Die Spendenaufruf-Plakate an den Baustellenplanen an der Birsfelderstrasse 45 in Basel sind absichtlich dort. Nicht etwa, weil man vergessen hat, sie abzunehmen, sondern um den Neubau des Tierheims beider Basel finanzieren zu können. Die Kostenschätzung für den Neubau liegt bei 12,1 Millionen Franken. Bis jetzt gingen nach Angaben von Béatrice Kirn, Geschäftsleiterin des Tierheims beider Basel, 6,8 Millionen Franken an Spendengeldern ein. Dies ist im Vergleich zum Jahr 2015 mit 5,9 Millionen Franken ein sehr kleiner Sprung: «Die Spendenthematik wurde ruhiger. Das kommt wohl daher, dass nach dem Zusichern des Staatsbeitrags in Form einer Garantie der beiden Kantone Baselland und Basel-Stadt ein Missverständnis entstanden ist», erklärt Kirn.

Das Missverständnis besteht darin, dass davon ausgegangen wird, dass der Betrag von sechs Millionen Franken der zugesprochenen Kreditsicherungsgarantie Steuergelder sind. «Es stimmt so nicht, dass wir einen Betrag von sechs Millionen aus Steuergeldern erhalten. Es handelt sich um eine Garantie gegenüber den Banken zur Sicherung von Hypothekarzinsen und Amortisation. Dies weil die Aufgaben des Vereins hauptsächlich durch Spendengelder finanziert werden und diese jährlich unterschiedlich hoch sein können. Wäre die Garantie durch die Parlamente nicht genehmigt worden, so hätten wir den Neubau nicht realisieren können», so Kirn weiter.

Zurückzahlung der Garantiegelder

Der Bankkredit muss also zurückbezahlt werden, wofür nach wie vor Spendengelder nötig sind. Nur gerade 30 Prozent der Einnahmen kann das Tierheim mit den angebotenen Dienstleistungen decken. Die restlichen 70 Prozent, die der Betrieb zum Überleben benötigt und jetzt auch den Neubau finanzieren muss, werden von Spendengeldern gedeckt.

«Was die namhaften Investitionen ausmachen, sind die Auflagebestimmungen. Zum Beispiel für die Mitarbeiter, Licht- und Temperaturverhältnisse im Tierbereich, die feuerpolizeilichen Vorschriften für die Tierhaltung unter Boden und die Seuchenschutzauflagen», sagt Kirn. So muss also das Veterinäramt sein Einverständnis geben, damit eine artgerechte unterirdische Tierhaltung wie geplant umgesetzt werden kann.

Luxusvariante oder Zweckbau?

Beim Bau mussten laut viele Kompromisse eingegangen werden. Dabei hat man sich auf die genannten Auflagebestimmungen reduziert und andere zusätzliche Installationen weggelassen. So muss vollständig auf Holz verzichtet werden, da dies den Desinfektionsvorgaben nicht entsprechen, die Kosten aber tiefer halten würde. Auf ein Aussengehege will man aber nicht verzichten. Kritik war immer wieder laut geworden, das Tierheim sei ein «Palast», ein «Luxusbau». Eine Maximalvariante, die mehr biete, als es wirklich brauche.

Spendenaktionen aller Art

Benefizanlässe wie die Vorpremiere des neuen James Bond-Films oder Auftritte von Emil Steinberger waren die Highlights. Der nächste Anlass wird zum 120-Jahr-Jubiläum stattfinden, welches das Tierheim dieses Jahr feiert. Kooperationen mit Schulen, bei welchen die Schüler Benefizkonzerte geben, zeitigen laut Béatrice Kirn positive Resultate. Und auch zu anderen Stiftungen spielen die Kontakte.

«Ende 2017 sollen der Neubau fertig sein und der Umzug stattfinden. Damit ist der Spendenaufruf jedoch noch nicht beendet, da wir die sechs Millionen Baukredit nach wie vor abzahlen müssen», sagt Kirn. Dass die Garantie zurückbezahlt werden muss, ist klar. Die Frage bleibt nur, in welcher Zeit sie zurückgezahlt werden kann. Je schneller, desto besser. Trotz der nicht ganz glücklichen Lage ist Kirn zuversichtlich und freut sich auf den Umzug an den alten Standort in ein neues Gebäude.