, um die Sicherheit auf den Strassen herzustellen. Meier rechnet mit einer Gesamtzahl von etwa 20000 gefällten Bäumen.

Natürlich versucht man, möglichst viel Bewuchs zu verschonen. Das Problem sei aber, dass der jeweilige Hang nur als kollektiv funktioniere, erklärt Meier: «Einzelne Bäume herauszunehmen, würde die ganze Stabilität gefährden.»

Aufgrund der aufwendigen Arbeiten, insbesondere wegen der zumeist stotzigen Hanglage und der Verkehrssicherung, steigen die Kosten gegenüber dem üblichen Holzschlag im Waldesinneren an. Demgegenüber stehen tiefere Erträge, weil der Grossteil nur als Brennholz verkauft werden kann. Zahlreiche Stämme gehen darum in die Holzkraftwerke Liestal und Basel. Der Kanton veranschlagt Restkosten von rund 150000 Franken pro Jahr.

Allerdings erholen sich die gerodeten Gebiete schnell wieder. Am Beispiel Niederdorf zeigt sich, dass sich nach zweieinhalb Jahren junge Bäume bereits wieder mannshoch um einen Platz an der Sonne ranken. Das bestätigt auch der Kantonsforstingenieur Meier: «Die Holzschläge begünstigen den bestehenden Jungwald, und Bäume und Sträucher wachsen auf den kahlen Flächen schnell nach.»

Jahrelang wurde der Strassenwald vernachlässigt: Weder die technischen noch die finanziellen Mittel hatten zur Verfügung gestanden, um die schwer zu bewirtschaftenden Abschnitte verkehrssicher zu pflegen. So war ein wahrer Kampf um Sonnenlicht unter den Bäumen entbrannt. Während über Jahre gar kein Bedarf bestand, jene Abschnitte zu pflegen, so Meier, sind nun bedrohliche Baumhöhen erreicht. Hinzu kommt – ebenfalls wegen der Enge – oft mangelndes Wurzelwerk, was auf Kosten der Stabilität ging.