Den Sissacher Metzgermeister Rolf Häring lässt nicht kalt, was für ein Bild in den letzten Tagen in der Öffentlichkeit entstanden ist: «Vielleicht hätte ich das Ganze nicht ‹öffentliches Schlachten› nennen sollen», sagt er zur bz.

Am 28. Oktober plant er, mitten im Dorfzentrum Sissachs zwei Schweine zu schlachten. «Damit soll die Hausmetzgete, wie sie früher Tradition war, wieder in Erinnerung gerufen werden», wirbt Häring auf einem Flyer. Von 8 Uhr morgens bis 14 Uhr nachmittags werden die Schweine von Fachleuten geschlachtet, zerteilt, ausgebeint und verwurstet. Das stundenlange Prozedere wird dabei laufend erklärt. Ab 16 Uhr folgt dann auf Anmeldung ein grosses Wurstmahl.

Ein Leserbrief des ehemaligen Pfarrers von Rothenfluh, Lukas Baumann, in der «Volksstimme» trat jedoch eine Welle der Empörung los. Der als «Chüngelipfarrer» bekannt gewordene Baumann bezeichnete den Anlass als «entwürdigende Veranstaltung», als grausame Belustigung der Bevölkerung. Der Schweizer Tierschutz (STS) zog in der «Basler Zeitung» nach und sprach von einem Gag und einer Show-Metzgete, die nichts mit der Realität des Schlachtens zu tun habe.

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So sieht die Metzgete in Hemmiken aus



 

Hauptkritik betrifft Tötungsakt

Wie die bz weiss, ging der STS aber noch einen Schritt weiter: Am Dienstag schickte Geschäftsführer Hansuli Huber der Baselbieter Regierungspräsidentin Sabine Pegoraro einen Brief. Im Schreiben, das der bz vorliegt, bittet er Pegoraro, «das Gespräch mit den Organisatoren zu führen mit dem Ziel, auf das öffentliche Töten im Sissacher Ortszentrum zu verzichten». Ein solcher Vorgang polarisiere die Menschen und auch die Möglichkeit einer Fehlbetäubung der Schweine müsse ins Auge gefasst werden. Hubers Fazit: «Alles Dinge, die dem Ansehen von Sissach nicht förderlich wären.»

Metzger Häring beschäftigt diese Kritik sehr: «Es ist schade, dass der Schweizer Tierschutz direkt zur Regierungspräsidentin gegangen ist, denn mit mir hat er nicht geredet.» Lediglich die Sektion beider Basel habe sich am Montag bei ihm gemeldet, um mehr über die Sissacher Metzgete zu erfahren. Vorwürfe oder Änderungswünsche seien dabei aber keine geäussert worden. «Ich muss genauer wissen, was der Tierschutz von mir will. Gerne höre ich mir die Argumente an», sagt Häring.

Nur kontrollierter Einlass

Etwas hält er aber in aller Deutlichkeit fest: «Wir machen keine Show.» Weder würden die beiden Schweine vorab durchs Dorf getrieben, noch zelebriere man das Töten der Tiere mitten auf dem Sissacher Strichcode vor den Augen ahnungsloser Kinder. Stattdessen liege das Schaffner-Areal an der Hauptstrasse 43 zwar zentral, doch sei es umzäunt und das Geschehen nicht direkt einsehbar.

Vor dem schmalen Eingang würden «Türsteher» postiert, die erklären, was einen drinnen erwartet. Kinder dürften nur in Begleitung Erwachsener aufs Gelände. Maximal 40 Personen hätten Platz. Die beiden Schweine würden den Tierschutzbestimmungen entsprechend von einem Bauer direkt angeliefert. Auch Hygiene und Lebensmittelsicherheit würden beachtet.

«Am Wurstmahl wird nicht das frisch geschlachtete Fleisch serviert», so Häring. Dieses sei bereits im Vorfeld an eine Privatperson verkauft worden. «Über ein Dreivierteljahr lang haben wir alles vom Kantonstierarzt prüfen und bewilligen lassen», sagt der Metzger. Den Anlass abzublasen, ist für ihn keine Option.

Das wird auch Regierungspräsidentin Pegoraro nicht fordern. Wie ihr Sprecher Dieter Leutwyler ausrichtet, sei die wichtigste Bedingung für den Kanton, dass die Sissacher nicht unbedarft an die Schlachtung heranlaufen können. Das scheint Häring zu erfüllen. Zudem sei ein Amtstierarzt vor Ort. Ob weitere Anpassungen nötig seien, kläre man zurzeit noch ab, sagt Leutwyler.

Von der Sau zum Rollschinkli: Metzgete in Hemmiken

Von der Sau zum Rollschinkli: Metzgete in Hemmiken

Hinweis der Redaktion: Das Video enthält Szenen, die auf einige Betrachter möglicherweise verstörend wirken könnten.