«Ich frage mich, ob die Pastoralkonferenz mit ihrer Medienmitteilung, welche die Kündigung verurteilt, nicht gegen den Willen vieler ihrer Mitglieder gehandelt hat.» Das sagte Ivo Corvini kürzlich gegenüber der bz. Denn der Baselbieter Landeskirchenratspräsident ist sicher, dass viele Seelsorgende den Entscheid des Landeskirchenrats (siehe Glossar unten) unterstützen, den Vertrag betreffend der Fachstelle Katholisch BL.BS zu kündigen.

Das wollte Hanspeter Lichtin, Präsident der Baselbieter Pastoralkonferenz, genauer wissen. Deshalb lancierte er eine Umfrage bei der Basis. Nun liegt das Resultat vor. Und Lichtin darf sich bestätigt fühlen. Über 88 Prozent der Befragten sagen, der Landeskirchenrat habe in der Angelegenheit Katholisch BL.BS nicht richtig gehandelt. Dass vor der Vertragskündigung keine Rücksprache genommen wurde, kritisieren sogar mehr als 93 Prozent. Weiter verneinten fast 88 Prozent die Aussage: «Ich vertraue dem Landeskirchenrat, dass er aus sachlich begründeten Befürchtungen betreffend Wirksamkeit der Fachstelle für die Pastoralräume Baselland gehandelt hat.»

Die Umfrage ging an rund hundert Seelsorgende wie Theologen und Jugendarbeiter, die in den Baselbieter Kirchgemeinden ein Pensum von mindestens 50 Prozent haben. Auch Pensionierte finden sich unter den Angeschriebenen. 60 Mitglieder haben mitgemacht.

Landeskirchenrat nimmt vorerst keine Stellung

Es ist kein gutes Zeugnis, das die Seelsorgenden dem Landeskirchenrat ausstellen. Corvini möchte dazu keine Stellung nehmen. Er habe die Ergebnisse noch nicht erhalten und nicht mit dem Rest des Rats und dem Bischofsvikar besprechen können. Dabei verweist der ehemalige CVP-Landrat auf die Erklärung, die der Landeskirchenrat und der Bischofsvikar letzte Woche gemeinsam veröffentlicht haben. Darin heisst es unter anderem: «Mit Blick auf das Wohl unserer Kirche erwarten wir, dass die öffentlich und intern ausgetragenen Vorwürfe und Unterstellungen beendet werden.» Daran möchte Corvini festhalten.

Der gleiche Satz aus der Erklärung bringt auch Lichtin dazu, nicht weiter zur Umfrage Stellung zu nehmen. «Ich bin gleich, nachdem diese Erklärung erschienen ist, in den Ausstand getreten», sagt er. Denn er sei Angestellter der Landeskirche. Dabei präzisierte Corvini in der bz, dass es sich bei diesem Punkt der Erklärung nicht um einen Maulkorb handeln soll. Sachliche Kritik sei willkommen, nur die persönlichen Unterstellungen und Vorwürfe sollen aufhören. «Welche Kritik sachlich und welche persönlich ist, ist jedoch Interpretationssache», findet Lichtin. Deshalb wolle er sich lieber gar nicht mehr äussern.

Dafür spricht Pastoralkonferenz-Vorstandsmitglied Elke Kreiselmeyer: «Diese Resultate sind sehr wichtig für uns. Schliesslich stand der Vorwurf im Raum, wir würden nicht für die Mehrheit unserer Mitglieder sprechen. Aber die Ergebnisse zeigen, dass wir und die Fachstelle einen starken Rückhalt haben.» Über 91 Prozent der Befragten gaben an, dass die Arbeit der Fachstelle wichtig sei. «Ich könnte alleine aus unserer Pfarrei aus dem Stegreif zehn Dinge aufzählen, bei denen uns die Fachstelle geholfen hat», so die Leimentaler Gemeindeleiterin.

Synode wird abgewartet

Vorerst belässt es die Pastoralkonferenz bei der Umfrage. «Nun warten wir die Synode nächste Woche ab», so Kreiselmeyer. Denn die Seelsorgenden könnten kaum Einfluss nehmen. In der Umfrage forderten 86 Prozent von ihnen, dass die Kündigung zurückgenommen wird. «Niemand möchte dem Landeskirchenrat einen Vorwurf machen», sagt Kreiselmeyer. «Jeder macht Fehler. Aber wenn man wie in dieser Umfrage sieht, dass überhaupt kein Rückhalt vorhanden ist, sollte man nochmals genau hinschauen und die Handlung überdenken.»

Kritik üben die Seelsorgenden auch an Bischofsvikar Christoph Sterkman. Fast 88 Prozent geben an, dass sie sich von ihm eine Zurückweisung des Entscheids des Landeskirchenrats wünschen. Sterkman gab sich bisher diplomatisch.

Eine Auswahl der Resultate aus der Umfrage unter den Seelsorgenden.