Die Kulturhaus Palazzo AG in Liestal will expandieren. Verwaltungsratspräsident Niggi Messerli und die drei Mitbesitzer Peter Jakob, Niggi Lehmann und Christian Schweizer haben ihr Auge auf die andere Schienenseite geworfen. An der Oristalstrasse 7 steht ein repräsentatives Gebäude in Kantonsbesitz, in dem einst Coop eingemietet war.

Für Messerli ist das weitgehend leer stehende Haus ideal für die Verwirklichung des geplanten Ablegers «Palazzo Factory», der neben Büros und Werkräumen auch Künstlerateliers beherbergen soll. «Deshalb wären wir sehr interessiert am Kauf der Liegenschaft», schreibt der Kulturhaus-Betreiber in einer E-Mail an Andreas Bhend, den Leiter des Baselbieter Amts für Immobilienverkehr. «Wir wären froh, wenn Sie uns Pläne und Unterlagen sowie die Höhe des Verkaufspreises (Liegenschaft mit dazugehörendem Umland) mitteilen könnten.»

Das war am 27. Januar 2017. Seither wartet Messerli laut eigenen Angaben vergeblich auf eine Reaktion. Selbst eine telefonische Nachfrage vor ein paar Wochen sei ergebnislos geblieben: «Wir wissen, dass der Kanton das Gebäude verkaufen möchte, und wir hätten das Geld und die Möglichkeiten, es erfolgreich zu betreiben.»

Bisher wollte der anerkannte Baselbieter Fotograf und Kulturmanager um die Angelegenheit keinen «allzu grossen Wind» machen. Auch deshalb, weil die Palazzo AG zu Jahresbeginn vom Kanton zwei Räume in ebendiesem Gebäude gemietet hat und deshalb über die Lage vor Ort bestens informiert ist. Dass er allerdings bis gestern Dienstag von der kantonalen Immobilienstelle nicht einmal eine Empfangsbestätigung für seine E-Mail erhalten habe, befremdet Messerli gleichwohl. Von der fehlenden Verkaufsofferte ganz zu schweigen.

«Mehrmals telefoniert»

Das wiederum sorgt für Erstaunen in der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion. Immobilienleiter Andreas Bhend gibt an, mit Messerli nach dessen Zuschrift im Januar gleich mehrmals telefoniert zu haben. «Ich habe ihm mitgeteilt, dass die Immobilie vorerst nicht zum Verkauf steht», sagt Bhend. Folgerichtig habe er der Palazzo AG auch keine Verkaufsofferte zugestellt.

Im Zusammenhang mit der Gesamtplanung des Bahnhofsneubaus und der Vierspur-Erweiterung hätten Hochbauamt und SBB beschlossen, zuerst die weitere Erschliessung der umliegenden Areale zu koordinieren. Seit rund zwei Wochen liegen nun die SBB-Pläne für den Vierspurausbau beim Liestaler Bahnhof vor. Aus diesen geht laut Bhend hervor, dass der Kanton einen Teil der Parzelle Oristalstrasse 7 für den Gleisausbau an die SBB abtreten muss. «Darum haben wir im Hochbauamt beschlossen, das Gebäude bis zur Fertigstellung des Vierspur-Ausbaus nicht zu veräussern und weiter zwischenzunutzen», erklärt der Baselbieter Immobilien-Chef.

Gemäss SBB-Zeitplan soll das vierte Gleis bis spätestens 2025 fertig sein. Indes räumt Andreas Bhend ein, Palazzo-Chef Messerli über diese jüngste Entwicklung nicht informiert zu haben. Ohnehin gäbe es neben ihm noch weitere Kaufinteressenten.

Mal abgesehen vom ganzen Kommunikations-Wirrwarr: Messerli wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als den Traum von der Palazzo Factory aufs lange Gleis zu schieben.