Herr Jung, seit etwa 100 Tagen sind Sie nun im Amt. Erst jetzt dürfen Sie sprechen. Wieso verpasste Ihnen der Kanton einen Maulkorb?

Thomas Jung: Das ist kein Maulkorb, sondern eine gegenseitige Übereinkunft. Es ist üblich, die ersten hundert Tage abzuwarten. Es macht vorher keinen Sinn.

Der Kanton tat sich schwer bei der Suche nach einem neuen Kantonsarchitekten. Die sehr hohen Anforderungen scheint kaum jemand erfüllen zu können. Was qualifiziert Sie für den Job?

Ich habe vorher als Stadtarchitekt in Dietikon in einem ähnlichen Umfeld gearbeitet. Dort hatte ich unterschiedlichere Aufgabenfelder als beim kantonalen Hochbauamt. Allerdings waren die kommunalen Bauaufgaben auch wesentlich kleiner. Unser grösstes Projekt hatte einen Umfang von 36 Millionen Franken, während hier alleine der Bau der Fachhochschule etwa achtmal mehr kosten wird. Ich habe aber von Dietikon und vorher Dübendorf reichlich Erfahrung in der Zusammenarbeit mit der Exekutive.

Angesichts des Spardrucks werden Sie wohl keine grossen Sprünge machen können. Wieso legen Sie sich als kreativer Mensch solch ein Korsett an?

Spardruck besteht immer. Man soll immer kostengünstig – nicht billig – bauen, das ist ein Grundsatz. Unsere grossen Projekte unterstehen zwar spürbar dem Spardruck, wir müssen sie aber trotzdem realisieren, weil das Bedürfnis nach diesen Bauten ausgewiesen ist. Sei die Bauaufgabe die Errichtung von Schulhäusern oder sehr grosse Projekte wie der Bau der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz.

Aber bei Image-Bauten sind Sie limitiert?

Das ist ein fundamentaler Irrtum. Natürlich nimmt man grosse Gebäude eher wahr. Aber ein Bauwerk wie der «Shard» in London steht bei uns nicht auf dem Programm. Mit dem FHNW-Bau wird Baselland ein repräsentatives Gebäude bekommen, auch wenn es architektonisch nüchterner daherkommen wird. Das heisst nicht, dass es deswegen nicht gut gestaltet wird. Diese Art der Gestaltung entspricht dem Schweizer Naturell eher, als die «dekorierte Kiste».

Was gibt es sonst noch für grosse Projekte?

Der Neubau des Biozentrums der Uni-Basel auf dem Schällemätteli, den wir zusammen mit dem Kanton Basel-Stadt realisieren. Dann der Ersatzbau fürs alte Biozentrum. Das heutige Gebäude wird möglicherweise einem Ersatzbau Platz machen. Der Entscheid steht noch aus, und wird voraussichtlich im Herbst gefällt werden. Beide Bauten werden über 200 Millionen Franken kosten.

Die grossen Projekte sind also kantonsübergreifend.

Nicht unbedingt. Das sind jetzt mal die Grössten. Da ist beispielsweise das Kantonale Strafjustizzentrum in Muttenz für etwa 74 Millionen Franken. Dieser Bau wird nächstes Jahr fertig und im Februar 2014 bezogen. Das ist sicher auch ein Prestigebau.

Und der Kauf der Sekundarschulhäuser?

Die Übernahme der Sekundarschulen ist bald abgeschlossen. Einzelne Gemeinden haben die Schulhäuser nicht mehr optimal unterhalten, seit sie wissen, dass der Kanton die Bauten kauft. Wegen Harmos braucht es zum Teil mehr Raum; das kostet.

Ihre Vorgängerin hat zuletzt den Kanton wegen der mangelnden Weitsicht kritisiert. Stichwort Verwaltungszentrum und Sparen.

Da gibt es einen neuen Anlauf. Die Regierung sieht die Synergien, welche sich bei einem Zusammenzug der Verwaltung an die Rheinstrasse in Liestal ergeben. Es wird ein Architekturwettbewerb vorbereitet. Meine Vorgängerin hat recht, dass mit einem Verwaltungszentrum Einsparungen möglich wären. Die Dienststellen sind heute über Liestal und über den Kanton verteilt. Es ist zwar schön für den Mitarbeitenden, wenn er im grossen Büro eines historischen Objekts wirken kann, unter ökonomischen Gesichtspunkten macht das aber keinen Sinn. Dieser Büroraum kann mit einem neuen Verwaltungszentrum auf den Markt gebracht werden.

Wie zum Beispiel?

Als Wohnungen. Wir haben eine Immobilienstrategie entwickelt, bei der wir entscheiden, ob wir Immobilien veräussern, behalten oder vermieten. Da sind längerfristig Einsparungen möglich, vorausgesetzt wir haben einen Verwaltungsneubau.

Welches sind Ihre Visionen fürs Baselbiet?

Ich will das Baselbiet bekannter machen. Hinter dem Bözberg nimmt man das Baselbiet als Teil von Basel war. Baselland ist mit der Fachhochschule aber auch ein Image-Träger der Region. In Muttenz entsteht ein für die Nordwestschweiz bedeutsamer Bildungs-Cluster.

Aber mit welchen architektonischen Mitteln wollen Sie das Baselbiet bekannter machen?

Klar, Bauten wie das Verwaltungszentrum sind nicht spektakulär, es braucht sie einfach. Ich finde, der Bahnhof in Liestal passt nicht recht zur Stadt. Liestal ist Kantonshauptort und hat einen anderen, zeitgemässeren Bahnhof verdient. Wir würden die SBB bei der Projektierung eines Neubaus unterstützen. Ein neuer Bahnhof wäre zusammen mit dem Staatsarchiv und der Kantonsbibliothek eine gute Visitenkarte für die Kantonshauptstadt.