Die positive Nachricht vorab: Die im letzten Jahr vom Kanton stark kritisierte Tierhaltung auf dem Hemmiker Hof Maiberg erhält nach der neusten Kontrolle gute Noten. Allerdings gibt es im Umgang der Behörden mit dem Bauern Alfred Suter weiterhin Ungereimtheiten. Eine ist, wie die Kontrolle zustande kam. Sowohl Suter wie sein neuer Bestandestierarzt Werner Pfister hatten nach einer Aussprache mit Vertretern der Task Force – diese wurde durch die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion Mitte Januar extra zur Tierhaltung auf «Maiberg» ins Leben gerufen – in Erinnerung, dass die nächste Kontrolle angemeldet erfolgen würde. Damit Pfister auch zugegen sein kann.

Doch am vorletzten Freitag standen zwei Tierärzte des Kantons und zwei Polizisten am späteren Morgen für Suter völlig überraschend im Stall, als er gerade am Füttern seiner Rinder war. In Suters Kopf spielte sich in diesem Moment der Film von der letzten Kontrolle im November ab, die genau gleich begonnen hatte, aus seiner Sicht völlig aus dem Ruder lief und mit einem toten Rind endete. Am Schluss stand damals seine Aussage gegen die Aussagen der vier Kantonsvertreter.

Chef kam erst auf Anruf

Das wollte Suter nicht noch einmal erleben. Er bat deshalb, vorgängig der Kontrolle ein paar Telefonate machen zu dürfen, was ihm unter Polizeibewachung gewährleistet wurde. Suter bot seinen Tierarzt und einen Anwalt auf; beide waren schnell vor Ort. Dabei erwies sich Suters neuer Tierarzt erstmals als wichtige Stütze, denn der erfahrene Pfister lässt sich nicht so schnell ins Bockshorn jagen. Pfister erzählt: «Die Situation mit den zwei Polizisten hat mich verärgert. Das war eine reine Machtdemonstration des Kantonstierarztes.

Deshalb intervenierte ich und verlangte, dass bei einem solchen Grossaufgebot der Chef mit auf den Platz gehört.» Kantonstierarzt Thomas Bürge erschien dann tatsächlich vor Ort und die Kontrolle lief in Ruhe ab. Die Kantonsvertreter gingen nicht mehr selber in die Herde hinein wie letztes Mal, sondern wiesen Suter an, Tiere für die Kontrolle auszusortieren.

Der schriftliche Befund von Bürge lautete nach der Kontrolle: «Die Tierpflege, die allgemeine Tiergesundheit, die Sauberkeit und die Hygiene im Tierhaltungsbereich hatten sich seit der letzten Kontrolle deutlich verbessert.» Bemängelt wurden bei einem Rind zu lange Klauen, bei einzelnen Tieren leichtgradige Lahmheiten und an den Stalleinrichtungen Mängel wie Stolperfallen. Für Suter dagegen sind die Zustände jetzt und im November deckungsgleich.

Suters Hof «im Mittelfeld»

Wie schätzt Tierarzt Pfister, der medizinisch das Vieh von rund 100 Bauern und seit letztem Dezember auch jenes von Suter betreut, dessen Tierhaltung ein? «Alfred Suter liegt irgendwo im grossen Mittelfeld zwischen Vorzeige- und Problembetrieben.» Und er ergänzt: «Ich sehe keinen Sinn hinter der Task Force und habe den Eindruck, dass innerhalb dieses Gremiums Verantwortungen hin und her geschoben werden. Ich bin überzeugt, dass die Deponiegeschichte und die jetzige Tierschutzgeschichte einen Zusammenhang haben.»

Positiv auch für Suter: Zwei Tage nach der Stallkontrolle konnte er seine Milch wieder abliefern. Deren Abnahme wurde ihm seit Anfang Januar verweigert, weil angeblich ein Grossverarbeiter und in der Folge auch andere Suters Milch nicht mehr wollten. Dies, nachdem bekannt wurde, dass das IP-Label sistiert worden war.

Suter verweist auf die Widersprüchlichkeit, dass viele Bauern ihre Milch ohne dieses Label liefern. Er vermutet, dass sich nun andere Bauern hinter den Kulissen für ihn eingesetzt haben und er deshalb seine Milch wieder abgeben kann. Offen ist momentan, wer den Schaden trägt. Suter sagt, dass ihm über 12 000 Franken verlustig gingen für die eineinhalb Monate, während derer er seine Milch ins Güllenloch leeren musste.

Das grösste Damoklesschwert, das derzeit im Zusammenhang mit der Tierhaltung noch über dem Hof Maiberg schwebt, ist die Anfang Dezember angedrohte Verfügung des Kantons. Darin kündete dieser an, dass Suter seinen Rinderbestand von rund 180 Tieren bis Ende 2017 auf die Hälfte reduzieren müsse. Suter wehrte sich dagegen, beim Kanton herrscht seitdem Funkstille. Das heisst, die angedrohte Verfügung steht nach wie vor im Raum.

Wie geht es hier weiter? Kantonschemiker Peter Wenk, der die Task Force leitet, schreibt dazu lediglich: «Darüber können wir keine Auskunft geben.» Wenk, der nur schriftlich Stellung nimmt, gibt sich auch auf die Frage, ob es nach der positiv verlaufenen Kontrolle die Task Force noch brauche, sibyllinisch: «Wichtig ist es nun, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und die Nachhaltigkeit sicherzustellen. Die Task Force wird deshalb weiterbestehen.»